16.11.12

"Breaking Dawn"

Berlin nimmt Abschied von den "Twilight-Stars"

Bei der Pressekonferenz sind private Fragen an Kristen Stewart und Robert Pattinson verboten. Gestellt werden sie trotzdem.

Von Judith Luig
Foto: dapd
Deutschlandpremiere "Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht, Teil 2"
Taylor Lautner, Kristen Stewart und Robert Pattinson bei der Filmpremiere in Berlin

Es ist vorbei. "Ein Finale für die Ewigkeit" so kündigt es der Verleih an. Kristen Stewart und Robert Pattinson, die Stars der Twilight-Saga, sind leibhaftig in Berlin, um den fünften und letzten Film der Reihe vorzustellen, die sie berühmt gemacht hat: Biss zum Ende der Nacht, Teil 2.

Schon seit dem Vorabend standen die ersten Mädchen vor dem CineStar am Potsdamer Platz. Stündlich wurden es mehr, die Nacht hindurch und dann den Tag über, so wie es auch die Titel der Serie vorscheiben. Noch liegen die Transparente am Boden, die sie später ihren Idolen entgegenstrecken wollen. Eines ganz in der ersten Reihe fällt besonders auf: "Thank you for the wonderful years" steht darauf. Darunter ist liebevoll eine Zeitleiste aufgemalt und mit Fotos beklebt.

Die Daten der ersten Teile: "Twilight - Biss zum Morgengrauen" 2008, "New Moon – Biss zur Mittagsstunde" 2009, "Eclipse – Biss zum Abendrot" 2010, und dann 2011 "Breaking Dawn –Biss zum Ende der Nacht", Teil 1.

Man hat sich gemeinsam durchgebissen, die Fans und die Schauspieler, jetzt ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Es sieht jetzt schon, noch am Morgen, böse danach aus, als könnten später Tränen fließen. Aber momentan sind die Teenies noch gefasst. In Decken gehüllt hüpfen sie gegen die Kälte an.

Liebe, Macht, Tod und Unsterblichkeit

Maximale Emotionen, das hat die Twilight Saga von Anfang an stark gemacht, Liebe, Macht, Tod, Unsterblichkeit. Drunter geht es nicht. Auch im Privatleben der Stars ging es turbulent zu in den vergangenen Monaten. Seit dem allerersten Film wird über das Paar Robert Pattinson und Kristen Stewart spekuliert. Ja, sie lieben sich! Oder sind sie doch nur gut befreundet? Jede Geste, jeder Blick wurde gedeutet.

Einen Höhepunkt fand dann das Ganze im Sommer mit dem Bekanntwerden von Kristen Stewarts Affäre, die sie später zugab und ihrem öffentlichem Liebesgeständnis an Robert Pattinson. Ein paar Fans haben ihr damals den Seitensprung so übel genommen, dass Stewart angepöbelt wurde. Untreue – das passt einfach nicht zur keuschen Bella Swan.

Flirts auf dem Roten Teppich

Und jetzt? Der Nebel über Berlin verzögert die Landung des Nicht- oder- Doch-Paares. Ein Round-Table-Gespräch wird vorsorglich abgesagt, die Pressekonferenz um zweieinhalb Stunden verschoben. Seit Anfang der Woche sind die Darsteller auf Premierentour. Aus Los Angeles und London wusste die Klatschpresse zu berichten, dass Pattinson und Stewart auf dem Roten Teppich geflirtet hätten. Wie wird es in Berlin sein?

Im Hotel de Rome versammelt sich das Volk zur Pressekonferenz, Boulevard, Lokaljournalisten, und vor allem sehr viele Blogger. Was sofort auffällt: Pattinson und Stewart sitzen nicht nebeneinander. Zwischen die beiden Vampire hat man den Sitzkärtchen nach zu urteilen den Werwolf Taylor Lautner platziert. Um die drei herum Regisseur Bill Condon, der schon die ersten beiden Filme drehte, und Produzent Wyck Godfrey. Wenn sie denn dann kommen.

Als erster erscheint irgendwann endlich Christian Aust, der die Moderation der Pressekonferenz übernommen hat. "Ich erkläre kurz nochmal die Spielregeln", sagt er. Punkt eins: Bitte melden und in die Mikrophone sprechen. Punkt zwei "und das ist der wichtigere Punkt, bitte stellen Sie nur Fragen zum Film. Keine Privatfragen. Die werden sowieso nicht beantwortet." Wenn jemand sich nicht daran halte, dann werde die Pressekonferenz abgebrochen. Zur Sicherheit sagt er das Ganze nochmal auf Englisch.

