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03.02.12

Tragischer Tod

Pflegeeltern der toten Chantal nahmen harte Drogen

Die Pflegeeltern der verstorbenen Chantal konsumierten neben der Ersatzdroge Methadon auch Heroin. Die Hamburger erinnern mit einem Trauermarsch an die Elfjährige.

© dpa/DPA
Gottesdienst für Chantal

Die Pflegeeltern der am 16. Januar 2012 an einer Methadonvergiftung gestorbenen elfjährigen Chantal haben offenbar bis in jüngste Zeit regelmäßig harte Drogen konsumiert. Nach Informationen von "Morgenpost Online" wurde in den von ihnen genommenen Proben nicht nur die Ersatzdroge Methadon nachgewiesen, sondern auch Heroin. Das heißt, dass Chantals Pflegeeltern keinesfalls auf dem Wege waren, ihre Sucht mit Hilfe einer Substitutionstherapie zu besiegen. Das Jugendamt Mitte will über all die Jahre keine Hinweise auf Drogenkonsum gehabt haben.

Trauermarsch in Wilhelmsburg für Chantal

Auch diese Neuigkeit verbreitete sich am Freitagabend auf dem Stübenplatz in Wilhelmsburg schnell. Hier hatten sich etwa 250 Menschen in gemeinsamer Trauer um Chantal zu einem Schweigemarsch versammelt – darunter viele Mütter und Kinder, die Kerzen in den Händen hielten. "Sie starben, weil die Kinder- und Jugendhilfe in Hamburg nicht funktioniert", hieß es auf einem Flugblatt. Und weiter: "Wir wollen Zeichen setzen für Kinder, die keine Stimme haben." Die Politik solle reagieren und die Hilfen umstrukturieren.

Ob der Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) diese Forderung noch umsetzen kann, ist am Freitag noch etwas fraglicher geworden. Nachdem inzwischen alle Oppositionsfraktionen in der Bürgerschaft seinen Rücktritt fordern, formiert sich auch im Bezirk ein immer härterer Widerstand. Die CDU-Bezirksfraktion hat jetzt formale Schritte eingeleitet. Sie will einen Misstrauensantrag in die Bezirksversammlung einbringen, mit dem sie die Ablösung Schreibers einläuten will.

Druck auf Bezirksamtsleiter steigt

"Nach dem zweiten Todesfall eines Kindes im Verantwortungsbereich des Jugendamts Hamburg-Mitte ist dies die einzige Form, wie hier auch wirklich Verantwortung übernommen werden kann", erklärte der Vorsitzende der CDU-Bezirksfraktion, Jörn Frommann. Selbstverständlich stehe auch das Beamtenrecht nicht einer Versetzung im Wege, erklärte Frommann. Zudem seien Beamte auch gegen ihren Willen versetzbar. "Ich bin mir sicher, dass der Antrag eine Mehrheit erhalten wird", glaubt Frommann. Die GAL-Bezirksfraktion hat er jedenfalls hinter sich. Michael Osterburg, der Fraktionsvorsitzende der Grünen erklärte: "Wir brauchen einen kompletten Neuanfang des Bezirksamtes Mitte. Dies geht nicht mit Markus Schreiber und deshalb fordern wir ihn auf, sein Amt zur Verfügung zu stellen." Auch die GAL will einen entsprechenden Antrag einbringen. Die Piratenpartei hatte sich bislang zurückhaltend geäußert, aber nicht ausgeschlossen, sich den Rücktrittsforderungen anzuschließen.

Die SPD-Bezirksfraktion hingegen stellte sich auch am Freitag hinter Bezirksamtsleiter Markus Schreiber – das System der Jugendhilfe im Dreieck zwischen Ämtern, freien Trägern und ambulanter Hilfe sei das Problem, das es zu lösen gelte. "All dies wollen wir mit unserem Bezirksamtsleiter gemeinsam klären", ließ Falko Droßmann verlauten. "Nicht Rücktritt, sondern harte Arbeit für das Kindeswohl ist jetzt gefordert", so Droßmann. Es müsse so unwahrscheinlich wie möglich werden, dass wieder ein Kind stirbt. Deshalb sei es wichtiger, eine gesamthamburgische Kommission zur Jugendhilfe einzusetzen, als über Schreiber zu diskutieren.

Die FDP wäre damit das Zünglein an der Waage im Bezirk Mitte. Mit zwei Sitzen ist sie im Parlament vertreten. Bisher sorgten die Abgeordneten mit ihren Stimmen in der Regel für die nötige Mehrheit für die SPD. Anfang der Woche hatte Heinrich-Otto Patzer Bezirkschef Schreiber noch sein Vertrauen ausgesprochen – entgegen der Meinung der Parteifreunde in der Bürgerschaft, die auch am Freitag erneut betonten, dass sie Schreiber lieber früher als später nicht mehr im Amt sähen.

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