Virus USA melden erste Zika-Übertragung durch ungeschützten Sex

Ein Labormitarbeiter mit Blutproben, die auf den Zika-Virus getestet sind. In einem Fall aus Texas ist jetzt der Nachweis erbracht, dass das Virus durch Sex übertragen wurde.

Foto: MARIANA BAZO / REUTERS

Ein Labormitarbeiter mit Blutproben, die auf den Zika-Virus getestet sind. In einem Fall aus Texas ist jetzt der Nachweis erbracht, dass das Virus durch Sex übertragen wurde.

Die Gefahr durchs Zika-Virus bekommt eine neue Dimension: Behörden haben in Texas erstmals eine Übertragung durch Sex nachgewiesen.

Dallas.  Die Gesundheitsbehörden stehen beim Kampf gegen das Zika-Virus vor neuen Herausforderungen. In den USA wurde erstmals eine durch ungeschützten Sex erfolgte Zika-Infektion gemeldet. Der Patient oder die Patientin ist zweifelsfrei nicht durch einen Moskitostich infiziert worden, hieß es von der Gesundheitsbehörde in Texas. Die Person habe sich beim Sex mit jemandem infiziert, der oder die aus einem vom Virus stark betroffenen Land zurückgekehrt war. "Jetzt wissen wir, dass das Zika-Virus durch Sex übertragen werden kann", sagte Zachary Thompson, Direktor der texanischen Gesundheitsbehörde. Das Land oder Geschlecht der Betroffenen nannte Thompson nicht. Die US-Bundesbehörde CDC hatte den Fall bestätigt, die lokalen Behörden hatten den Übertragungsweg recherchiert.

Am Montag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das Virus steht im Verdacht, durch eine Infektion von Schwangeren bei Neugeborenen Schädelfehlbildungen zu verursachen. Experten gingen zuvor bereits davon aus, dass Zika auch durch ungeschützten Sex übertragen werden kann.

Brasilien am stärksten betroffen

Das Virus ist der Wissenschaft seit Jahrzehnten bekannt, doch seit einigen Monaten schlägt es vor allem in Süd- und Mittelamerika in einem bisher nicht gekannten Ausmaß zu. Brasilien ist das bisher am stärksten betroffene Land. Wie das Gesundheitsministerium am Dienstagabend mitteilte, stieg die Zahl von 270 auf 404 – in 17 Fällen konnte nachgewiesen werden, dass sich schwangere Frauen zuvor mit dem Zika-Virus infiziert hatten. Zuvor waren es sechs Fälle. Zudem werden derzeit noch 3670 Fälle mit einem Verdacht auf Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) untersucht. So muss genau festzustellt werden, ob es sich tatsächlich um Mikrozephalie handelt. Das könne Monate dauern. Die Diagnose des Zika-Erregers sei schwierig, sagte WHO-Mikrozepahlie-Experte Costello.

Sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Brasilien sorgt der Gesundheitsnotstand wegen des Zika-Virus für große Verunsicherung. Gastgeber Brasilien empfahl Schwangeren, die Spiele im August zu meiden. Für Athleten und andere Besucher bestehe aber keine Gefahr, sagte der Stabschef des Präsidialamtes, Jaques Wagner, vor Journalisten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) riet Frauen mit Blick auf die Olympischen Spiele zur Vorsicht. "Nutzen Sie die Empfängnisverhütung, wenn Sie zu den Spielen reisen", sagte WHO-Experte Anthony Costello.

Gefahr einer Ausbreitung in Europa gering

Die Gefahr einer Ausbreitung in Deutschland und Europa halten Experten für gering. Da es bislang keine Meldepflicht für Zika-Erkrankungen gibt, sind genaue Zahlen in Deutschland aber nicht bekannt. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin hat in jüngster Zeit aber einzelne Infektionen bei Reiserückkehrern diagnostiziert. Ein Fall ist bereits aus dem Jahr 2013 bekannt. Die erkrankte Person war zuvor aus Asien zurückgekehrt.

Warum das Virus gerade jetzt zuschlägt, ist nicht bekannt. Schon 1947 wurde es bei einem Affen im "Zikawald" in Uganda isoliert. Große Ausbrüche beim Menschen wurden 2007 in Mikronesien und seit 2013 in anderen Staaten im pazifischen Raum beobachtet. (dpa/rtr)

Weitere Informationen zum Zika-Virus gibt hier:

• Fragen und Antworten der WHO zu Zika

Robert-Koch-Institut zu Zika

• Erläuterungen der US-Seuchenbehörde CDC zu Zika-Übertragungswegen

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