04.10.11

"Engel mit Eisaugen"

Amanda Knox dankt nach Freispruch ihren Fans

"Ich habe Euch lieb", schreibt Amanda Knox nach ihrem Freispruch im Mordprozess ihren Unterstützern. "Der Engel mit Eisaugen" kehrt in die USA zurück.

Nach ihrem Freispruch hat die Amerikanerin Amanda Knox ihren Unterstützern gedankt. "Viele haben meinen Schmerz geteilt und haben mir geholfen, hoffnungsvoll zu überleben", heißt es in einem öffentlichen Brief der 24-Jährigen. "Ich werde immer dankbar sein: Allen, die mir geschrieben haben, allen, die mich verteidigt haben, allen, die für mich gebetet haben. Ich habe Euch lieb, Amanda".

Italienischen Medienberichten und Unterstützern zufolge hat Knox, die als "Engel mit den Eisaugen" bekannt wurde, Italien verlassen. Sie nahm mit ihrer Familie einen Flug nach London, um nach Seattle weiterzureisen, hieß es. Angehörige von Knox wurden am Morgen nach dem Urteil auf dem Flughafen in Rom gesichtet.

Die 24-Jährige wurde vermutlich durch einen Nebeneingang zum Abflug gebracht. Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete, wurde die 24-Jährige zusammen mit ihrer Familie in einer VIP-Lounge des Flughafens gesehen. Die erschöpft aussehende junge Frau trug den Berichten zufolge eine graue Strickjacke und hatte eine schwarze Schultertasche dabei.

Ein Geschworenengericht in Perugia hatte Knox am Montagabend freigesprochen . Sie war 2009 wegen Mordes an der britischen Studentin Meredith Kercher zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Auch ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito, der damals mitverurteilt wurde, kam frei. Der Verteidigung war es gelungen, Lücken und Widersprüche bei den Ermittlungen aufzudecken und die wichtigsten Indizienbeweise zu entkräften.

Die Staatsanwälte Giuliano Mignini und Manuela Comodi kündigten an, Berufung einlegen zu wollen. Es bleibt ihnen das Kassationsgericht in Rom als dritte und letzte Instanz.

Mignini konnte das Urteil kaum glauben und schwor, es in höchster Instanz anzufechten. "Lassen Sie uns abwarten und sehen, wer recht hat: das erste Gericht oder das Berufungsgericht", sagte er der AP. "Dieser Prozess fand unter unannehmbarem Druck der Medien statt. Die Entscheidung wurde fast sofort bekannt gegeben, das ist nicht normal."

Für Beihilfe am Mord an Meredith sitzt weiter der Ivorer Rudy Guede im Gefängnis. Er wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt. Wem er geholfen hat, ist nach dem Urteil wieder völlig offen.

Britischer Premier: An Angehörige des Opfers denken

Nach dem Freispruch haben sich in Großbritannien die öffentlichen Reaktionen auf die Angehörigen des Opfers konzentriert. "Ich habe nicht jedes Stück dieses Falles verfolgt, aber was ich sagen würde, ist, dass wir jetzt an die Familie von Meredith Kercher denken sollten", sagte Premierminister David Cameron im ITV-Fernsehen. "Die Eltern hatte eine Erklärung für das, was ihrer wunderbaren Tochter zugestoßen ist, und diese Erklärung gibt es jetzt nicht mehr."

Der britische PR-Experte Max Clifford geht davon aus, dass Amanda Knox mit dem Verkauf ihrer Geschichte – etwa über Interviews, Bücher und Filmrechte – nun zwischen fünf und 20 Millionen Pfund (rund 23 Mio. Euro) verdienen kann. "Eines der Dinge, die sie tun sollte ist, an die Familie Kercher zu spenden – das würde ihr zumindest ein wenig öffentliche Unterstützung sichern."

John Kercher, der Vater des 21 Jahre alten Opfers, sagte der Zeitung "Daily Mirror": "Wir sind alle geschockt." Er hätte es verstanden, wenn der Richter das ursprüngliche Urteil gelockert hätte. "Aber einen kompletten Freispruch? – Wow!", sagte er. Kercher sagte, es sei nicht zu verstehen: "Meredith' Körper wies 47 Wunden auf. Zwei Messer wurden benutzt. Eine einzige Person konnte das nicht anrichten. Wie konnten sie das ignorieren?

"Wenn die zwei gestern Freigelassenen nicht die Schuldigen waren, dann müssen wir uns natürlich weiter die Frage nach dem oder den anderen Schuldigen stellen. Wie stehen wieder ganz am Anfang", sagte der Bruder des Opfers, Lyle Kercher. "Das war schon ein Schock", sagte seine Schwester Stephanie. "Das regt uns sehr auf... Wir haben immer noch keine Antworten."

Quelle: dpa/dapd/AFP/mk
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