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07.02.12

Super-Bowl-Auftritt

Madonna fährt mit dem goldenen Helm in die Hölle

Mit einer perfekt inszenierten Show hat US-Popdiva Madonna die Massen beim Super Bowl begeistert. Dabei bediente sie sich zahlreicher Reminiszenzen der Popkultur.

AFP

Es ist der jährliche Mega-Straßenfeger in den USA: Der Super Bowl. Bei der Halbzeitshow wird traditionell geklotzt, nicht gekleckert: Dazu legte Pop-Diva Madonna ...

10 Bilder

Nichts bedeutet etwas. Alles bedeutet etwas. Die amerikanische Popkultur ist erst auf dem Höhepunkt, wenn wirklich denkbaren Anspielungen gemacht sind, wenn Jahrhunderte und Kulturen durcheinander wirbeln, Kulte und Religionen scheinbar wahllos zusammengemischt werden.

Der Auftritt von Madonna beim Superbowl fügt all die Steinchen zusammen, munter und in enorm bizarrer Weise. Man mag es naiv nennen oder dreist, auf jeden Fall ist es eigenständig. Und große Kunst.

Wie Kleopatra ins Stadion getragen werden und dann eine nordische Walkürenkluft herzeigen, ist schon fein. Das Schönste ist aber Madonnas Helm, juwelenbesetzt und gülden.

Der Helm bedeutet aber eine ganz andere Form von Herrschaft: Madonna ist die Kaiserin von Amerika. Die Kopfbedeckung stammt nämlich aus der Donald-Duck-Geschichte "Der goldene Helm ". Carl Barks schrieb und zeichnete die Episode 1952.

Von Nero bis Donald Duck

Der Helm gehörte dem Wikinger Olaf dem Blauen, der im zehnten Jahrhundert Amerika entdeckte. Wer in seinem Besitz ist, besitzt Amerika. Es entbrennt ein Kampf um den Helm, alle Träger verfallen dem Größenwahn.

Madonna hat sich stets als unkindliche Kaiserin gesehen, sie singt dazu "Vogue", ein Lied, das von den stilistischen Vorbildern der Popkultur handelt. Madonna zählt sie alle auf. "Greta Garbo and Monroe / Dietrich and DiMaggio/ Marlon Brando, Jimmy Dean / On the cover of a magazine”. Im Olymp wird gesungen und gespielt.

Zu dem Eröffnungsgehoppse bekommt die Sängerin dann von einem Wagneresken Nibelungen-Engel noch eine Lyra gereicht, mit der sie ein paar Sekunden lang herumfuchtelt. Die Lyra hat schon Peter Ustinov als Kaiser Nero in "Quo Vadis" zum singen animiert.

"O lodernd Feuer! O göttliche Macht! " In "Vogue" fordert Madonna dazu immer wieder: "Wirf dich in Pose" Alle Geschichte und Kultur mündet in Pop. Umberto Eco hat dazu in seinem Aufsatz über "Casablanca" festgestellt: "Zwei Klischees sind lächerlich, hundert Klischees sind ergreifend".

Showtreppe und Antike, Hollywood-Musicals und Yogaübungen, Gospelgesang und HipHop. Dazu werden die Konventionen des American Football, um den es ja auch irgendwie geht, aneinandergereiht: Gladiatorengehabe, die Marching Bands, der Kampf zweier Mannschaften.

Madonna fährt in die Hölle

Das alles in zwölf Minuten zu einem Pastiche zusammenzufassen, ist mehr als ein Auftritt oder ein Reihe von fünf Popsongs.

Das alles löst sich im versöhnenden Glauben auf, in "Like A Prayer". Madonna im predigerschwarzen Gewand umrahmt vom Gospelchor, sie sinkt auf die Knie, barmt, windet sich wie beim Exorzisten.

So viel Erlösungssoße muss schon sein. Vergessen ist erst mal die Anfangsnummer mit der Akrobatenerotik. Der Bogen von der Pharaonin zur armen reichen Sünderin, die mühelos dem Mormonen Mitt Romney unterstützen könnte, ist fabelhaft.

Am Ende fährt sie den Höllenschlund hinab wie der Verführer Don Giovanni oder jede andere beliebige Teufelsfigur. Madonna wirkt, als hätte sie überhaupt nicht aufhören wollen.

Immer weiter hüpfen, singen. Marketinggerecht kam am Tag nach dem Coup die Nachricht zur weiteren Verwertungskette. Madonna geht auf Welttournee, Ende März kommt das Album auf den Markt, Ende Mai startet sie in Tel Aviv, 24 Konzerte wird es in Europa geben, weitere in den USA im November. Am 28. und 30. Juni tritt Madonna zwei Mal in Berlin auf, in der 02-Arena.

Kaum zu toppen

Über die lange Strecke eines Konzerts wirkt die Perfektheit von Madonnas Show stets ein wenig kühl, auch steril. Sogar langweilig. Man möchte bei dieser fortgesetzten Atemlosigkeit einfach nach Luft schnappen. Für wen sind die Auftritte eigentlich gemacht? Doch nicht für uns, denkt der Zuschauer. Madonna singt ins Irgendwo, womöglich ins Geschichtsbuch.

Das ist mit der Viertelstunde der Super-Bowl-Nacht anders, ein Star erschafft sich im Auftritt, für uns und die Nachwelt. Kaum zu toppen.

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