04.09.11

Prozessauftakt

Warum musste Michael Jackson sterben?

In dieser Woche beginnt der Prozess gegen den Arzt des Popstars. Conrad Murray soll seinem Patienten Michael Jackson eine tödliche Spritze gegeben haben.

Foto: dpa

... starb am 25. Juni 2009 im Alter von nur 50 Jahren.

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Es ist schwer zu sagen, wann Michael Jacksons Ende begann. Vielleicht schon in den 60er-Jahren, als sein Vater Joe, vom Ehrgeiz getrieben, ihn auf einer heißen Herdplatte tanzen ließ, damit er sich schneller bewegt. Vielleicht 1969, als die Jackson Five ihren ersten Nummer-eins-Hit hatten und Michael Jackson, der jüngste der Brüder durch unzählige Nachklubs tourte. Vielleicht war es später, als Michael Jacksons Gesicht nach unzähligen Schönheitsoperationen zu zerfallen begann. Oder aber es war 1993, als erstmals ein Vater behauptete, Jackson habe seinen minderjährigen Sohn missbraucht. Vielleicht war es aber auch unspektakulärer. Vielleicht war es, als Michael Jackson Conrad Murray 2006 in Las Vegas kennenlernte, als dieser eines von Jacksons Kindern wegen einer Erkrankung behandelte. Sie freundeten sich schnell an. Für eine geplante Konzerttour im Jahr 2009 engagierte Jackson Murray dann als seinen Leibarzt für ein Gehalt von 150000 US-Dollar pro Monat. Die Tour fand niemals statt.

Nun wird Murray vorgeworfen, Jackson eine Überdosis des Narkosemittels Propofol verabreicht zu haben. Der Sänger war im Juni 2009 im Alter von 50 Jahren gestorben, an einer Überdosis Propofol. Murray soll ihm das Narkosemittel regelmäßig verabreicht haben. Es macht schnell abhängig. Propofol wird oftmals als Droge missbraucht, weil es euphorisierend wirkt, schöne Träume auslösen kann und auch Übelkeit mildert. Eine Überdosierung kann zu Herzversagen und Atemstillstand führen.

Jackson nannte Droge seine "Milch"

Am 8. Februar 2010 klagte die Staatsanwaltschaft von Los Angeles Murray wegen fahrlässiger Tötung an. Murray plädierte vor Gericht auf "nicht schuldig" und wurde zunächst gegen eine Kaution freigelassen. Er durfte zunächst seinen Beruf als Arzt ausüben, bestimmte Medikamente jedoch nicht besitzen oder verschreiben. Im Januar 2011 wurde ein sofortiges Berufsverbot für Kalifornien ausgesprochen und die Anklage wegen fahrlässiger Tötung zugelassen. Ihm drohen nun bis zu vier Jahre Haft.

Aus den Gerichtsakten geht Folgendes hervor: Kardiologe Murray hatte dem unter Schlaflosigkeit leidenden Sänger über viele Wochen hinweg täglich Propofol in einer Dosierung von 50 Milligramm gegeben. Das starke Betäubungsmittel wird normalerweise nur in Krankenhäusern gespritzt. Aus Angst vor einer wachsenden Abhängigkeit habe Murray die Dosis kurz vor Jacksons Tod reduziert und ihm andere Schlaf- und Beruhigungsmittel verabreicht, teilte der Arzt laut den Dokumenten mit. In der Nacht vor Jacksons Tod habe er zunächst auf Propofol verzichtet und ihm zunächst Valium und andere Medikamente gegeben. Jackson habe aber mehrfach um das Narkosemittel gebeten und am Ende 25 Milligramm Propofol erhalten.

Murray war nach eigenen Angaben nur für wenige Minuten aus dem Zimmer gegangen. Bei seiner Rückkehr habe der Patient nicht mehr geatmet. Sowohl Murrays als auch spätere Wiederbelebungsversuche im Krankenhaus scheiterten.

Die Gerichtsunterlagen zeichnen ein deutliches Bild von Jacksons starkem Medikamentenkonsum. Murray zufolge sprach der Sänger im Zusammenhang mit Propofol, einer weißlichen Flüssigkeit, von seiner "Milch". Er habe zahlreiche Einstiche in Jacksons Händen und Füßen entdeckt, doch Jackson wollte ihm darüber keine konkrete Auskunft geben, gab der Arzt zu Protokoll. Seiner Aussage zufolge war er nicht der erste Mediziner, von dem Jackson Propofol erhielt. Zwei Ärzte in Deutschland, die nicht namentlich genannt wurden, hätten ihm ebenfalls das Narkosemittel gespritzt.

Streit über Geschworene

Doch nun, knapp eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen den Leibarzt von Jackson gibt es zunächst erst einmal Streit wegen der Geschworenen. Die Anwälte Murrays forderten, die Mitglieder der Jury während des Verfahrens in einem Hotel zu isolieren. Sie reichten Widerspruch gegen eine Entscheidung von Richter Michael Pastor ein, der diesen Schritt nicht für notwendig hielt. Pastor hatte sich zuversichtlich gezeigt, dass die Geschworenen die Berichterstattung über den Prozess ignorieren könnten. Murrays Anwälte erklärten dagegen, die Unterbringung in einem Hotel sei nötig, weil die Geschworenen sonst beeinflusst werden könnten. Jackson sei einer der berühmtesten Menschen der Welt gewesen, was sich auch in der Berichterstattung niederschlagen werde. Die Mitglieder der Jury würden überall auf Berichte zum Fall stoßen: in Supermärkten, Bars, Sportstudios, Cafés und im Internet.

"Es besteht die Gefahr, dass ein wohlmeinender Geschworener mehr von einem ,Experten' im Fernsehen beeindruckt sein wird als von einem, der im Prozess vorgestellt wird", erklärten die Anwälte. Sie beantragten, den Beginn der Auswahl der Geschworenen auszusetzen. Mit der Auswahl soll am Donnerstag begonnen werden.

Quelle: dapd/dpa/mim
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