Madrid
Rund 150 Tote bei Flugzeugunglück in Spanien
Am Flughafen von Madrid ist ein Flugzeug mit rund 170 Passagieren bei einem misslungenen Start in Flammen aufgegangen. Die Behörden berichten von mehr als 100 Toten, Rettungskräfte sogar von knapp 150. Unter den Opfern könnten auch deutsche Lufthansa-Gäste und zwei Babys sein. Das Flugzeug sollte nach Gran Canaria fliegen.
"Das ist eine Katastrophe", sagte ein Sprecher des Rettungsdienstes Samur. Augenzeugen berichteten, die Retter würden viele verkohlte Leichen bergen.
Es seien mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen, teilten die spanischen Behörden mit. Weitere 44 Insassen seien verletzt worden. In spanischen Internet-Medien war von mindestens 50 Toten die Rede. Rettungsdienste sprachen sogar davon, dass von den 173 Passagieren nur rund 25 überlebt hätten.
Alle Überlebende befänden sich in einem kritischen Zustand. Viele von ihnen wurden in eine nahe gelegene Klinik mit einer Spezialabteilung für Brandverletzungen gebracht. Unter den 173 Insassen der zweistrahligen Maschine waren neun Besatzungsmitglieder. Nach der Passagierliste sollen auch zwei Babys an Bord gewesen sein.
Das Flugzeug flog für die spanische Gesellschaft Spanair, trug aber auch die Flugnummer LH2554, also eine Nummer der deutschen Lufthansa. Spanair gehört zur Staralliance-Gruppe. Es habe sich um einen Kooperationsflug mit der Lufthansa gehandelt, bestätigte Spanair. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch deutsche Fluggäste betroffen sein könnten. Ob dies der Fall ist, war am Abend aber noch völlig unklar.
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, dass die deutsche Botschaft in Madrid eingeschaltet sei. Die Botschaft bemühe sich um Aufklärung, ob möglicherweise Deutsche betroffen seien. Zwei Mitarbeiter aus Berlin seien ebenfalls nach Madrid geschickt worden.
Die Fluggesellschaft Spanair hat nach eigenen Angaben unter der
Telefonnummer 0034 800 400 200
eine Hotline für Angehörige eingerichtet.
Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine zweistrahlige Maschine vom Typ MD-82, sie soll nach Angaben des Nachrichtensenders NTV älter als 20 Jahre gewesen sein.
Wie die Rettungsdienste mitteilten, war das Flugzeug der spanischen SAS-Tochter Spanair beim Start auf der Bahn zum Terminal 4 nicht abgehoben, sondern über das Ende der Startbahn hinausgerast. Die Pilotengewerkschaft bestätigte dies. Nach Medienberichten fing ein Triebwerk Feuer.
Im Fernsehen war eine dichte Rauchwolke über dem Flughafen zu sehen. Der Radiosender Cadena Ser berichtete auf seiner Website, das Flugzeug brenne. Andere berichteten, das Flugzeug sei zerschellt. Augenzeugen vermuten, die Maschine sei in den hinter der Landebahn liegenden Wald gerast. Das Flugzeug sei vollständig zerstört worden, hieß es in Kreisen der Rettungsdienste.
Laut der Tageszeitung "El Pais" (Internetausgabe) sollte die Maschine um 13 Uhr starten und war auf dem Weg nach Gran Canaria. Ein erster Start sei wegen technischer Probleme abgebrochen worden. Gegen14.45 Uhr geschah beim zweiten Startversuch die Tragödie.
Dutzende entsetzte Angehörige trafen derweil auf dem Flughafen von Las Palmas auf Gran Canaria ein. Sie wurden von Mitarbeitern des Roten Kreuzes psychologisch betreut.
"Alle rennen hier herum und versuchen Informationen zu bekommen", erzählt eine WELT-ONLINE-Korrespondentin, die zufällig selbst am Flughafen am Schalter wartete. Vor allem diejenigen, die ihre Verwandte gerade zum Flughafen gebracht haben, versuchen zu erfahren, was für eine Maschine verunglückt ist. "Hier herrscht Chaos total." Momentan dürften auf dem Flughafen Maschinen nur noch landen, starten dürfe keine mehr. Offenbar sei das komplette System am Flughafen zusammengebrochen. Man sehe nur die Rauchwolke über dem Flughafen aufsteigen und höre die Sirenen der Notfallhelfer, so die WELT-ONLINE-Korrespondentin.
Spanair steht schon länger in der Kritik
Zuletzt waren bei einem Unglück im Jahr 2006 zehn Passagiere auf dem Madrider Flughafen verletzt worden, als eine Maschine nach einem missglücktem Start evakuiert wurde. Damals hatte der Pilot wegen eines Defekts den Start abgebrochen.
Der Flughafen von Madrid ist ein Prestigeprojekt für Spanien. Der Betreiber AENA hat Barajas in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut und will ihn zur größten Verkehrsdrehscheibe zwischen Europa und Lateinamerika machen. Fast fünf Millionen Passagiere verzeichnete Barajas, Europas viertgrößter Flughafen, allein im Juli 2008.
Die Fluggesellschaft Spanair schreibt seit geraumer Zeit rote Zahlen. Die Muttergesellschaft SAS kündigte im Juli drastische Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen an. Insgesamt sollen 15 Maschinen aus dem Verkehr gezogen, neun Flugverbindungen eingestellt und 900 Stellen gestrichen werden. Dadurch erhofft sich die SAS für 2009 eine Kosteneinsparung von 90 Millionen Euro. Bis vor kurzem hatte SAS vergeblich versucht, Spanair zu verkaufen.
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