Stewart könnte nicht genervter gucken

Das Verbot kommt einem ein bisschen albern vor. Natürlich denkt man jetzt nur noch intensiver daran. Hat Pattinson nun Stewart verziehen? Oder war die ganze Sache von Anfang an ohnehin nur inszeniert? Aber dann kommen die Darsteller. Alle in schwarz, Robert Pattinson eher smart mit Hemd, Taylor Lautner sportlich im Longsleeve, und Kristen Stewart ein bisschen sexy casual mit bizarren Applikationen auf der Hose. Ist das ein Colthalfter? Stewart wirft ihr langes Haar in den Nacken und könnte nicht genervter gucken, Lautner und Pattinson albern rum.

Ja, das hier ist tatsächlich ein Abschied. Hier sind drei Menschen, die gemeinsam berühmt wurden und nun, zumindest beruflich, denn das darf man ja fragen, bald getrennte Wege gehen werden. Noch hat Stephenie Meyer, die Erfinderin der Twilight Saga, nicht angekündigt, ihre Serie fortsetzen zu wollen. So ganz will das hier keiner ausschließen, aber damit zu rechnen scheint auch keiner. Stewart wirft ihr Haar wieder über ihre Schulter.

Schon die nächste Frage geht dann doch ins Private

"Das ist das Ende, wie fühlt es sich an", kommt dann auch prompt die erste Frage. Stille. "Ähem, das Ende von Twilight", fügt die Fragende hinzu. Lautner fällt als erstes etwas ein. "Die Zeit ist verflogen, das wirkt alles so absurd." Am liebsten, das sagt er mit charmanten Grinsen, wäre er übrigens bei seinen Filmreisen nach Berlin gekommen. "Ich gehe hier jedes Mal in dieselbe Bowling Bahn bowlen, auch wenn ich absolut nicht bowlen kann."

Und schon die nächste Frage geht dann doch ins Private. "Sie haben so oft beschworen, am Set wie eine Familie zu sein. Wie ist das jetzt, wo sie abgedreht haben?" Zögern. Blicke. Dann beugt sich Stewart vor ans Mikro und wirft ihr Haar wieder zurück: "Na, ja, wir waren ja 25 bis 30 Leute, es ist nicht so, dass wir jeden Sonntag zusammen Mittagessen. Aber egal wieviel Zeit vergehen wird, wenn ich später irgendeinen wiedersehe, dann wird da mit einem Klick sofort wieder diese Vertrautheit dasein."

Wie ist das, hakt der Moderator nach, habt ihr Euch aus den Augen verloren. "Nun", sagt Pattinson, dem seine Müdigkeit überraschend gut steht. Dann kommt die nächste Frage.

"Mir hat es am besten gefallen, als ich sagte, ich sei heißer als du"

Das Publikum der Pressekonferenz besteht zu einem großen Anteil aus den Fans, die ihre Leidenschaft mit Blogs und Website schon fast professionalisiert haben. Eine Frage von einer Bloggerin von cullens.net: "Von allen Sätzen aus allen Filmen, welches war ihr liebster?". Lautner fällt etwas schönes ein: "Mir hat es am besten gefallen, als ich sagte, ich sei heißer als du", erklärt er Pattinson.

Langsam wird die Stimmung besser. Pattinson scheint aufzuwachen, Taylor Lautner amüsiert sich großartig, nur Kristen Stewart bleibt so angespannt wie vom ersten Moment an. Vielleicht vertraut sie nicht, dass der Moderator die Presse wirklich zähmen kann. Vielleicht denkt sie aber auch nur, dass Stars bei Pressekonferenzen dauernd ihre Haare durch die Gegend wedeln müssen.

Und jetzt wird Pattinson privat: "Ich fand einen Satz von Kristen am besten. Der, bei dem sie sagen muss, dass ich wunderschön sei." Die Angespielte aber nimmt den Ball nicht auf und trinkt etwas hektisch an ihrem Kaffee.

Was wäre eigentlich so schlimm daran, ein Paar zu sein?

Und wer kann seinen Text am besten lernen? Pattinson lacht: "Also Kristen denkt sich die Hälfte ihrer Sätze einfach selbst aus." So zickig, wie sie daraufhin auf Pattinson reagiert, könnte man eher darauf schließen, dass die beiden doch noch was zu klären haben. Oder will sie nicht auffällig sein?

Die beharrliche Verweigerung bei dieser Premierentour darüber zu reden, ob man sich nun liebt oder nicht, kommt einem immer seltsamer vor. Über die Faszination für Vampire und Jenseitiges und Übersinnliches ist doch schon längst alles gesagt. Und was wäre eigentlich so schlimm daran, ein Paar zu sein? Was so schlimm daran, es nicht zu sein? Allerdings ist es ebenso wenig dramatisch, dass man es nicht weiß. Um Realität geht es bei der Twilight Saga ja ohnehin nicht. Sondern nur um das, was man sehen will. Deswegen ist sie ja auch so erfolgreich. Jetzt ist es vorbei. Aber der nächste Hype, der kommt bestimmt.

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