Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
25.09.08

Kriminalität

Kleingärtner gesteht Tötung seiner drei Nachbarn

Der Oberstaatsanwalt beschreibt den Kleingärtner Wilfried R. als einen "leicht erregbaren Menschen": Jahrelang stritt sich der 65-Jährige aus Gifhorn heftig mit seinen Nachbarn, auch die Justiz beschäftigte der Streit. Dann rastete er aus. Nun hat R. zugeben, seine drei Nachbarn getötet zu haben.

DDP

8 Bilder

Nach dem Dreifachmord in einer Kleingartenanlage in Gifhorn hat der mutmaßliche Täter ein Geständnis abgelegt. Das Amtsgericht in der niedersächsischen Stadt erließ gegen den 65-jährigen Wilfried R., der in der Gartenkolonie eine Nachbarsfamilie umgebracht hat, Haftbefehl wegen dreifachen Totschlags.

Der nicht vorbestrafte Rentner habe die Taten bei der Polizei eingeräumt und sein Geständnis anschließend in einer richterlichen Vernehmung wiederholt, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Seemann.

Wilfried R. habe zugegeben, seine Gartennachbarn wegen eines Streits um das Kleingartengelände erschlagen zu haben, sagte der Leiter der Gifhorner Mordkommission, Jürgen Schmidt. Nach Darstellung des Täters sei es auf dem Hintergrund jahrelanger Streitigkeiten unter den Gartennachbarn zu einer erneuten Auseinandersetzung gekommen, die dann eskaliert sei.

"Er ist ein leicht erregbarer Mensch, der sich über objektive Kleinigkeiten und nichtige Anlässe leicht schnell aufgeregt hat und überreagiert hat", sagte Oberstaatsanwalt Bernd Seemann über den geständigen Mann. Es sei mit brachialer Gewalt vorgegangen. Die drei Opfer, die sich alle auf dem Schrebergartengelände aufhielten, seien nacheinander angegriffen und erschlagen worden. Was konkret den Laubennachbarn zu dem Gewaltausbruch veranlasst hatte, konnte die Polizei noch nicht sagen.

Tatwerkzeug sei ein stumpfer schwerer Gegenstand gewesen. Nach der Tatwaffe werde noch im Garten der Opfer gesucht – ein idyllisch wirkendes Plätzchen: Hinter den von der Polizei gespannten Absperrbändern ist die äußerst gepflegte Parzelle der Opfer zu erkennen. Große Sonnenblumen ragen über den Zaun, sorgfältig angelegte Gemüsebeete und bunte Schnittblumen.

Mit den Opfern, einem 64 Jahre alten Mann, dessen 59 Jahre alte Frau sowie deren 33-jährigen Sohn, habe Wilfried R. seit Jahren Streit gehabt, betonte Oberstaatsanwalt Seemann weiter. Der Streit begann nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit überstehenden Ästen. Ab dem Jahr 2006 hätten die Streitigkeiten auch die Justiz beschäftigt. Dabei seien wechselseitige Sachbeschädigungen, Beleidigungen und Körperverletzungen aktenkundig geworden. Außerdem sei im Zuge des Streits eine Gartenlaube abgebrannt. Zu einem Gerichtsverfahren hätten die Auseinandersetzungen aber nicht geführt.

Der Täter lebte nach Angaben der Polizei bislang in geordneten Verhältnissen. Er sei verheiratet habe einen erwachsenen Sohn und eine erwachsene Tochter und auch Enkelkinder, sagte Hauptkommissar Schmidt. Bis zu seiner Pensionierung sei er Arbeiter bei einem niedersächsischen Autohersteller gewesen.

Die Familie lebt in einer Mietwohnung, der Garten war das besondere Hobby des Mannes. Wohnungsnachbarn beschrieben ihn als "nett, ruhig und zuvorkommend". Anders sah es in der Kleingartenkolonie aus. Dort soll es Streit nicht nur mit seinem direkten Gartennachbarn, sondern auch mit anderen Schrebergärtnern gegeben haben. Dort galt er als mitunter reizbar und aggressiv.

"Ich muss 30 Jahre ein verkehrtes Bild von ihm gehabt haben", sagt Nachbarin Karin Mann über den Tatverdächtigen, der laut Ermittler mit äußerster Brutalität auf seine Opfer eingeschlagen hat. "Er hat immer so liebevoll mit seinen Enkelkindern im Sandkasten gespielt", sagt sie. Viel erzählt habe der Vater eines Sohnes und einer Tochter aber nicht. Er sei eher verschlossen gewesen.

Die Leichen der drei Opfer waren am Dienstag von einem Spaziergänger an einem Stichweg bei der Kleingartenanlage gefunden worden. Die Tat ereignete sich nach Angaben von Hauptkommissar Schmidt nur wenige Meter vom Fundort entfernt.

Der verdächtigte Gartennachbar wurde am Mittwochabend gegen 18.30 Uhr gut drei Kilometer vom Tatort entfernt auf einem genutzten landwirtschaftlichen Gelände entdeckt. Dort hatte er sich zwischen Strohballen unter eine Plane versteckt. Der Sohn des Bauern verwies ihn vom Gelände und alarmierte gleichzeitig die Polizei. Die nahm den 65-Jährigen nur 300 Meter von seinem Versteck entfernt fest.

Er habe sich das Leben nehmen wollen und Alkohol und Tabletten genommen. Am Donnerstag legte er dann ein Geständnis ab.

Quelle: dpa/kami
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote