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20.09.08

Massen-Casting

Tausende wollen mit Quentin Tarantino drehen

Riesen-Andrang in den Babelsberger Filmstudios: Aus ganz Deutschland reisten Quentin-Tarantino-Fans an, um sich als Statist für den neuen Film "Inglorious Basterds" des US-Kultregisseurs zu bewerben. Wer diesmal kein Glück hatte, kann es am kommenden Wochenende gleich noch einmal versuchen.

© DDP
Massencasting in den Babelsberger Filmstudios
Das kann noch dauern: Jeder Bewerber musste für das Casting eine Wartenummer ziehen

In jedem dieser Köpfe läuft ein Tarantino: "Pulp Fiction", "Reservoir Dogs" oder "Kill Bill". Die rund 3000 Menschen, die am Sonnabend um die Mittagszeit in der langen Schlange vor dem Filmstudio Babelsberg anstanden, waren alle wegen des Einen gekommen: Quentin Tarantino. Die Aussicht auf eine Komparsenrolle in einem Streifen des US-amerikanischen Kultregisseurs war Grund für den Andrang.

Marius Hoppe ist für das Casting aus dem Ruhrgebiet angereist. "Als ich gehört habe, dass Tarantino ein Casting in Deutschland veranstaltet, war für mich klar: Da muss ich hin." Um sich in die Warteschlange einzureihen, hat Hoppe um 6.10 Uhr am Morgen den Zug in Duisburg bestiegen. "Bis 18 Uhr habe ich Zeit, dann muss ich wieder zum Bahnhof", sagt Hoppe. Egal was das Casting für ihn bringt, gelohnt habe sich der Trip in jedem Fall: "Als Tarantino-Fan kann ich dann sagen, ich habe es versucht." Ob Hoppe im nächsten Jahr wirklich mit Brad Pitt und Til Schweiger vor der Kamera steht, erfährt er erst im Dezember.

Mit dem Betreten des Studiogeländes bekommen die Geduldigen einen Zettel ausgehändigt, auf dem der Titel des künftigen Tarantinos gedruckt ist. "Inglorious Basterds" soll ein Zweiter-Weltkriegs-Drama werden. Außerdem steht eine Nummer auf jedem Blatt Papier.

Jolanda Palma aus Berlin hat es schon bis dahin geschafft, sie ist die Nummer 1426 an diesem Tag. Aus der Zeitung hatte Palma von dem Komparsen-Casting erfahren und wollte unbedingt dabei sein. "Ich ziehe das durch, egal wie lange das dauert", sagt sie überzeugt. Für die Wartenden gilt: Nur nicht an die Konkurrenz denken. Denn die Nummer, die jeder zugeteilt bekommt, verrät auch, wie viele Personen zuvor schon durch das weiße Zelt gelaufen sind, in dem sie nach Konfektions- und Schuhgröße befragt wurden. Und sie verrät, wie viele danach weiter in Halle 9 geschickt wurden, um sich dort für die Kartei messen und ablichten zu lassen.

Zuerst mit dem Zettel vor der Brust, dann ist ein Porträt an der Reihe und schließlich wird noch ein Ganzkörper-Foto geschossen. Und weil das lange Warten bei manch einem auf die Stimmung schlagen könnte, erinnert ein gelbes Schild vor Betreten der Halle daran, das Lächeln nicht zu vergessen. Zum Schluss gibt es noch eine Info-Broschüre.

Eine solche Broschüre halten Johanna Winkler und ihr Vater Hans-Peter in der Hand, als sie Halle 9 verlassen. Eigentlich wollte Winkler seine Tochter nur begleiten, jetzt steckt auch sein Foto in der Kandidaten-Kartei. Obwohl die beiden nur zwei Stunden gebraucht haben um das gesamte Casting zu durchlaufen, hat sich Johanna ziemlich gelangweilt. Etwas Gutes kann sie dem aber abgewinnen: "Weil das so lange gedauert hat, war ich überhaupt nicht mehr aufgeregt." Sowieso hatte sich Johanna das Casting spannender vorgestellt. "Ich dachte, sie wollen, dass ich etwas vorspreche, dass sie gucken, wie ich laufe. Stattdessen haben sie nur drei Fotos gemacht."

Am kommenden Sonnabend, wenn noch einmal ein Komparsen-Casting ansteht, werden trotzdem wieder unzählige Bewerber erwartet. Einige vielleicht auch mit der Hoffnung, dann Quentin Tarantino über den Weg zu laufen. Der ist nämlich schon in Berlin.

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