04.12.2012, 21:52

Großbritannien Berliner Experte sieht für schwangere Kate kein Risiko


Krönung Prinz William und seine Frau Kate freuen sich auf ihr erstes Baby

Foto: Facundo Arrizabalaga / dpa

Krönung Prinz William und seine Frau Kate freuen sich auf ihr erstes Baby Foto: Facundo Arrizabalaga / dpa

Von Thomas Kielinger

Trotz Klinik-Aufenthalt: Der Ehefrau von Prinz William geht es gut. Viel drängender wird die Frage: Bekommt Kate rothaarige Zwillinge?

Bevor es an dieser Stelle um drängende Fragen der Thronfolge-Arithmetik, den Stand der Wettquoten für mögliche Namen oder die berufliche Zukunft des werdenden Vaters gehen soll, zunächst die wichtigste Nachricht des Tages:

In der schweren Schwangerschaftsübelkeit von Herzogin Kate (30) sehen Experten derzeit kein erhöhtes Risiko für Mutter oder Kind. "Es gibt keinen Grund zur Sorge", sagte Prof. Andreas Ebert, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin am Berliner Vivantes-Humboldt-Klinikum. Auch wenn man die Sache natürlich nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfe.

In einer Klinik, so Ebert, sei die Ehefrau von Prinz William aber gut aufgehoben, die Behandlung einer schweren Form von Schwangerschaftsübelkeit (Hyperemesis gravidarum) sei ein bewährtes Verfahren. "Flüssigkeitszufuhr, Kalorienzufuhr, Ruhe und unter Umständen auch psychologische Unterstützung gehören dazu", so der Experte. "Wenn früh und konsequent therapiert wird, besteht aber kein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko."

Die Schlagzeile der "Daily Mail" brachte es am Dienstag dennoch am besten auf den Punkt: "Eine Freude für die Nation, eine Nervensache für den Ehemann." Als Prinz William am Montagabend das Privatkrankenhaus King Edward VII. im Stadtteil Marylebone verließ, in das das Ehepaar am Nachmittag im Eiltempo vom Elternhaus der Herzogin in Bucklebury, Grafschaft Berkshiresah, aufgebrochen war, sah er in sich gekehrt aus. Ganz wie ein um das Wohlergehen von Frau und Kind besorgter Ehemann. Ab Dienstagnachmittag stand William seiner unter einer verschärften Form der schwangerschaftsbedingten Morgenübelkeit leidenden Kate wieder im Krankenhaus in der Londoner Innenstadt zur Seite.

Jedenfalls konnte die Nachricht der kommenden Geburt nicht mehr verheimlicht werden. Gemeinhin ist es Tradition in der königlichen Familie, Nachwuchs, der sich anmeldet, nie vor der 12. Woche der Schwangerschaft bekannt zu geben. In Zeiten der Social Networks musste man dagegen mit einem wahren Tsunami von Spekulationen rund um die hohe Patientin rechnen. Also blieb nur die Flucht nach vorn – in dem einzigen Moment, über den das Ehepaar noch Herr des Verfahrens war. Selbst die Queen wurde erst eingeweiht, als die Herzogin bereits auf dem Weg ins Krankenhaus war. Das Klinikbett wird sie mehrere Tage lang hüten müssen.

Noch am Freitag hatte Kate bei einem Besuch ihrer alten Schule in Pangbourne, nahe London, fröhlich ein paar Minuten lang Hockey mitgespielt. In Highheels. Und wenige Tage zuvor, bei einem Termin in Cambridge, der Titular-Stadt des Paares, überreichte eine frisch gebackene Mutter den beiden bei einem Rundgang in der Menge ein Strampelhöschen, was Kate und ihr Mann gut gelaunt quittierten. Doch bis auf die üblichen Gerüchte deutete nichts auf das Geheimnis hin, das bis dahin allein Kate und ihrem Mann gehörte. War das Kind auf der Südostasienreise, die das Paar anlässlich des Thronjubiläums der Queen im September absolvierte, gezeugt worden?

"Dieses Baby bekommen wir alle"

Die Aufregung um den Nachwuchs im Hause Cambridge beweist einmal mehr, was vor langen Jahren die Nanny der heutigen Queen, Marion Crawford, geschrieben hatte – dass das Privatleben eines Mitgliedes der königlichen Familie eigentlich nur zwischen Empfängnis und Bekanntgabe der Schwangerschaft währt. Danach wird das Kind von der allgemeinen Publicity in Besitz genommen. Wie es der Historiker des Königshauses, Robert Lacey, in einem Radiointerview mit schöner Klarheit formulierte: "Wir haben die Hochzeit der Eltern verfolgt, ihre Brautwerbungs- und Verlobungszeit, wir haben uns gefragt, wann der Nachwuchs kommt – dieses Baby bekommen wir alle."

Der Karikaturist der "Times" sekundiert. Er zeigt ein Ehepaar, das beim Zeitungsstudium am Morgen die Schlagzeile der Schwangerschaft kommentiert: "Die öffentliche Hysterie ist in ihrem frühen Stadium." Der Kollege vom "Daily Telegraph" stimmt ein. Bei ihm werden die Heiligen Drei Könige auf ihrer Wanderschaft eines Sterns gewahr und rufen sich zu: "Oh, seht doch nur, Kate ist schwanger!!!"

Das Echo in den Medien ist gewaltig, Schlagzeilen und Sonderseiten übertrumpfen sich gegenseitig. Wem in Deutschland das "Ende der Printmedien" im Ohr klingt, der sollte nach London kommen und durchblättern, wie die neun überregionalen Zeitungen des Landes die Nachwuchsnachricht aus dem Hause Cambridge feiern: Auf 49 Seiten ergießt sich eine wahre Flut der Beschreibungen.

Man sieht daran, wie die Monarchie auf der Insel immer wieder glückliche Ereignisse zu produzieren weiß, die von Mal zu Mal ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Nation stiften und die Menschen erneut mit der ältesten Institution des Landes, dem Königtum, in eins setzen. Selbst der anti-monarchische "Guardian" kommt in seiner Dienstagausgabe nicht an drei vollen Seiten zum frohen Ereignis vorbei.

Kates Kind rückt an die dritte Stelle der Thronfolge

Die Faszination des Augenblicks verdankt sich nicht nur der allseits beliebten schönen Kate und ihrem von Allüren freien Ehemann. Es hat auch etwas mit der neuen Regel königlicher Sukzession zu tun, die 2011 auf der Commonwealth-Konferenz im australischen Perth beschlossen wurde: Kates Kind, auch wenn es ein Mädchen ist, rückt an die dritte Stelle der Thronfolge, nach dem Großvater Charles und seinem Vater William. Mädchen waren bislang ausgeschlossen, sofern ein Bruder geboren wurde, dem der Vortritt zustand. Diese Änderung muss zwar noch von den Parlamenten der sechzehn Länder, in denen die Queen einschließlich Großbritanniens Staatsoberhaupt ist, ratifiziert werden, doch zweifelt niemand, dass es jetzt bald erfolgt.

Historiker können angesichts der neuen Thronfolgeregelung nur traurig reflektieren, wie anders das 20. Jahrhundert verlaufen wäre, hätten sich die Briten 150 Jahre früher zu diesem Modus der königlichen Sukzession durchgerungen. Dann wäre nämlich das erste Kind von Queen Victoria, ein Mädchen, Vicky genannt, ihrer Mutter 1901 auf den Thron gefolgt, und nach ihr, die als Witwe des deutschen Kaisers Friedrich ebenfalls 1901 starb, ihr Erstgeborener, William, besser bekannt als Kaiser Wilhelm II. Was wäre der Welt mit dieser Wendung erspart geblieben!

Nichtsdestotrotz konzentrieren sich die Spekulationen um Kates Baby jetzt auf die Frage, was die erschwerenden Symptome heftiger Übelkeit, verbunden mit Erbrechen, vielleicht bedeuten könnten – etwa eine Zwillingsgeburt? Nachdem sich diese Vermutung verbreitet hatte, schnellten am Dienstag bei den Buchmachern die Wetten dazu jedenfalls in die Höhe. Beim Anbieter William Hill etwa war der Erlös aus einem richtigen Tipp auf Zwillinge deutlich geringer als noch am Abend vorher angegeben. "Kates Zustand ist scheinbar sehr typisch bei Müttern, die Zwillinge erwarten, deshalb mussten wir den Preis anpassen", sagte ein Sprecher. Doch wer würde in dem Fall das Thronfolgerecht erhalten? Königliche Experten sind sich schon jetzt einig: Das erste zutage gekommene Baby. Und wie ist es bei einem Kaiserschnitt? Auch hier gilt: Das erste herausbeförderte Baby. Wenn da bloß nicht die Ärzte manipulieren und bei einem männlichen und weiblichen Zwillingspaar ihre Vorlieben ins Spiel bringen.

Spekulationen um natürliche Geburt und Kaiserschnitt

Bei der Frage nach natürlicher Geburt oder Kaiserschnitt tippen die meisten übrigens auf den natürlichen Weg. Auch die Spekulation um mögliche Namen läuft auf Hochtouren. Die Wettbüros favorisieren John, Charles, Robert, James oder George für einen Jungen, Victoria, Anne, Diana, Mary oder Frances für ein Mädchen. Selbst auf das Geburtsgewicht, die Haarfarbe und darauf, welche Zeitung die ersten Exklusivfotos des Kindes bekommen wird, können Wetten abgegeben werden. Im wettverrückten Commonwealth-Staat Australien, wo der Thronfolger einmal Staatsoberhaupt werden könnte, wurde auch schon über Patenschaften spekuliert. Als wahrscheinlichste Paten werden von den Buchmachern Prinz Harry und Kates Schwester Pippa Middleton gehandelt, aber auch David und Victoria Beckham liegen gut im Rennen.

Und dann ist da ja noch die Frage, wie der Herzog von Cambridge mit der neuen Situation umgeht: Soll er weiter seiner beruflichen Laufbahn nachgehen, der eines Rettungshubschrauber-Piloten auf der Insel Anglesey? Oder sollte er als angehender Familienvater sein Leben zwischen privaten und öffentlichen Pflichten einrichten und damit auch seinem Vater und seiner Großmutter bei Repräsentationsanlässen vermehrt zur Seite stehen?

Viele raten Prinz William zu Ersterem, auch weil es noch viele Jahre dauern wird, ehe er selber auf dem Thron folgen kann. Noch ist die Queen mit ihren 86 Jahren recht rüstig, und an Prinz Charles geht kein Weg vorbei, ein Überspringen der Erbfolge ist nicht vorgesehen. Und der Nachwuchs? Der wird an die 50 Jahre warten können, ehe seine Stunde schlägt. Doch auch darüber werden sicher bald Wetten abgeschlossen.

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