27.01.13

RTL-Show

Jeder Dritte sah Joeys Sieg im Dschungelcamp-Finale

8,76 Millionen Menschen waren live dabei, als Olivia Jones, Claudelle Deckert und Joey Heindle um die Dschungelkrone kämpften.

Von Alexander Josefowicz
Foto: Getty Images

Dschungelkönig 2013: Joey Heindle in Freiheit mit Freundin Jacky
Dschungelkönig 2013: Joey Heindle in Freiheit mit Freundin Jacky

Eine gute Nachricht vorweg: Dies ist für längere Zeit der letzte größere Artikel, den Sie zum Dschungelcamp lesen werden. Denn mit der Krönung des "Dschungelkönigs" Joey Heindle (eines 19-jährigen Bayern, dessen Prominenz bislang vor allem darauf beruhte, aus der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" geflogen zu sein) ging am Sonnabend die siebte Staffel von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" zu Ende. 8,76 Millionen Menschen waren live dabei, als Olivia Jones, Claudelle Deckert und Heindle ein letztes Mal zu den Dschungelprüfung genannten Ekelproben antraten; schwimmend, essend und hangelnd ein letztes Mal mit Schweinesperma, Ameisen und Kakerlaken konfrontiert wurden.

Doch warum zappten auch in diesem Jahr im Schnitt 7,45 Millionen Menschen zu RTL, verfolgte knapp die Hälfte der "werberelevanten Zielgruppe" der 14- bis 49-Jährigen und mehr als ein Drittel der gesamten TV-Zuschauer das Finale? Zum einen sind da diejenigen, für die das Dschungelcamp eine willkommene Abwechslung vom Alltag ist, ein Hort ungebremster Schadenfreude über mehr oder weniger gescheiterte Existenzen, die von RTL mit Wonne durch den Kakao beziehungsweise den Schleim gezogen werden. Doch daneben formiert sich auch ein Zuschauerblock, der sich seiner Faszination für keifende Camp-Insassen auf einem anderen Pfad nähert: der der intellektuellen Dschungelcamp-Gucker. Er bedient sich der Ironie als Rechtfertigungsmuster. Mit ihrer Hilfe lässt sich alles zur Kunst erheben, kann jedwede Nichtigkeit zum Kulturgut werden.

Wo kämen wir schließlich hin, wenn gebildete Menschen zugeben würden, dass sie Spaß daran haben, Profilneurotikern dabei zuzuschauen, wie sie sich für Geld zum Affen machen. Ohne intellektuellen Überbau zu verfolgen, wie die Kandidaten Tierkörperteile in sich hineinstopfen und in Becken voll abstoßendem Gewürm tauchen, ihren teils beunruhigend unverblümten Beichten über ihr Leben und Leiden zuzuhören – das geht nicht. Das wäre Voyeurismus.

Also zaubert man flugs eine Meta-Ebene aus dem Hut: Und schon wird ein Haufen Schlafsäcke auf einer Lichtung im australischen Regenwald zum Druckkochtopf der Gesellschaft umgewidmet, der auf 16 Folgen komprimiert Werden und Vergehen menschlichen Zusammenseins offenbart. Und schließlich machen sich die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich nicht nur über die Kandidaten, sondern auch über das Format an sich und sogar – wie innovativ! – über die Zuschauer lustig.

Fertig ist die ironisierte, intellektualisierte Grundhaltung. Nun darf man endlich befreit über Joey Heindles Verständnisprobleme lachen, kann sich an der psychischen Labilität von Fiona Erdmann weiden und Partei ergreifen in den zig kleineren und größeren Kandidatenfehden. Schließlich sind alle freiwillig im Dschungel, wussten, worauf sie sich einlassen. Und die an und für sich geheimen Gagen sollen sich auch auf jeden Fall im fünfstelligen Bereich bewegen.

So kann man dann nicht nur auf die Kandidaten hinabblicken. Sondern auch auf andere Zuschauer. Auf die, die keinen intellektuellen Schutzwall aufgeworfen haben, hinter dem es sich so fröhlich zuschauen lässt.

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