Eklat bei Preisverleihung
Rosenstolz kritisiert Bambi für Bad Boy Bushido
Lady Gaga, Justin Bieber und vor allem Bushido: Die Bambi-Gala war wie immer ein Promi-Schaulaufen. So richtig sprang der Funke allerdings selten über. Spannend wurde es erst mit Rosenstolz und dem Bushido-Eklat.
Von Kati Degenhardt
Die Proteste gegen die Verleihung des Medienpreises Bambi an den Rüpel-Rapper Bushido ebbt nicht ab. "Wer Frauen- und Schwulenverachtung propagiert, hat keinen Preis für gelungene Integration verdient", sagte der Parlamentsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag). Ihm sei kein Dokument bekannt, in dem sich der Rapper von seinen "menschenverachtenden Texten" distanziert habe. Vor der Gala hatte sich schon die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kritisch zum Bushido-Bambi geäußert.
Der Rapper selbst wies die Kritik an ihm nach der Preisverleihung in Wiesbaden zurück. "Die negative Hysterie hat mich überrascht", sagte der Musiker. "Ich dachte, die Zeit ist vorbei." Er rief seine Kritiker dazu auf, sachlich mit ihm umzugehen. "Lasst uns nach vorne blicken." Er sei zum Dialog bereit. Bushido hatte bei der Verleihung des Medienpreises in Wiesbaden einen Bambi in der Kategorie "Integration" erhalten.
Das Publikum hatte zurückhaltend reagiert, als Bushido auf die Bühne kam. Zuvor hatte Peter Plate von der ebenfalls ausgezeichneten Band Rosenstolz den Preis für Bushido offen kritisiert. Es sei sicher richtig, dass Menschen "einander neue Chancen geben" und nach langer Auszeit auch wieder eine Rückkehr ermöglichten, sagte Plate auch mit Blick auf seine eigene Geschichte. Er finde es aber nicht in Ordnung, dass ein Musiker, der frauen- und schwulenfeindliche Texte schreibe, mit einem Bambi geehrt werde, sagte der homosexuelle Musiker Plate, der zusammen mit Rosenstolz-Sängerin AnNa R. den Bambi in der Kategorie Comeback erhielt.
Das Frauenhilfswerk Terre des Femmes (Berlin) nannte die Entscheidung für Bushido "fatal".
Bushido weist Kritik zurück
Mit Blick auf die teils scharfe Kritik und die Diskussion über den Preis sagte Bushido, ihn berühre das persönlich nicht. Zugleich sagte er, er sei jetzt 33 Jahre alt und werde heute ganz bestimmt nicht mehr das sagen, was er vielleicht vor zehn Jahren gesagt habe. Er habe gelernt, "dass das, was ich gemacht habe, falsch war". Die Menschen sollten lieber an diejenigen denken, die noch keine Integration erfahren hätten, sagte der Musiker. In der Begründung der Jury hatte es unter anderem geheißen, Bushido setze sich ein "gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft".
Der Preis wird vom Medienkonzern Burda verliehen. "Stille Helden" und Prominente wurden bei der Gala ausgezeichnet, darunter Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek und ihre US-Kollegin Gwyneth Paltrow, Moderator Thomas Gottschalk, Teenie-Idol Justin Bieber sowie US-Popstar Lady Gaga, die von Modemacher und Laudator Karl Lagerfeld gewürdigt wurde.
Schmidt fordert Geduld für Krise in Europa
Alt-Bundeskanzler Schmidt äußerte sich auch bei der Vergabe des Medienpreises politisch: Es gebe gegenwärtig eine Krise der Europäischen Union und ihrer Institutionen. "Die Krise kann nur mit viel Geduld gelöst werden, es gibt keine Patentrezepte", sagte Schmidt. Zugleich betonte er, eine "friedliche Nachbarschaft" bleibe für "uns Deutsche der entscheidend wichtige Teil aller unser Pflichten".
Kubitschek, die den Preis für ihr Lebenswerk erhielt und ebenfalls mit stehenden Ovationen bedacht wurde, betonte: "Man dreht sich einmal um auf der Erde und ist 80." Wenn man 80 sei, spiele man "ohne Konkurrenz, nur noch mit Freude", fügte sie hinzu.
Mehrere tausend vor allem weibliche Fans hatten am roten Teppich kreischend den 17-jährigen Mädchenschwarm Bieber begrüßt, der in der Kategorie Entertainment ausgezeichnet wurde. Der scheidende "Wetten, dass..?"-Moderator Gottschalk wurde für seine letzte Sommerausgabe aus Mallorca in der Kategorie "TV-Ereignis des Jahres" geehrt. In seiner Dankesrede bat der 61-Jährige darum, mit dem Preis für sein Lebenswerk noch ein paar Jahre verschont zu werden. Darsteller Matthias Brandt ("Polizeiruf 110") wurde als bester Schauspieler national ausgezeichnet. Zur besten Schauspielerin wurde Jeanette Hain ("Poll") gekürt.
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