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28.07.11

Amy Winehouse

Die tödliche Berufskrankheit des "Club 27"

Amy Winehouse, Jimi Hendrix, Jim Morrison - warum sterben so viele Künstler im Alter von nur 27 Jahren? Zufall? Ein Psychiatrie-Professor vermutet bei ihnen das Boderline-Syndrom.

Getty Images/Getty

Darunter Musikproduzent Mark Ronson (r.).

15 Bilder

Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin und Brian Jones - sie alle erlagen im Alter von 27 Jahren ihren Berufskrankheiten. Nun hat sich auch die britische Sängerin Amy Winehouse mit ihrem tragischen Tod in den Mythos des "Club 27" eingereiht. Alles nur Zufall? Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie an der Universität Göttingen und Autor des Buchs, "Celebrities. Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein", hat eine Erklärung. Mit ihm sprach Eva Lindner.

Morgenpost Online: Herr Bandelow, warum sterben so viele Künstler mit 27?

Borwin Bandelow: Die Künstler vom "Club 27" litten wahrscheinlich alle unter einer Borderline-Störung. Ich habe wissenschaftliche Patientenstudien ausgewertet, die ergaben, dass die Störung ab einem Alter von 13 Jahren ansteigt und mit 26,9 Jahren am schlimmsten ist. Danach sinkt die Kurve wieder ab.

Morgenpost Online: Was ist Borderline?

Borwin Bandelow: Meist trifft die Krankheit Frauen. Anfangs leiden sie unter Unwohlsein, innerer Leere und Impulskontrollstörungen. Das bedeutet, sie sind sprunghaft, streitlustig und oft egoistisch. Bei Amy Winehouse äußerte sich das in Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Magersucht und Selbstverletzung. Keine andere Krankheit vereint alle drei Symptome. Auf ihrer Homepage bezeichnet sich Amy Winehouse selbst als Borderliner.

Morgenpost Online: Warum ziehen die Eskapaden und Ausfälle der Stars die Aufmerksamkeit so vieler Menschen auf sich?

Borwin Bandelow: Jeder von uns hat Borderline-Anteile in sich. Aber unser soziales Angstsystem warnt uns: "Das ist ungesund, gefährlich oder peinlich, mach's nicht." Die Stars leben sie stellvertretend für uns aus. Sie nehmen Drogen, benehmen sich daneben, lügen und brechen alle soziale Gesetze. Die Fans finden das cool und verzeihen ihnen alles.

Morgenpost Online: Warum nehmen Stars so häufig Drogen und trinken Alkohol?

Borwin Bandelow: Ich habe eine biochemische Theorie dazu: Borderliner leiden an einem Endorphin-Mangel im Gehirns. Drogen und Alkohol gleichen das aus, weil sie Endorphine ausschütten, Euphorie auslösen und das Angstsystem bremsen.

Morgenpost Online: Das heißt, Amy Winehouse ist an ihrer Krankheit gestorben, und nicht, weil sie dem Erfolgsdruck nicht gewachsen war?

Borwin Bandelow: Genau. Wichtig ist zu verstehen, dass sie genau wie Robbie Williams die Probleme schon hatte, bevor sie berühmt wurde und wohl gerade wegen dieser Erkrankung eine begnadete Sängerin wurde. Umgekehrt nehmen ja auch nicht alle Menschen, die unter öffentlichem Druck stehen, Drogen.

Morgenpost Online: Hätte man Amy Winehouse helfen können?

Borwin Bandelow: Borderline ist sehr schwierig zu behandeln. Das geht nur mit einer Psychotherapie und Medikamenten. Die Entmündigung von Britney Spears durch ihren Vater und der Klinikaufenthalt haben sie gerettet. Amys Vater hat es auch versucht, aber ohne dauerhaften Erfolg.

Morgenpost Online: Toxikologische Tests an der Leiche waren ohne Resultat. Woran ist Amy Winehouse ihrer Meinung nach gestorben?

Borwin Bandelow: Ich glaube, da wird was zurückgehalten. Bis die Obduktion vollständig abgeschlossen ist, sollen keine weiteren Spekulationen befeuert werden. Alle aus dem "Club 27" sind an einer Überdosis gestorben, außer Kurt Cobain, der hat sich erschossen. Auch bei Anne Nicole Smith wurde erst gesagt, es hatte nichts mit einer Überdosis zu tun, und am Ende war doch genau das die Ursache.

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