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25.07.08

Kindesmissbrauch

Hohe Haftstrafe für HIV-infizierten Sextouristen

Ein pädophiler Sextourist aus Neumünster muss wegen schweren Missbrauchs kambodschanischer Kinder ins Gefängnis. Der HIV-Infizierte hatte in Südostasien seine Neigungen hemmungslos ausgelebt. Trotz eindeutiger Beweise fordert der einschlägig vorbestrafte 49-Jährige auch nach dem Urteil seinen Freispruch.

© dpa
¿Dem Sextourismus und der sexuellen Ausbeutung von Menschen in wirtschaftlicher Not muss ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden¿, sagte die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, Irene Johns.

Die Richter hielten sechseinhalb Jahre Haft und eine anschließende Sicherungsverwahrung angemessen für die Straftaten. Der Vorsitzende Richter Stefan Becker vom Landgericht Kiel bescheinigte dem HIV-positiven Mann "schwere seelische Abartigkeit". Er sei unbelehrbar und lehne jede Therapie ab, betonten Gericht und Gutachter. "Für seine Pädophilie kann er nichts. Aber er kann etwas dafür, wie er mit seiner Pädophilie umgeht", sagte Becker.


Das Gericht folgte mit seinem Urteil in dem Verfahren mit bis zuletzt ungewissem Ausgang weitgehend der Staatsanwaltschaft, die acht Jahre Haft und Sicherungsverwahrung gefordert hatte. Die Verteidigung verlangte dagegen Freispruch und kündigte Revision beim Bundesgerichtshof an. Da der 49-Jährige erklärt hatte, bei einer Freilassung Deutschland zu verlassen, verhängte das Gericht vorsorglich Haftbefehl wegen Flucht- und Wiederholungsgefahr.


Staatsanwältin Stefanie Schautz reagierte nach dem Richterspruch erleichtert: "Ich bin sehr zufrieden und denke, dass das Urteil Bestand haben wird. Das Verfahren war bis zuletzt offen", sagte sie. Der hagere 49-Jährige zeigte erstmals in dem acht Monate dauernden Prozess eine sichtbare Regung: Er schnappte bei der Urteilsverkündung mehrfach laut und tief nach Luft, bevor er sich wieder setzte.


Die Wende brachten die Aussagen eines heute achtjährigen kambodschanischen Jungen und seiner Mutter, die zusätzlich geladen wurden. Beide Zeugen schilderten laut Urteil glaubhaft sexuelle Übergriffe des Angeklagten auf den damals Sechsjährigen und andere kambodschanische Jungen in Sihanoukville. Dort war der 49-Jährige mit einem roten Motorrad auf der Suche nach Kindern unterwegs und Kinderschützern aufgefallen. Den Aussagen zufolge hatte der Angeklagte dem Sechsjährigen in eindeutiger Weise an die Hose gefasst. Er ließ erst ab, als die Mutter dazwischen ging. In mehreren anderen Fällen kam es zum Oralverkehr.


Während der Beweisaufnahme waren Zweifel an den Aussagen weiterer kambodschanischer Jungen aufgekommen. Diese erkannten zwar den Angeklagten schon in Kambodscha auf Fotos eindeutig wieder, doch ihre Befragung durch Kinderschützer in Sihanoukville genügte nicht deutschen Rechtsstandards. "Die Vernehmungen waren teilweise gegen jede Regel der Kunst", sagte Becker. Die Kinder waren – zum ersten Mal für ein deutsches Gericht – für den Prozess nach Kiel eingeflogen, wo sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit angehört wurden.


Der 49-Jährige habe sich in dem armen südostasiatischen Land offenbar sicher gefühlt und geglaubt, er könne dort ungestört seinen Neigungen nachgehen, sagte der Vorsitzende Richter. Doch der frühere Berufsmusiker und Sänger einer Teenie-Band fiel den Kinderschützern auf, die ihn observierten und den Fall ins Rollen brachten.


Der Adoptivsohn eines Bankers war mit gefälschtem dänischen Pass und auf Umwegen nach Kambodscha gereist, nachdem ihm der deutsche Pass entzogen wurde. Wegen der Passfälschung verbüßt er noch bis August eine Haftstrafe. Er hatte im Gefängnis sogar schriftlich erklärt, dass er seine pädophilen Neigungen trotz gesetzlicher Verbote in jedem Falle ausleben wolle und sich durch nichts abhalten lasse.


Die Deutsche Kinderhilfe begrüßte das Urteil. Sicherungsverwahrung sei die derzeit bestmögliche Entscheidung, Kinder vor solchen Triebtätern zu schützen, hieß es. Trotz sieben Vorstrafen wegen sexuellen Missbrauchs habe erst jetzt das Gericht erkannt, dass "dieser Straftäter für potenzielle Opfer eine tickende Zeitbombe" sei. "Dem Sextourismus und der sexuellen Ausbeutung von Menschen in wirtschaftlicher Not muss ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden", sagte die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, Irene Johns. Südostasien sei eines der Hauptgebiete der kommerziellen sexuellen Ausbeutung von Kindern. "Existenzielle Armut, Korruption und Kinderhandel bilden hier die Grundlage für einen intensiven Sextourismus."

Quelle: dpa/kami
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