Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
13.02.12

Tod mit 48

Whitney Houston - eine Erinnerung an la Diva

Whitney war la Diva, Whitney war die Größte. Und sie war auch ein ausgebuhtes Wrack, das man auf der Bühne zerbrechen sah – ein Nachruf von Mathias Döpfner.

picture-alliance / KPA/TopFoto/KPA

Whitney Houston, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Königin des Pops gefeiert, starb im Alter von 48 Jahren.

24 Bilder

Ich sitze im Hafencafé von Mangaratiba, einem ehemaligen Piratendorf in Südbrasilien. Es regnet. Dahinten, in einer Kapelle singen Kinder ein brasilianisches Lied auf die Melodie von "O Tannenbaum". Auf dem Handy lese ich, dass Whitney Houston tot ist.

Ich habe sie zweimal auf der Bühne erlebt. Einmal in Frankfurt, 1988, auf dem Höhepunkt ihres Könnens und ihrer Karriere. Da stand sie in der riesigen Messehalle, ein bisschen schüchtern, aber glühend präsent, als hätte die Sonne selbst einen Splitter von sich auf die Bühne geschleudert.

Whitney Houston sang ihre Hits und dann ein Gospel-Medley, selbstvergessen improvisierend, mit einer Stimme, die vor Lust und Kraft über den schmalen Körper hinauszuwachsen und sich wie eine Naturgewalt daneben zu stellen schien, irgendwann für ein paar Sekunden ganz ohne Mikrofon die Halle füllend. Der Saal tobte. Whitney, la Diva, Whitney, die Größte.

Die gefallene Diva, ein Wrack

Das zweite Mal habe ich sie 2010 in Berlin gesehen, bei ihrem Comebackversuch . Es war die Inszenierung einer Demütigung. Singen konnte sie nicht mehr, unvorteilhaft gekleidet schob sie ihren aufgedunsenen Leib über die Bühne, probierte die alten Songs, krächzte, lachte, schimpfte und rang um einen Funken Anerkennung und um das, wovon und wofür sie immer gelebt hat: um Liebe, genauer, um die Liebe ihres Publikums.

Aber das Publikum liebte nicht, es lachte. Es buhte und verließ unter Protest den Saal. Whitney, die gefallene Diva, Whitney, das Wrack.

An diesem Tag konnte man Whitney Houstons Todesursache studieren. Offiziell, medizinisch mögen es die Folgen von Drogenmissbrauch gewesen sein, in Wahrheit starb sie an gebrochenem Herzen, an Liebesentzug. Man sah auf der Bühne einen Menschen zerbrechen, vom Publikum – sachlich sicher berechtigt, aber gefühlskalt und brutal – zurückgewiesen.

Whitney Houston war eine der größten Soul- und Pop-Sängerinnen aller Zeiten. Aretha Franklin mag künstlerisch noch prägender gewesen sein – rein vom stimmlichen Material und der gesanglichen Musikalität bewegte sich Whitney Houston auf Augenhöhe. Hinzu kam ihre geradezu unwirkliche Schönheit, die ihr schadete. Wer so gut aussieht, kann kein großer Künstler sein, wusste der Zeitgeist der Achtzigerjahre.

"I Will Always Love You"

Whitney Houston hat unter dieser letztendlichen künstlerischen Nichtanerkennung immer gelitten. Und auch deshalb den Ausschlägen der Gefühlsamplitude ihres Publikums nicht standgehalten. In einem Fernsehinterview wurde sie vor vielen Jahren auf ihre Rolle als Diva angesprochen: "Ich will keine Diva sein", antwortete sie und weinte. Gestorben ist sie als die Callas des Soul.

Ein trauriges Künstlerleben. Und ein glückliches. Sie hat Millionen von Menschen für einen entscheidenden Moment verzaubert.

Auf dem schräg von der Decke hängenden Fernseher des Hafencafés von Mangaratiba ist plötzlich das Gesicht von Whitney Houston zu sehen, sie singt " I Will Always Love You ". Die Kinder, die aus der Kirche gekommen sind, gucken gebannt.

Mathias Döpfner ist Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Krebs
Impfung gegen Krebs

Forscher wollen Tumore künftig mit Vakzinen besiegen.

Video Nachrichten mehr
Kenia Explosion erschüttert Einkaufzentrum in Nairobi
Großrazzia Polizei verhaftet italienische Fußballprofis
Filmpreis Haneke mit "Goldener Palme" in Cannes…
Sicherheitsrat UN verurteilt Massaker in Syrien
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Berlin

Bunter Straßenumzug zum 17. Karneval der Kulturen

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote