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07.02.12

Südafrika

Das Zauber-Comeback eines toten Zulu-Superstars

Chaos im Land der Zulus: Die Comeback-Ankündigung eines längst verstorbenen Musik-Stars hat in Südafrika Tumulte ausgelöst. Der Mann behauptete, Opfer eines Zauberers zu sein.

© Screenshot Welt Online
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Der Empfang war einem echten Musikstar angemessen. Über 30.000 Menschen waren in die südafrikanische Provinzstadt Nqutu gekommen, viele von ihnen waren hunderte Kilometer weit gereist. Ein junger Mann im roten Hemd stieg auf den Beifahrersitz eines Autos und präsentierte sich durch das geöffnete Schiebedach. Das Staatsfernsehen übertrug tumultartige Szenen: Ist er es, fragten sich Zehntausende. Oder ist er es nicht?

Vor gut zwei Jahren, im Januar 2010, hatten sie in Nqutu ihren bekanntesten Sohn begraben. Tausende Fans nahmen Abschied, Politiker und Prominente erwiesen Khulekani Kwakhe "Mgqumeni" Khumalo die Ehre. Er war der zweiterfolgreichste Maskandi-Sänger des Landes. Mit Volksmusik der Zulus, Südafrikas größer ethnischer Gruppe, verkaufte er Hunderttausende CDs – seine Songs wurden in unzähligen Kleinbussen, dem wichtigsten Verkehrsmittel in Südafrika, laut aufgedreht.

Mysteriöser Tod oder gar Mord?

Khumalo hatte auch ohne modernes Marketing Superstar-Status. Über seinen Tod im Alter von gerade einmal 29 Jahren gibt es unterschiedliche Angaben. Einige in Nqutu sagen, er sei bei einem Autounfall in Johannesburg ums Leben gekommen, anderen Medien zufolge ist er von einem traditionellen Heiler vergiftet worden.

Vor zehn Tagen aber meldete sich ein junger Mann bei Khumalos Familie. Er sei der Sänger, in dem Grab liege ein Fremder. Seine Ehefrau glaubte ihn zu erkennen, einige Verwandte ebenfalls, obwohl Khumalo anders als dieser Mann weder tiefe Narben im Gesicht noch Goldkronen auf den Zähnen hatte. "Er ist es wirklich", sagte seine Großmutter Zintombi Mseleku mit Tränen in den Augen, "er schaut ein bisschen mitgenommen aus, und seine Wangen sind etwas eingefallen, aber er ist es."

Auch eine Tochter sagte gegenüber Journalisten, ihr Vater habe sie sofort erkannt und beim Namen genannt.

Innerhalb weniger Tage verbreitete sich die Nachricht, immer mehr reisten nach Nqutu, darunter Dutzende Journalisten. "Ich bin nicht gestorben, ich bin in Johannesburg eingesperrt worden – man hat mir viel Muthi (traditionelle Medizin, d. Red.) verabreicht", behauptete der vermeintliche Sänger gegenüber der Zeitung "The Witness". Die Rasta-Locken, einst sein Markenzeichen, seien ihm abgeschnitten worden. Seine Peiniger hätten sie abgeschnitten und geplant, ihm einen Nagel in den rasierten Schädel zu rammen. Im letzten Moment sei ihm die Flucht gelungen.

Der Sarg wurde nie geöffnet

Eine abstruse Geschichte, doch ihre Wirkung war gewaltig. "Es war das absolute Chaos", sagte der Gemeindesprecher von Nqutu, Thohozani Nyandeni, "Morgenpost Online". "Wir mussten Polizeikräfte aus anderen Städten anfordern, einen solchen Ansturm hat es hier noch nie gegeben."

Eilig wurde eine Barrikade um das Haus der Khumalos errichtet, um die Fans zurückzuhalten.

Zusätzlich angeheizt wurden die Gerüchte, als sich herumsprach, dass sich bei der Beerdigung des Sängers einige Angehörige beschwert hatten: Der Sarg sei nicht mehr geöffnet worden. Viele Fans wiesen darauf hin, dass die Stimme des angeblichen Künstlers anders klinge, doch der gab munter Radiointerviews und kündigte sein Comeback an.

Angeblich ein vorbestrafter Taxi-Fahrer

Das allerdings war von kurzer Dauer: Die Behörden hatten seine Forderungen nach einer Exhumierung der Leiche ebenso wie einen DNA-Test nicht weiter verfolgt, dafür nahmen sie schließlich die Fingerabdrücke des vermeintlichen Musikers. Abdrücke von Khumalo gab es nicht, Erfolg hatte die Ermittlung trotzdem schnell. "Die Fingerabdrücke stimmen mit denen von Sphamandla Gcabshe überein, einem vorbestraften Taxifahrer", sagte Nyandeni. Gcabshe habe jahrelang Pendler von Johannesburg nach Durban gefahren.

Der Betrüger wurde bereits vor Gericht gestellt. "Er hat gestanden", sagte Nyandeni, der als Motiv Habgier vermutet. "Bei der ganzen Angelegenheit geht es um Geld. Unseren Ermittlungen zufolge ging es darum, von der Plattenfirma Zahlungen zu bekommen. Wir schließen nicht aus, dass auch Mitglieder der Familie involviert waren."

Die Wut in der südafrikanischen Provinz ist gewaltig. Zehlise Xulu, die Freundin des verstorbenen Sängers, sagte, sie hoffe auf eine lange Gefängnisstrafe. "Er hat alte Schmerzen zurückgebracht". Der gemeinsame Sohn sei extra aus Johannesburg angereist, "nur um festzustellen, dass der Mann ein Verbrecher ist". Man muss dem Schwindler wohl fast wünschen, die kommenden Jahre in Polizeigewahrsam zu verbringen.

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