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08.02.12

TV-Talk

Stuckrad-Barre kuscht nicht vor der Quote

Mit "Stuckrad Late Night" will Benjamin Stuckrad-Barre den Polit-Talk neu beleben. Produziert wird das Format von seinem Freund Christian Ulmen. Beide sprechen im Interview nicht nur über Kritik unter Freunden und Rauchen im TV.

© Reto Klar
Christian Ulmen / Benjamin von Stuckrad-Barre
Vertraut: Christian Ulmen (l.) wird in diesem Jahr Vater. Seinen Freund Benjamin von Stuckrad-Barre (r.) würde er jederzeit als Helfer einspannen

Am Donnerstag meldet sich Schriftsteller und Journalist Benjamin von Stuckrad-Barre (37) mit "Stuckrad Late Night" im Fernsehen zurück. Produziert wird der politische Late-Night-Talk von seinem Freund, dem Schauspieler Christian Ulmen (36). Zu Gast in den ersten Folgen der neuen Staffel (ab 9. Februar 2012, 23.30 Uhr, ZDFneo) werden der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle (66), sowie Ex-Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (67, CSU) sein. Beim Interview in Ulmens Charlottenburger Büro sprachen Stuckrad-Barre und Ulmen über Talk-Gäste, Kritik unter Freunden und Rauchen im TV.

Morgenpost Online: Late-Night-Veteran Harald Schmidt muss bei seiner Show momentan einen deutlichen Zuschauerschwund hinnehmen. Auch Thomas Gottschalk hat es als Talkmaster in der ARD schwer. Funktioniert die Ein-Mann-Talkshow überhaupt noch?

Benjamin von Stuckrad-Barre: Ich finde es lächerlich, Quoten als ausschlaggebendes Indiz für die Funktion von Formaten zu nehmen. Es muss Fernsehen für jede Art von Bedürfnissen gemacht werden. Das Dschungelcamp, das ja meines Wissens sehr gute Quoten hatte, ist eine Sendung, die ich zum Beispiel nicht eine Minute lang angucken konnte.

Christian Ulmen: Also, ich finde, dass das Dschungelcamp eine brillante Sendung ist. Handwerklich perfekt gemacht. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Format aus England kommt. Ich finde es spannend, was mit den Leuten da passiert ist, wenn sie nicht essen und nicht trinken und nicht schlafen können, wenn sich Gruppen bilden, die anfangen, sich gegenseitig zu tyrannisieren.

Morgenpost Online: Wenn die Quote kein geeigneter Maßstab ist – was macht eine gute Late-Night-Show dann aus?

Benjamin von Stuckrad-Barre: Man sollte zunächst einmal diesen Genre-Begriff nicht so eng fassen. Late Night heißt ja erst mal nur, dass die Sendung nicht nachmittags läuft, sondern dass man die Leute etwas später antrifft, meistens nach 22 Uhr. Man kann dann gemeinsam auf den Tag und auf die Woche zurückblicken und besprechen, was aktuell so los ist. Oder auch nicht los ist.

Christian Ulmen: Bei "Stuckrad Late Night "werden dabei nicht beliebig alle Themen der Woche in einer großen Runde wiedergekäut, sondern es findet ganz klar ein individueller, spielerischer Dialog über politische Themen statt. Ein Politiker zeigt sich im Wohnzimmer des Zuschauers, wenn es draußen dunkel ist, einmal von seiner anderen Seite: Er darf seine Politik tanzen.

Morgenpost Online: Nach welchen Kriterien werden die Gäste ausgewählt?

Benjamin von Stuckrad-Barre: Grundsätzlich gilt einfach nur: Es müssen Politiker oder ehemalige Politiker sein. Nicht schlecht natürlich, wenn man sie auch kennt. Da machen wir auch keine Ausnahme mit Schauspielern oder Sängern, das interessiert mich überhaupt nicht, mit denen herum zu sitzen: "Na, wie geht's, du hast ja ganz schön abgenommen, gibt es neue Projekte?" Nein, echt nicht. Meine Gäste sind Politiker.

Christian Ulmen: Die Hauptdarsteller sind Politiker, die ausnahmsweise auch mal singen dürfen oder über ihre Diät erzählen. Wenn als "Überraschung" in der nächsten Staffel für eine Stippvisite jemand aus der Unterhaltungsbranche vorbeischaut, muss er gefälligst auch ein wenig Politik im Gepäck haben. So inszeniert Leander Haußmann zum Beispiel ein politisches Kabarett.

Morgenpost Online: Der Publizist Hajo Schumacher ("Der Linke") und der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Jörg Schönbohm ("Der Konservative") sind als bewährtes Kommentatoren-Team wieder mit dabei. Aber was gibt es Neues in der nächsten Staffel?

Benjamin von Stuckrad-Barre: Ich habe mir jetzt vertraglich zusichern lassen, dass ich in der Sendung rauchen darf. Der Sender hat mich auch regelrecht darum gebeten. Ständig hört man diese sentimentalen Vergangenheitsschwelgereien, "Ach, das war doch früher so toll, bei Werner Höfer zum Beispiel, als in der Sendung noch geraucht und gesoffen wurde!" Also habe ich gesagt, "Okay, saufen darf ich nicht, sonst lande ich in der Klinik. Aber rauchen geht! Da kommt das mit der Klinik erst später." Der Werbeslogan ist jetzt folgerichtig "Die Show, in der es qualmt!"

Morgenpost Online: Christian Ulmen produziert die Sendung, gleichzeitig sind sie auch privat sehr gut befreundet. Funktioniert das? Ist da auch Kritik erlaubt?

Benjamin von Stuckrad-Barre: Nein, um Himmels Willen (lacht)! Für Christian als Produzenten hätte das verheerende Folgen, und das weiß er nur zu gut. Da würde ich in Tränen ausbrechen, abhauen und ihn auf dem Handy wegdrücken. Nein, Christian macht das viel geschickter. Zum Beispiel, als wir die erste Probesendung aufgezeichnet haben und ich nach längerer Zeit zum ersten Mal wieder vor der Kamera stand. Nach dem ersten Durchlauf sagte Christian betont nebensächlich: "Benjamin, das war schon sehr schön, aber wie wäre es, wenn du beim nächsten Durchgang vielleicht ein einziges Mal, nur aus Spaß, nur für mich, mal IN die Kamera schauen würdest?"

Morgenpost Online: Herr Ulmen, Sie werden in diesem Jahr Vater, ihre Frau Collien Fernandes erwartet ihr erstes gemeinsames Kind. Wird Herr von Stuckrad-Barre als Babysitter gebucht?

Christian Ulmen: Benjamin geht bei uns zu Hause ohnehin ein und aus: Er schlendert dann immer als erstes zum Kühlschrank, nimmt sich einen Ingwersaft und setzt sich bei uns auf die Couch. Ein wenig wie in der TV-Serie "Friends". Er kann den pflegeleichten Gast genauso gut wie den perfekten Gastgeber: Allerbestes Babysitter-Material.

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