05.10.07

Polarexpedition

Arved Fuchs und die mageren Eisbären

Der Abenteurer und Polarforscher ist von seiner Polarexpedition zurück. "Es war bedrückend, zu sehen, wie sehr sich das Eis zurückzieht", sagt er. So bewegten ihn abgemagerte Eisbären. Außerdem fand seine Truppe Hinterlassenschaften einer Expedition, die 1912 verschollen war.

Foto: DPA
Das Segelschiff «Dagmar Aaen»
Das Segelschiff «Dagmar Aaen»

Der Abenteurer und Polarforscher Arved Fuchs ist am Freitag von seiner Spitzbergen-Expedition zurückgekehrt. Mit dem Segelschiff "Dagmar Aaen" lief der 54-Jährige nach 5500 Seemeilen im Flensburger Museumshafen ein. Dort war er am 12. Juni aufgebrochen, um mit Wissenschaftlern aus Messungen und Eiskernbohrungen Erkenntnisse zum Klimawandel zu gewinnen. "Es war bedrückend, zu sehen, wie sehr sich das Eis zurückzieht. Es nimmt einem die Freude an dieser Reise", sagte Fuchs nach der Rückkehr. "Ich glaube, wir stehen vor einer der größten Herausforderungen unserer Zeit." Fuchs veranstaltete auf der Reise auch ein Jugendcamp in Spitzbergen zum Thema Klima und spürte einer historischen Expedition nach, die 1912/1913 verschollen war.

Für die Untersuchungen an der Eiskante habe er mit seinem Expeditionsschiff bis an den 82. Breitengrad heranfahren müssen, berichtete der Abenteurer und Forscher. "Wir konnten Spitzbergen umrunden, ohne dass das Eis Probleme gemacht hat." Bisher sei dies für ein Expeditionsschiff wie die "Dagmar Aaen" unmöglich gewesen.


Nach Angaben des Hamburger Wissenschaftlers Dirk Notz vom Max- Planck-Institut für Meteorologie, der im Eis experimentiert hatte, ist die Eisfläche um den Nordpol innerhalb eines Jahres um eine Fläche geschrumpft, die vier mal so groß sei wie Deutschland. "Der Rückgang passiert viel schneller als mit den Klimamodellen vorhergesagt", berichtete er. Die Experimente im Eis sollen nun klären, ob dies ein Trend sei oder ein vorübergehendes Phänomen. "Es kann sein, dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem wir die Entwicklung nicht mehr stoppen können", sagte Notz. Die verschwundene Fläche fehle zum Beispiel Eisbären zum Jagen. "Wir haben magere Eisbären gesehen. Die Bären sind zur Symbolfigur der Klimaveränderung geworden. Sie sind es aber nicht alleine. Es betrifft die gesamte Natur", betonte Fuchs.

Trotz allen Tatendrangs sei er froh, die Expedition bewältigt zu haben. "Es ist ein großartiger Moment, zurückzukommen und schön, zu Hause zu sein", sagte er. Auch seine Mutter Gisela Fuchs freute sich, ihren Sohn wieder in die Arme schließen zu können. Sonst habe sie Kontakt über Handy und Satellitentelefon gehalten. Sie vertraue immer darauf, dass ihr Sohn zurückkommt, betonte sie. Schließlich habe er sich bereits von klein auf mit dem Thema beschäftigt.

Fuchs unternimmt seit fast 30 Jahren Expeditionen, 1989 war er der erste Deutsche am Nordpol. Im gleichen Jahr passierte er die Antarktis. Im vierten Versuch gelang es Fuchs 2002, die Nordostpassage zu durchqueren. Damit umrundete er den Nordpol. Fuchs macht mit seinen Erfahrungen in der Arktis seit Jahren auf dramatische Klimaveränderungen aufmerksam.

Jetzt war der Forscher auch einem der größten Rätsel der deutschen Polarforschung auf der Spur. Der Wissenschaftler Herbert Schröder- Stranz war 1912/1913 aus nicht geklärten Gründen auf der Suche nach der Nordostpassage mit sieben Mitreisenden im Packeis verschollen. "Es ist uns gelungen, die Spuren der Expedition aufzugreifen und Hinterlassenschaften zu finden", erzählte Fuchs. Er spürte mit seinem Team einen alten Schuh, ein Stück Hanfseil sowie eine abgebrochene Schlittenkufe auf. Ein Kamerateam begleitete die Suche für eine Fernseh-Dokumentation.

In einem Jugendcamp auf Spitzbergen informierte Fuchs Jugendliche aus fünf Nationen über die Auswirkungen der Klimaveränderung im Eis. "Die Problematik hat uns alle betroffen gemacht. Aber die Erfahrungen haben mich weitergebracht", sagte die 18 Jahre alte Schülerin Siren Rühs aus Hannover. Sie habe an ihrer Schule ein Klimaschutzprojekt ins Leben gerufen.

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