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30.01.11

Unfall in Sachsen-Anhalt

Gaffer behindern Rettungsarbeiten nach Zugunglück

Sie hatten keine Chance: Als ein Güterzug in den Harz-Elbe-Express kracht, sterben zehn Menschen. Ministerpräsident Böhmer hat eine Theorie zum Hergang.

dapd/DAPD

Der Triebwagen des Harz-Elbe-Express-Zuges (HEX) liegt völlig zertrümmert neben den Schienen.

9 Bilder

Die Wucht des Aufpralls ist unbeschreiblich: Noch in kilometerweiter Entfernung hören die Menschen in der Nacht zum Sonntag einen unheimlichen Knall, als gegen 22.30 Uhr ein Güterzug und eine Regionalbahn in Hordorf bei Oschersleben auf eingleisiger Strecke ungebremst zusammenstoßen. Mit katastrophalen Folgen: Zehn Menschen sterben, 23 weitere werden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich.

Den Helfern bietet sich ein Bild des Grauens: Der Güterzug hat den Harz-Elbe-Express komplett von der Schiene gefegt. Der zertrümmerte Regionalzug liegt auf schneebedecktem Feld, der Güterzug steht dagegen wie unbeschadet auf dem Gleis.

Es ist bitterkalt und neblig, als die ersten Retter am Unglücksort eintreffen. Aus der gesamten Region Magdeburg kommen alle verfügbaren Rettungskräfte zum Einsatz. Fieberhaft kämpfen sie sich in dem zerstörten Zugwrack voran, um Verletzte zu retten und die Toten zu bergen. Das Feld neben dem Gleis ist mit grellem Scheinwerferlicht ausgeleuchtet. Doch der Nebel ist so dicht, dass keine Rettungshubschrauber fliegen können. So müssen die Verletzten mit Krankenwagen in die umliegenden Kliniken gebracht werden.

Bis zwei Uhr haben die Einsatzkräfte acht Leichen geborgen, sie liegen mit Folien bedeckt neben dem Zugwrack. Um den Überblick nicht zu verlieren, haben die Sanitäter Nummern aus Pappe auf die leblosen Körper gestellt. Zwei weitere Leichen müssen noch geborgen werden. Doch nicht nur wegen der psychischen Belastung müssen die Bergungskräfte an die Grenzen des Menschenmöglichen gehen: Die Leichen liegen inmitten der Wrackteile.

Ob es noch weitere Opfer gibt, soll mit Hilfe von Spürhunden geklärt werden, die auf dem Unglücksgelände im Einsatz sind. Es ist ein schwacher Trost, doch der Einsatz von Polizei und Rettungskräften ist laut Einsatzstab gut gelaufen. "Das hat aus meiner Sicht hervorragend geklappt", sagt der sichtlich bewegte Innen-Staatssekretär Rüdiger Erben, als er den Ort der Katastrophe inmitten der Nacht verlässt. Viele Helfer des Roten Kreuzes und des Technischen Hilfswerk stehen noch erschüttert an dem Gleis, können aber nichts mehr tun.

Sie blicken ratlos auf die Leichen, den zerstörten Harz-Elbe-Express und den Güterzug, der mit unfassbarer Wucht seinen Platz auf dem Bahngleis behauptet hat. Am Morgen hat sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) ein Bild vom Ort des Zugunglücks in Hordorf bei Oschersleben gemacht. "Das geht mir unter die Haut", sagte Böhmer, der von Innenminister Holger Hövelmann (SPD) begleitet wurde. Er lobte die Rettungskräfte und kündigte an, nun in umliegenden Krankenhäusern einige Verletzte besuchen zu wollen.

Auch Bahnchef Rüdiger Grube zeigte sich tief betroffen. "Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Verletzten", sagte Grube in Berlin. Grube sagte, ein solches Unglück erschüttere alle Eisenbahner. "Selbstverständlich werden wir alles uns Mögliche tun, um die am Unfall Beteiligten zu unterstützen." Er habe Kontakt mit dem Schienenunternehmen "Veolia" aufgenommen und seine Hilfe angeboten, betonte der Bahnchef.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte ebenfalls Mitgefühl. "Meine Gedanken sind bei den trauernden Familien der Opfer. Ihnen gilt mein aufrichtiges Mitgefühl. Den Verletzten wünsche ich eine schnelle und vollständige Genesung", sagte sie und dankte sie den Helfern für ihren "prompten und unermüdlichen Einsatz".

Die Kanzlerin fügte hinzu: "Ich vertraue darauf, dass alles getan wird, die Ursache für dieses schreckliche Unglück aufzuklären." Bei dem schweren Zusammenstoß eines Personenzuges mit einem Güterzug kamen am späten Samstagabend mindestens zehn Menschen ums Leben, 23 wurden verletzt.

Der Personenzug soll noch am Sonntag aufgerichtet werden. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera vermesse den Unglücksort, sagte der Einsatzleiter der Bundespolizei, Ralph Krüger. Wann die Unfallstelle geräumt werden kann, ist nicht abzusehen. Die Bahnstrecke zwischen Halberstadt und Magdeburg wird voraussichtlich noch mehrere Tage gesperrt bleiben.

Ein defektes Haltesignal könnte Ministerpräsident Böhmer zufolge die Ursache für das schwere Zugunglück sein. "Es muss wahrscheinlich ein Haltesignal überfahren worden sein", sagte er. Die Ermittlungen zur Unglücksursache dauerten noch an. Der CDU-Politiker kritisierte aber, dass eine große Ansammlung von Neugierigen und Journalisten die Rettungsarbeiten teilweise zu behindern drohten. Erst zwei Leichen konnten bislang identifiziert werden.

Die Polizei hat für Angehörige der Reisenden eine Hotline unter der Rufnummer 0391/5461412 eingerichtet.

Quelle: AFP/sv
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