Nach Ägypten entführt
Vier Kinder verschleppt - Religöser Fanatiker verurteilt
Er fühlte sich "verpflichtet, die Kinder zu erziehen": Ein streng gläubiger Vater entführte vier Geschwister nach Kairo. Jetzt muss er in Haft.
Wegen der Entführung seiner Kinder nach Ägypten und in den Sudan muss ein 38-jähriger Familienvater für anderthalb Jahre in Haft. Das Landgericht Lüneburg verurteilte den Mann am Donnerstag wegen Kindesentziehung und Wohnungseinbruchsdiebstahls.
Die Staatsanwaltschaft hatte zweieinhalb Jahre Haft gefordert. Staatsanwalt Lars Janßen hielt dem Angeklagten am Donnerstag vor, sich "in dreister und eigensinniger Weise über Recht und Gesetz hinweggesetzt" und seine Kinder "mit List" entführt zu haben. Es gebe im Rechtsstaat "kein Recht zur Selbstjustiz auch nicht mit Bezug auf die Bibel".
Die Mutter hatte kurz vor der Tat das Sorgerecht bekommen
Am Ostermontag 2011 hatte er danach die vier Kinder unter dem Vorwand einer Fahrradtour in Hermannsburg bei Celle bei seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau abgeholt. Erst im September wurden der Mann und die Kinder nach viereinhalb Monaten intensiver Fahndung in Kairo entdeckt. Der Mutter war kurz vor der Tat das alleinige Sorgerecht zugesprochen worden.
"Aufgrund meines Glaubens und auch der Gesetze fühle ich mich verpflichtet, die Kinder zu erziehen", sagte der 37-Jährige zu Beginn des Prozesses. Der arbeitslose Krankenpfleger, dem die Entziehung Minderjähriger vorgeworfen wird, gilt als christlicher Fundamentalist.
Die 31 Jahre alte Ehefrau berichtete anschließend, wie der Glaube des Ehemannes die Familie seit 2004 immer mehr zerstört habe. Schließlich gab er eine Zusatzausbildung auf und wollte Missionar werden. "Da habe ich ihm gesagt, dass ich jetzt so nicht mehr weitermache", berichtete die 31-Jährige. Im Jahr 2009 habe sie dann nach der Trennung ihren derzeitigen Lebensgefährten kennengelernt.
Er wollte die Kinder vor dem Lebensstil der Mutter bewahren
"Ich glaube, dass das, was in der Bibel steht, Gottes Wort ist", erklärte der Angeklagte, als ihn der Richter nach den Motiven seiner Tat befragte. Die Trennung der Frau sei "Ehebruch", ihr Zusammenleben mit dem neuen Lebensgefährten "Unzucht".
Diesen Lebensstil habe er auch im Sinne der Kinder nicht billigen können.
Die damals vier bis acht Jahre alten Geschwister habe er nach Ägypten gebracht, auch weil das Land aus Deutschland in wenigen Stunden erreichbar sei, sagte der Angeklagte. Zudem habe er gehofft, nicht ausgeliefert zu werden, weil Ägypten ein Übereinkommen zur Rückführung entführter Kinder nicht unterzeichnet habe und Ehebruch dort strafbar sei. In Kairo wollte er sich Arbeit suchen und ein neues Leben anfangen.
Die Kinder kehrten erst 136 Tage nach der Tat zu ihrer Mutter zurück. Den Kindern gehe es heute körperlich und seelisch gut, berichtete die Frau.
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