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24.07.08

Kindesmissbrauch

Billigflieger haben Mitschuld am Sextourismus

Die Polizeibehörde Europol schlägt Alarm: Die Billigfluglinien sollen eine Mitschuld am Anstieg des Sextourismus tragen. Pädophile kämen so in Länder, in denen sie die Armut der Bevölkerung ausnutzen können. Kinderschützer gehen deshalb von mehr als einer halben Million Kinder aus, die zur Prostitution gezwungen werden.

© dpa
Prostitution in Thailand

"Die Reduzierung der Flugticketpreise und zugleich die strengere Gesetzgebung in den westlichen Ländern tragen zur wachsenden Zahl von Sextouristen bei", sagte der Chef der europäischen Polizeibehörde, Max-Peter Ratzel, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".


Diese könnten selbst ferne Ziele billig erreichen, "um schließlich Kinder sexuell zu missbrauchen". Nach Schätzungen werden weltweit mehrere Millionen Kinder kommerziell sexuell missbraucht.


Ratzel sprach von einem ernsten Problem, "das seit langem unter der Beobachtung Europols steht". Vor allem Länder mit ärmlichen wirtschaftlichen Bedingungen eines Großteils der Bevölkerung seien bevorzugte Ziele. Zunehmend gehöre dazu auch Kambodscha.


"Dort bezahlen Sextouristen lokale Zuhälter, um so Zugang zu Minderjährigen zu erhalten, die sie sexuell missbrauchen", sagte Ratzel. In manchen Fällen seien Familien so arm, "dass sie die eigenen Kindern den Sextouristen als Missbrauchsopfer anbieten".


Derzeit läuft vor dem Landgericht Kiel ein Kinderschänder-Prozess, in dem voraussichtlich an diesem Freitag das Urteil gesprochen wird. Dem aus Deutschland stammenden 49 Jahre alten Angeklagten wird sexueller Missbrauch von Kindern in Kambodscha vorgeworfen.

Bekannt wurde auch der Kanadier Christopher N., der durch die erste weltweite Fahndung nach einem Kinderschänder in Thailand gefasst wurde und nun in Bangkok dort vor Gericht steht. Der Mann, der als Lehrer arbeitete, soll in Asien über Jahre Hunderte Hunderte von Jungen und Mädchen missbraucht haben. Er hatte mehr als 200 Fotos von sich ins Internet gestellt, auf denen er sich an kleinen Jungen vergeht.

Schärfere Interventionen

Auch die Kinderschutzorganisation "terre des hommes" beobachtet neben den "klassischen" Zielen Thailand und Sri Lanka eine Entwicklung hin nach Kambodscha, Vietnam und Laos. In Kambodscha würden auch viele verschleppte Kinder aus Vietnam missbraucht: Ein Drittel der dortigen Opfer stamme aus Vietnam, sagte Nadja Jacubowski von "terre des hommes". Grund seien schärfere Interventionen in anderen Ländern. "Die potenziellen Täter haben sich neue Locations gesucht", erklärte sie.


Seit den 90er-Jahren sei sowohl in den Zielländern als auch in den Herkunftsländern der Täter das Bewusstsein für das Thema gewachsen, sagte Jacubowski. Die Kooperation zwischen den Behörden habe sich seither verbessert, zudem seien sich auch Unternehmen und Reisende ihrer sozialen Verantwortung stärker bewusst geworden.


Im Jahr 2001 beschloss der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verband (DRV) einen Verhaltenskodex zur Bekämpfung von Kindersextourismus. Die DRV-Mitglieder verpflichten sich darin, Kinder vor sexueller Ausbeutung zu schützen. Laut Jacubowski nimmt Kindersextourismus aber tendenziell zu, und die Opfer werden jünger.

Zusammenarbeit der Strafverfolger

Europol arbeitet laut Ratzel im Kampf gegen Kinderprostitution nicht nur mit anderen Strafverfolgungsbehörden in den EU-Staaten sowie der amerikanischen Bundeskriminalpolizei FBI zusammen, sondern auch mit Nichtregierungsorganisationen vor Ort.


Nach deutschem Recht ist der von Deutschen im Ausland begangene sexuelle Missbrauch von Kindern strafbar. Laut "terre des hommes" hält Asien mit geschätzt über einer Million Kinder den traurigen Rekord in Zwangsprostitution.


Hilfsorganisationen gehen von 150.000 Kinderprostituierten allein in Thailand aus, zudem von 400.000 Minderjährigen in Indien und etwa 100.000 auf den Philippinen mit dem selben Schicksal. Zulauf erfahren demnach aber auch Osteuropa, Nordafrika und Indien.


Seit Anfang 2006 wird auf Initiative des BKA sexueller Missbrauch von Kindern und die Herstellung kinderpornografischen Materials durch deutsche Täter in Thailand verstärkt bekämpft. Bekannt gewordene Täter werden in Thailand und Deutschland strafrechtlich verfolgt. Neben den in Thailand in eigener nationaler Zuständigkeit wahrgenommenen Ermittlungen gegen Menschenhändler und Sexualstraftäter führt das BKA im Auftrag der Staatsanwaltschaft Gießen Ermittlungen gegen so genannte "Kindersextouristen" aus Deutschland.

Quelle: ap/dpa/kami
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