03.01.13

Scheidung

Rafael und Sylvie van der Vaart waren einfach zu perfekt

Die van der Vaarts zeigten aller Welt, wie sie sich liebten – und vergaßen sich dabei offenbar selbst. Nun ist die Ehe zerbrochen.

Von Iris Hellmuth
Foto: picture alliance / dpa

Sie gelten als die Beckhams der Bundesliga: der Fußballer Rafael van der Vaart (Hamburger SV) und seine Frau Sylvie.

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Er sucht die Blicke nicht, er setzt einen Fuß vor den anderen. Diesen Weg kennt er. Von den Trainingsplätzen geht es in den Gang, vom Gang geht es ins Stadion, im Stadion liegen die Umkleiden. Ein paar Stunden noch, dann startet der Flieger nach Dubai. Ins Trainingslager des HSV. Der Wachmann am Stadion sagt, er müsse heute auf einen der Spieler besonders aufpassen. Er sagt den Namen nicht, aber als Rafael van der Vaart an ihm vorbei geht, macht er die Schultern breit und richtet sich ein wenig auf.

Es ist Mittwochmorgen in Hamburg, und eigentlich ist gar nicht viel passiert: Eine Ehe ist zerbrochen, das passiert in Deutschland jeden Tag. Aber es ist nicht irgendeine Ehe. Es geht um die van der Vaarts. Die netten Stars von nebenan, so cool wie die Beckhams, aber so häuslich wie Holländer eben sind. Rafa und Sylvie. Der Junge vom Campingplatz und das Model. Die ihre Beziehung mitunter so öffentlich zelebrierten, dass man sich immer wieder mal fragte: Wie machen die das?

Was den beiden nach diesem so öffentlich zelebrierten Finale nun bleibt, wie viel in Scherben liegt und wer an wem zerbrach, das können nur die wissen, um die es geht. Nicht die unzähligen Anhänger der Twitter-Accounts und Facebook-Seiten. Nicht die Fans des HSV, die Freunde des Paares. Und schon gar nicht die Experten. Am Hamburger Flughafen warten sie schon auf ihn.

Zehn Kamerateams sind es, sie waren auch schon am Trainingsplatz, dazu dutzende Reporter. Es gibt an diesem Tag in Deutschland kein größeres Thema als die Trennung eines Glamourpaares. Wer die Geister ruft, der muss sie zum Bleiben nicht lang überreden.

Doch Rafael van der Vaart lächelt. Er lächelt und gibt Autogramme, er scherzt mit den Kindern und lässt sich mit ihnen fotografieren. Zu seiner Silvesternacht sagt er kein Wort. Über diese Silvesternacht verlieren inzwischen aber sehr viele Menschen sehr viele Wörter. Rafael van der Vaart soll seine Frau geschlagen haben, vor Gästen. Seine Frau soll zu Boden gefallen sein. Und er muss gewusst haben, dass genau das spätestens am Tag nach Neujahr in den Zeitungen steht. Trotzdem wünschte er seinen Anhängern auf Twitter und Facebook noch am späten Neujahrsabend alles Gute für 2013. "Hope you also had a great time celebrating last night!", schrieb er um 22 Uhr 20.

"Junge vom Campingplatz"

Die Party, um die es geht, findet in der neuen 400-Quadratmeter-Wohnung in Eppendorf statt. Auch Petra van Bremen ist dort, ein Model wie Sylvie und außerdem deren beste Freundin. Sie spricht von einem wundervollen Abend. "Ich habe nichts bemerkt von einer sich anbahnenden Trennung", sagt van Bremen. Natürlich sei die Zeit seit dem Umzug nach Hamburg für das Paar stressig gewesen. Die Wohnungssuche in Eppendorf und Rafaels Kampf beim Hamburger SV zerrten an den Nerven. "Aber solche Zeiten, in denen es in einer Beziehung etwas kriselt, gibt es doch immer wieder mal."

Dabei war die Rückkehr nach Hamburg doch eigentlich ein Wunsch des Paares gewesen, so kommunizierten sie es schließlich. Und wann hatte es das in der Bundesliga-Geschichte schon einmal gegeben: Dass ein Milliardär aus der Ferne ein kleines Vermögen spendiert, damit ein Spieler samt Ehefrau zurück zu einem Verein kommt, den er vor Jahren noch unbedingt in Richtung Spanien hatte verlassen wollen. Er habe es nicht mehr ertragen, "den HSV zur grauen Maus in der Bundesliga" verkommen zu sehen, sagt der Milliardär dazu nur knapp. Er heißt Klaus-Michael Kühne, ein gebürtiger Hamburger, der inzwischen in der Schweiz lebt. 13 Millionen Euro kostete der Wechsel der van der Vaarts von London an die Elbe.

Kaum noch Zeit füreinander

Rafael van der Vaart muss das beeindruckt haben, diesen Jungen aus einfachsten Verhältnissen. "Ich bin doch nur der Junge vom Campingplatz", soll er einmal über sich selbst gesagt haben. Tatsächlich zog ihn sein Vater Ramon in einem Wohnwagen groß. Mit 19 Jahren verliebte er sich in eine Frau, die damals schon den Weg nach weit oben angetreten hatte: in die fünf Jahre ältere MTV-Moderatorin Sylvie Meis. 2005 heirateten Sylvie und Rafael. Im Sommer 2006 kam Sohn Damian zur Welt. Bis 2008 spielte Rafael van der Vaart für den HSV. Dann zog das Paar in die Welt, zunächst nach Madrid, dann nach London. Und 2012 dann schließlich wieder zurück nach Hamburg. Doch schon da hatten beide kaum mehr Zeit füreinander.

