15.03.12

Unglück in der Schweiz

Eltern identifizieren Opfer des Busunfalls

Die Eltern der Kinder, die beim Busunglück in der Schweiz starben, müssen die Toten identifizieren. Die Ursache des Unfalls bleibt weiter unklar.

Foto: dpa/DPA

Schwerer Verkehrsunfall in der Schweiz: In einem Tunnel auf der A9 bei Siders sind 28 Menschen ums Leben gekommen, darunter 22 Kinder.

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Für die Eltern der schwerste Gang ihres Lebens: Abgeschirmt von der Öffentlichkeit haben Mütter und Väter aus Belgien und den Niederlanden ihre Kinder identifiziert, die bei dem Busunglück in der Schweiz getötet worden sind. Erste Leichen sollen am Freitag mit einem Flugzeug der belgischen Armee übergeführt werden. Die Suche nach der Unfallursache läuft weiter.

An diesem Freitag soll um 11.00 Uhr in ganz Belgien der Opfer gedacht werden. Auch in den Niederlanden wird getrauert. Sechs der getöteten Schüler waren Holländer. In dem Unglücksbus saßen zwei Schulklassen, eine davon aus dem belgischen Ort Lommel, der unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden liegt.

Insgesamt 28 Menschen waren am Dienstag gestorben, als ihr Reisebus auf der Autobahn 9 im Schweizer Kanton Wallis frontal gegen die Wand einer Nothaltebucht prallte. Darunter waren 22 Kinder im Alter von etwa zwölf Jahren aus zwei Schulen im flämischen Teil Belgiens.

Eltern legen Blumen am Unglücksort nieder

Viele Angehörige, die von Trauma-Spezialisten betreut wurden, suchten am Donnerstag den Unglückstunnel auf. Die Eltern, die ihre in der Kapelle des Zentralfriedhofs von Sitten (französisch: Sion) aufgebahrten Kinder identifizieren mussten, wurden unter Polizeischutz auch zum Tunnel nahe des Ferienortes Siders (französisch: Sierre) gefahren. Sie waren mit einer Militärmaschine von Brüssel aus ins Wallis gekommen. Sie brachten Blumen mit und legten schriftliche letzte Grüße für ihre Lieben nieder.

In den belgischen Orten Lommel und Herverlee trauerten am Abend Tausende bei Gottesdiensten. Währenddessen kämpften noch immer drei Kinder um ihr Leben. Sechs verletzte Kinder reisten bereits von der Schweiz nach Belgien.

Verletzte Kinder werden nach Hause gebracht

Für die Heimreise der Angehörigen von Genf aus stellt die belgische Luftwaffe ein Passagierflugzeug zur Verfügung. Vier der 24 verletzten Kinder seien vorerst nicht transportfähig, sagte Belgiens Regierungschef Elio Di Rupo. Sie lagen schwer verletzt in Kliniken, drei in Lebensgefahr in der Uni-Klinik von Lausanne, das vierte im Berner Inselspital.

Von den anderen 20 Kindern machten sich bereits drei leichtverletzte mit ihren Eltern per Auto auf die Heimreise, drei andere per Linienflugzeug, wie Gesundheitsministerin Laurette Onkelinx sagte.

Die übrigen Kinder lagen in Krankenhäusern des Kantons Wallis. Sie befinden sich auf dem Weg der Besserung, wie eine Sprecherin des Krankenhausverbunds Spital Wallis sagte. Viele hätten mehrfache Knochenbrüche erlitten, deren Heilung Zeit brauche.

Busfahrer soll vor Unglück DVD gewechselt haben

Aus allen Teilen der Schweiz schickten Menschen Kondolenzbotschaften. Papst Benedikt XVI. betete für die Opfer und ihre Angehörigen. Er sei zugleich auch den Verletzten, ihren Familien sowie den Bergungsmannschaften in Gedanken sehr nahe, hieß es in einem Beileidstelegramm an den Erzbischof von Brüssel, André Leonard.

Während die Ermittlungen zur Unfallursache in der Schweiz auf Hochtouren laufen, bezeichnete die Polizei Angaben einer belgischen Boulevardzeitung dazu als "reine Spekulation". Das Blatt "Het Laatste Nieuws" hatte am Donnerstag online berichtet, der Busfahrer sei womöglich kurz vor der Kollision dadurch abgelenkt worden, dass er eine DVD einlegen sollte.

Dies hätten verletzte Kinder berichtet. Auf den inzwischen ausgewerteten Überwachungsvideos aus dem Unglückstunnel sei nicht erkennbar, dass der Fahrer mit einem Handgriff zum Einlegen einer DVD beschäftigt gewesen sei.

Problematischer Passagierliste

Die Beamten gingen bislang von drei "Thesen" aus: eine technische Panne, menschliches Versagen oder ein akutes Gesundheitsproblem des Fahrers wie ein Herzinfarkt. Die genaue technische Untersuchung des Buswracks soll am Freitag beginnen.

Die Walliser Regierungsrätin Esther Waeber-Kalbermatten äußerte sich zu in Belgien aufgeworfenen Fragen, wieso die Eltern erst sechs Stunden nach dem Busunglück informiert worden seien. Die Rettung der Verletzten habe Vorrang gehabt.

Doch abgesehen davon habe es Probleme mit der belgischen Passagierliste gegeben. Es habe nur eine gemeinsame Liste für drei Reisebusse gegeben. So sei es schwierig gewesen, festzustellen, welche der darauf genannten Kinder tatsächlich in dem letzten Bus saßen, also im Unglücksfahrzeug.

Schulen der Kinder werden von Reportern belagert

Belgiens Regierungschef Di Rupo und auch der flämische Ministerpräsident Kris Peeters forderten "mit Nachdruck" vor allem die internationale Presse auf, die Privatsphäre der Opfer und ihrer Verwandten zu respektieren. Die Umgebung der beiden Schulen, in denen die Kinder unterrichtet wurden, würden ständig belagert.

Belgiens Radprofis wollen beim Frühjahrs-Klassiker Mailand-San Remo an diesem Samstag mit Trauerflor antreten. Im radsportverrückten Belgien ist in der nächsten Woche am Freitag zudem beim Eliterennen E3 Prijs Vlaanderen-Harelbeke eine Schweigeminute geplant.

Quelle: dpa/ks
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