Oscar-Verleihung

Patrick Vollrath: mit Batman zur Oscar-Verleihung

Patrick Vollrath hat gerade erst sein Regie-Studium beendet. Mit seinem Kurzfilm „Alles wird gut“ ist er für einen Oscar nominiert.

Patrick Vollrath bei der Smoking-Anprobe bei Rooks & Rocks an der Uhlandstraße

Foto: Reto Klar

Patrick Vollrath bei der Smoking-Anprobe bei Rooks & Rocks an der Uhlandstraße

Jetzt fehlen nur noch die Batman-Manschettenknöpfe. Patrick Vollrath steht vor dem Spiegel und betrachtet sich mit kritischem Blick. Hinter ihm steht V iktor Lis vom Maßanzug-Label Rooks & Rocks an der Uhlandstraße, entfernt Transportnähte und hilft beim Binden der Fliege. Für den 31-jährigen Regisseur und Drehbuchautor ist es der erste Smoking, eigentlich sei er nicht einmal Anzugträger. "Ich bin eher der Turnschuhtyp", sagt er, doch bei den Oscars gebe es beim Dresscode Black Tie wohl wenig Interpretationsspielraum.

Mit seinem 30-minütigen Kurzfilm "Alles wird gut" ist Vollrath in diesem Jahr in der Kategorie "Best Live Action Short Film" nominiert. Dass er zur Verleihung nach Los Angeles fliegen würde, sei für ihn von Anfang an klar gewesen, auch wenn er sich nur geringe Chancen auf die goldene Statue ausrechne, alleine schon wegen der Partys.

Glücksbringer Batman

Zur Sicherheit nimmt der gebürtige Niedersachse aber doch einen Glücksbringer mit. Der sei eigentlich ein Gürtel mit einer Batman-Schnalle, doch der würde nicht zu Smoking passen, das muss er selbst zugeben. Also die dezenteren Manschettenknöpfe. "Seit meiner Kindheit ist Batman mein Lieblingssuperheld", sagt Vollrath. Seinen Berufswunsch verdanke er jedoch anderen Kinohelden: Leonardo DiCaprio , James Cameron und Kate Winslet. "Als 'Titanic' im Kino lief, war ich 12 Jahre alt. Ich war damals hin und weg", erzählt er. "Vorher habe ich Filme nur zum Zeitvertreib geschaut."

Anfangs habe er noch Schauspieler werden wollen und sei sofort in die Theater-AG seiner Schule eingetreten. Als der zuständige Lehrer in Rente gegangen sei, habe er dessen Job übernommen. Von dem Geld seines Ferienjobs habe er sich bei eBay eine Super-8-Kamera gekauft. Sein erster Film: eine Horrorfilm-Adaption der Goethe-Ballade "Der Erlkönig", gedreht in den Wäldern seines Heimatortes Eisdorf im Harz.

Kaffee unter Kollegen

Nach dem Abitur bewarb sich Patrick Vollrath an der Schauspielschule in Hannover. Bereits beim Vorsprechen habe er jedoch gemerkt, dass er auf keinen Fall Schauspieler werden wolle. Doch seine erste Bewerbung auf der Filmhochschule scheiterte. Mit 20 habe man ihn dort noch nicht ernst genommen, das könne er heute sogar verstehen, sagt er. Also absolvierte Vollrath zunächst eine dreijährige Schnittausbildung bei Arri in München, bevor er mit 23 noch einmal sein Glück in Ludwigsburg versuchte – und wieder abgelehnt wurde.

In Wien hatte er mit dem gleichen Bewerbungsfilm mehr Erfolg. 2008 begann er an der Filmakademie der österreichischen Hauptstadt sein Regiestudium unter Oscarpreisträger Michael Haneke. Sein Abschlussfilm war 2015 das Familiendrama "Alles wird gut". Am Anfang habe er große Ehrfurcht vor dem Regisseur und Drehbuchautor gehabt, heute treffe man sich hin und wieder auf einen Kaffee unter Kollegen oder tausche sich am Telefon aus.

Für seinem Abschlussfilm, mit dem Vollrath 2015 den Student Academy Award in Bronze gewann und dadurch auf die Longlist für den Oscar kam, habe er von Haneke großes Lob erhalten. Auch in Sachen Smoking habe er sich Rat von seinem Mentor geholt.

"Dabei sein ist alles"

Als die Nominierungen für die 88. Academy Awards bekannt gegeben wurden, saß Patrick Vollrath allein vor dem Laptop in seiner Wohnung. "Ich wollte nicht, dass jemand dabei ist, falls es nicht geklappt hätte", sagt er. Dass am Sonntag voraussichtlich über 40 Millionen US-Fernsehzuschauer Zeuge werden, wie es für ihn im Dolby Theatre ausgeht, störe ihn hingegen wenig.

Jetzt gehe es nur noch ums Dabeisein. Allein durch die Nominierung habe er viel Aufmerksamkeit bekommen und neue Kontakte geknüpft. "Es ändert komplett, wie die Leute mit einem reden", sagt er. Wenn sich die Gelegenheit ergebe, werde er das bei der anschließenden Party einmal an Steven Spielberg testen.

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