Um ihrer Liebe neuen Schwung zu geben, verabredeten sie sich ein Mal im Monat für einen Abend, der nur ihnen gehörte. Sie schliefen dann nicht zuhause, sondern im Hotel. Wie zuletzt nach dem Konzert von Jennifer Lopez in Hamburg, das war Ende Oktober. Am nächsten Tag sieht man die Fotos in der Zeitung. Ein Abend nur für sich sieht eigentlich anders aus.

Mitspieler beschreiben Rafael van der Vaart als freundlichen, geduldigen Typen. Der aber auch extrem aufbrausend sein könne. Solche Typen können auf dem Fußballplatz Spiele drehen. Abseits davon können sie offenbar Ehen beenden. Obwohl niemand weiß, welche Szenen diesem Schlag oder Stoß, diesem Was-auch-Immer vorausgegangen waren. "Das war eine große Dummheit von mir. Ich bin ein Idiot", sagte er der "Bild". "Es tut mir sehr leid. Das hätte niemals passieren dürfen." Sylvie van der Vaart sagte der Zeitung, sie habe ihm bereits verziehen.

Niemand, mit dem man spricht, hat dieses Was-Auch-Immer vorausgesehen. Besser als in den vergangenen Monaten hätte es für die Van der Vaarts eigentlich nicht laufen können – zumindest wenn man eine Ehe in Teilen auch als Geschäftsmodell begreift. Rafa und Sylvie wurden zu "Wetten dass…?" eingeladen, bekamen eine Story im "Stern". Als Sylvie 2009 an Krebs erkrankte, da ging auch das nicht ohne die Beteiligung der Öffentlichkeit. Sie hätten sich an den Händen gehalten und geweint, so beschrieb die Moderatorin den Moment der Diagnose.

Alles nur gespielt?

Die Chemo-Therapie dauerte drei Monate. Im August arbeitete sie wieder als Model für BMW und Gillette, ihren Moderationsjob beim "Supertalent" unterbrach sie nur kurz. Doch dann gab es auch Momente wie diesen: Als es während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 eine Live-Schaltung zwischen dem ZDF und der holländischen Nationalmannschaft gab, war auch Sylvie van der Vaart im Studio. Schnell zerrte man Rafael ins Bild. Über Sekunden schauten sich die beiden an, begannen zu kichern. Niemand sagte ein Wort. "Was hast du da im Gesicht?", fragte Sylvie schließlich ihren Mann, und der sagte mit seinem Grinsen: "Ja meinst du, ich soll mich mal wieder rasieren?"

Eigentlich müsste man denken, dass man so etwas nicht spielen kann. Aber was alles gespielt werden kann, wenn es in einer Promi-Ehe nicht mehr läuft, davon darf man im Fall der van der Vaarts dann doch überrascht sein. Noch in den Weihnachtstagen posteten beide Bilderbuchbilder von sich, auf Twitter und Facebook. Das perfekte Paar vor dem Weihnachtsbaum, bei ihnen der süße, blonde Sohn. Wenn Damian van der Vaart einmal alt genug ist, wird er all dies im Internet nachlesen können. Und er wird sehr vieles von sich selbst finden: unverpixelte Fotos intimer Momente. Mit Papa bei Euro Disney gewesen. Mit Papa schwimmen gegangen. Mit Mama und Papa Silvester gefeiert. Der öffentlichen Kindheit folgt nun das öffentliche Scheitern der Eltern.

Kann sich ein Paar vertwittern? Kann es so sehr im Schein der eigenen Fotos und Statuszeilen leben, dass sich dieser Schein so anfühlt, als wäre er echt? Wenn man die Fotos betrachtet, die es noch aus der Zeit gibt, als sich Sylvie und Rafael van der Vaart kennen lernen, dann erkennt man die Gesichter kaum wieder. Rafa sieht aus wie ein verliebtes Monchichi. Sylvie sieht aus wie eine ganz normale Frau. Und vielleicht war die zunehmende Künstlichkeit im Gesicht Sylvie van der Vaarts am Ende ein guter Gradmesser für die gesamte Künstlichkeit einer Beziehung. Kurz vor Weihnachten flog Sylvie allein mit Damian nach Dubai. Am Strand traf sie den holländischen Rap-Star Ali B. und twitterte: "Wir haben viel Spaß." Darüber haben die Sportjournalisten auch viele Worte verloren, bevor der HSV am Mittwoch zum Trainingslager aufbrach.

Sylvie van der Vaart wird wohl weiter in der gerade neu eingerichteten Wohnung in Hamburg-Eppendorf bleiben. Auch der Sohn bleibt bei der Mutter. Rafael van der Vaart wird sich nach seiner Rückkehr am 10. Januar eine neue Bleibe suchen. "Fußball ist das beste Ablenkungsmittel, das es gibt", sagte HSV-Trainer Thorsten Fink vor dem Abflug seiner Mannschaft am Flughafen. "Da muss er jetzt durch."

Quelle: Mitarbeit: Jenny Bauer, Dieter Matz und Kai Schiller
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