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03.02.12

Urteil in Hamburg

Horror-Taxifahrt im Kofferraum - Haft für Kidnapper

Sechs Stunden Todesangst musste eine 33-Jährige im Kofferraum eines Taxis erleiden. Ihr Entführer muss nun für Jahre hinter Gitter.

dapd/DAPD

Wegen Freiheitsberaubung, Bedrohung und Körperverletzung wurde Ralph B. nun zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

4 Bilder

Es war eine unvorstellbare Qual. Fast sieben Stunden verbrachte die 32-jährige Erzieherin Julia H. im Kofferraum von Taxifahrer Ralph B. (57). Sie lebte dabei in ständiger Angst, vergewaltigt oder gar getötet zu werden. Jetzt ist ihr Peiniger, ein Hamburger Taxifahrer, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Drei Jahre und zehn Monate muss der Taxifahrer nach dem Willen des Hamburger Landgerichts hinter Gitter. Die Kammer sah die Tatvorwürfe der Freiheitsberaubung, Bedrohung und Körperverletzung als erwiesen an.

Geschlagen und in den Kofferraum gesperrt

Entführt worden war die junge Frau am 4. September 2011 gegen 5 Uhr morgens. Nichts ahnend hatte sie sich nach einer Feier mit ihren Freundinnen an der Großen Freiheit (St. Pauli) in ein Taxi gesetzt. Sie wollte nach Hause zu ihrer Familie nach Eimsbüttel. Doch das Taxi fuhr in entgegengesetzte Richtung.

"Sie fahren einen Umweg. Das zahle ich nicht", erklärte die Erzieherin, die hinten rechts im Auto saß, dem Fahrer. Der reagierte mit Hasstiraden. An einer stark befahrenen Ausfallstraße hielt er das Fahrzeug an, zerrte die Frau aus dem Auto und verpasste ihr einen Faustschlag ins Gesicht. Dann packte er die zierliche Frau an der Hüfte und warf sie mit Schwung in den Kofferraum. Nachdem er den Deckel geschlossen hatte, drohte er ihr: "Ich werde dich töten!" Dann fuhr er mit ihr vor die Haustür seiner Wohnung in Hasloh, einem kleinen Ort rund 20 Kilometer nördlich von Hamburg. Dort stellte er das Taxi ab.

Nach der Entführung trank der Täter Bier und Wodka

Die junge Frau im Kofferraum vermutete, dass das Taxi vor einem See parken und dass sie mit dem Auto versenkt würde. Der Taxifahrer bestätigte sie in ihrer Angst, sagte, dass sie gleich versinken würde. Dann ging er in seine Wohnung, trank Bier und Wodka. Erst gegen zwölf Uhr wurde Julia H. von der Polizei aus ihrem Gefängnis befreit, nachdem die Schwägerin des Taxifahrers ihre Hilfeschreie gehört hatte.

Der 57-Jährige hatte bereits zum Prozessauftakt gestanden, eine 32 Jahre alte Frau im vergangenen September nach einem Streit über die Fahrtroute in den Kofferraum seines Taxis gezerrt und dort gefangen gehalten zu haben. Die Frau litt unter Todesängsten und dachte, sie werde vergewaltigt oder in einem See ertränkt, wie sie als Zeugin vor Gericht schilderte. Erst nach sechs Stunden konnte sie aus dem Auto befreit werden, das der Angeklagte schließlich vor seinem Wohnhaus im schleswig-holsteinischen Hasloh abgestellt hatte.

Das Motiv für die Tat bleibt unklar

Ein wirkliches Motiv konnte das Gericht hinter der Tat nicht erkennen. "Wir sind uns nicht sicher, ob es überhaupt ein Motiv gab", sagte die Richterin. Nur Stunden vor der Tat hatte der Taxifahrer schon versucht, eine 24 Jahre alte Frau in seine Gewalt zu bringen, die jedoch fliehen konnte. In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte am vorangegangenen Verhandlungstat: "Ich bereue meine Tat zutiefst und ernst." Er könne sich selbst nicht erklären, warum er so verrückt gewesen sei.

Quelle: dpa/je/cal
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