02.02.13

Goldene Kamera

Seit einem Schlaganfall ist Weltstar Cocker "Happy Joe"

Joe Cocker wird am Abend bei einer Gala in Berlin für sein Lebenswerk mit dem Medienpreis Goldene Kamera geehrt.

Foto: dpa

Zu Gast in Berlin: Joe Cocker. Der Sänger lebt in Colorado, mitten in den Bergen
Zu Gast in Berlin: Joe Cocker. Der Sänger lebt in Colorado, mitten in den Bergen

Mit ruhiger Hand gießt er sich die Cola ein. Nimmt einen großen Schluck, atmet einmal tief durch. "Ich brauche Koffein", sagt Joe Cocker – und fast ist man enttäuscht, dass seine charakteristische Schmirgelstimme gedämpfter klingt als in all jenen Klassikern, die ihn im Laufe seiner langen Karriere zu einem Weltstar gemacht haben.

Am heutigen Sonnabend erhält der 68 Jahre alte Brite die Goldene Kamera für sein musikalisches Lebenswerk (ab 20.15 Uhr, ZDF). Die Berliner Morgenpost hat ihn im "Hotel de Rome" getroffen.

Berliner Morgenpost: Herr Cocker, Sie wurden bereits zum Ritter geschlagen, haben in der Vergangenheit viele Preise gewonnen. Was bedeuten Ihnen noch Auszeichnungen wie solche, die Sie heute erhalten?

Joe Cocker: Natürlich fühle ich mich geehrt. Aber wissen Sie, im April gehe ich auf Tournee, spiele fast 65 Shows. Und das ist die echte Herausforderung in meinem Geschäft: Meine Fans immer wieder mit Musik zu begeistern. Dafür arbeite ich.

Und leben auch dafür?

Nun, ich lebe in Colorado, mitten in den Bergen. Da ist nicht viel, außer ein paar Bären. Die Umgebung erdet mich ungemein. Denn die Leute dort interessieren sich bestimmt nicht für einen alternden Rockstar. Ich bin für sie einfach nur der Typ, der köstliche Tomaten züchtet. (lacht)

Man sieht Sie generell nur selten im Rampenlicht. Fehlt Ihnen das gar nicht?

Nein, überhaupt nicht. Klar, wir sind alle irgendwie kleine Diven, oder? Aber diesen ganzen Showbusiness-Part mochte ich ehrlich gesagt noch nie, ich konnte auch nie gut mit dem Ruhm umgehen, nachdem doch so viele Rockstars streben. Ich fühle mich nicht wohl in der ersten Reihe. Ich bin ein Rocker und kein Fotomodel. Und wenn Sie in einer Stadt wie Sheffield aufgewachsen sind, vergessen Sie das nicht.

Sie haben durchaus Tiefen erlebt. Gibt es eine Erfahrung, auf die Sie im Leben gern verzichtet hätten?

Sicherlich Teile in den 70er-Jahren. Es ist aus heutiger Sicht schwer zu erklären, was zu meinem Absturz geführt hat. Ich war jung, erfolgreich, entdeckte die Drogen – und irgendwann hatte ich Angst, vor der nachrückenden Konkurrenz nicht zu bestehen. Vor Genesis und The Police etwa. Da begann ich zu trinken, es ging steil bergab.

Dachten Sie damals an Selbstmord?

Nein. Ganz so tief fiel ich glücklicherweise nicht. Aber ich war nahe an diesem Punkt.

Was brachte dann die Wende?

Ich habe meine Frau Pam 1982 kennengelernt. Sie war es, die mir beibrachte, mir selbst wieder zu vertrauen. Mir und meiner Musik. Sie hat mich gerettet.

Haben Sie Angst, rückfällig zu werden?

Seit zwölf Jahren trinke ich nicht mehr – trotzdem meide ich Bars bis heute.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie in Ihrem Leben lernen mussten?

Zu realisieren, wie schnell sich alles verändern kann. In einem Moment bist du ganz oben, im nächsten findest du dich am Boden wieder. Vor drei Jahren hatte ich einen Schlaganfall im Auge, als ich an meinem Album arbeitete. Es war hektisch, sollte schnell fertig werden. Danach habe ich mir geschworen, mich nie wieder für etwas zu stressen. Was soll denn passieren? Wenn ich mein Vermögen verliere – nun gut, ich werde schon einen Weg finden. Seitdem bin ich Happy Joe. (lacht)

Also existieren gar keine Rockstar-Allüren mehr? Klingt ja fast langweilig …

Unser Haus ist schon recht luxuriös. Die Leute, die uns besuchen, fragen mich dann immer, wo denn die wilden Partys stattfinden. Na ja, da ich nicht trinke, muss ich sie leider enttäuschen. Ich könnte also auch in einem Reihenhäuschen leben.

Ihre Balladen machten Sie weltberühmt. Sind Sie ein Romantiker?

Das kann ich leider nicht behaupten.

Sie durften als einer der wenigen Künstler in der DDR auftreten, spielten in Ost-Berlin. Wie empfinden Sie die Stadt heute?

Es ist unglaublich, was hier passiert ist. Für mich ist Berlin eine der beeindruckendsten Städte Europas, ganz ehrlich. Doch ich hatte damals schon das Gefühl, dass die Menschen dieser Stadt eine enorme Stärke besitzen. Sie haben all diesen Lifestyle, ihre Kultur quasi wieder von null aufbauen müssen.

Mögen Sie eigentlich als Legende bezeichnet werden?

Ach, früher haben sie uns Musiker aus den 60er-Jahren Dinosaurier genannt. Da ist mir Legende wesentlich lieber. (lacht)

Wenn Sie einmal einen Preis für ein Lebenswerk vergeben dürften, wer sollte ihn bekommen?

Meine Frau bekommt eine Medaille dafür, dass sie es so lange mit mir ausgehalten hat. Und ich habe es ihr nicht leicht gemacht. Denn ob Sie es glauben oder nicht: Ich hatte durchaus auch wilde Zeiten.



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Goldene Kamera - Preisträger und Nominierte
  • Als Preisträger stehen fest

    Beste Musik national: Unheilig

    Beste Musik international: Lang Lang

    Lebenswerk: Dieter Hallervorden

    Lebenswerk Musik: Joe Cocker

    Bester Schauspieler international: Clive Owen

  • Die Nominierten

    Bester deutscher Fernsehfilm: „Blaubeerblau“ (ARD), „Das Ende einer Nacht“ (ZDF) und „Das unsichtbare Mädchen“ (ZDF)

    Beste deutsche Schauspielerin: Silke Bodenbender, Claudia Michelsen und Ina Weisse

    Bester deutscher Schauspieler: Charly Hübner, Ulrich Noethen und Devid Striesow

    Beste Information (Nachrichten): Gabi Bauer, Tom Buhrow und Claus Kleber

    Favoriten der „Hörzu“-Leserwahl Beste Unterhaltung: „Die große Show der Naturwunder“ (ARD), „Frag doch mal die Maus“ (ARD) und „Wetten, dass..?“ (ZDF)

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