Hamburger Seeräuberprozess
Wurden Piraten zum Entern der "Taipan" gezwungen?
Im Prozess gegen zehn somalische Seeräuber könnten zwei Zeugen aus Indien die Angeklagten entlasten. Zur Beschleunigung wurde das Verfahren nun geteilt.
Im bundesweit ersten Piraten-Prozess in Hamburg werden möglicherweise weitere Zeugen vernommen. Zwei Seeleute seien überraschend in Indien von Interpol ausfindig gemacht worden, sagte der Vorsitzende Richter Bernd Steinmetz.
Angeklagter will mit Waffengewalt gezwungen worden sein
Die beiden Männer hätten sich auf einem Piraten-Mutterschiff befunden. Sie sollen laut Verteidigung Angaben dazu machen können, ob einige der Angeklagten im April 2010 mit Waffengewalt zum Entern des deutschen Frachters "Taipan" gezwungen wurden.
Es werde nun versucht, die beiden Seeleute für eine Aussage zu erreichen. Der älteste der Angeklagten hatte die Zeugenvernehmung beantragt. Sie sollen seine Einlassung bestätigen können, er sei seinerzeit unter Zwang auf das Mutterschiff "Hud Hud" verbracht worden und habe sich nicht etwa freiwillig Seeräubern angeschlossen.
Staatsanwaltschaft fordert 81 Jahre Haft
Außerdem soll der Prozess nach 15 Monaten Verhandlungsdauer in zwei Verfahren geteilt werden. Damit will das Landgericht in einem der Prozesse zu einem schnelleren Ende kommen. Nun sollen zwei Verfahren gegen je fünf Angeklagte geführt werden, wie der Vorsitzende Richter Bernd Steinmetz am Mittwoch – dem 77. Verhandlungstag – ankündigte.
Die zehn angeklagten Somalier sollen am Ostermontag 2010 das Hamburger Frachtschiff "Taipan" vor der Küste Somalias beschossen und gekapert haben. Die 15-köpfige Besatzung wurde Stunden später von einem niederländischen Marinekommando befreit.
Die Staatsanwaltschaft fordert für die zehn somalischen Angeklagten insgesamt 81 Jahre Haft. Die "Taipan" war von niederländischen Marinesoldaten aus der Hand von Piraten befreit worden. Die zehn an Bord festgenommenen Männer waren anschließend an die Justiz nach Deutschland ausgeliefert worden. Es ist das erste Mal, dass mutmaßliche Seeräuber aus Somalia vor einem deutschen Gericht stehen.
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