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12.12.10

Brühl bei Köln

Explosion zerstört Leben einer ganzen Familie

Im eingestürzten Haus in Brühl haben die Rettungskräfte drei Leichen geborgen. Die Explosion hat eine ganze Familie zerstört.

dapd/DAPD

Dabei stürzte eine Doppelhaushälfte ein.

3 Bilder

Es ist eine gespenstische Szenerie, die sich Passanten und Nachbarn am Sonntagnachmittag in der Pingsdorfer Straße in Brühl bietet: Die Wände eines Hauses sind verschwunden und geben von der Straße aus den Blick in die Zimmer frei.

Noch sieht man im Dachgeschoss ein weißes Bücherregal, in der Etage darunter ein Schlafzimmer mit Bett und Schrank. Es sind die letzten Hinweise auf den Alltag der fünfköpfigen Familie, die am Samstagabend zerstört wurde. Am späten Nachmittag sind auch diese Reste verschwunden: Die Feuerwehr hat die Mauern abgerissen, weil sie einsturzgefährdet waren.

Es ist der Tag nach der verheerenden, möglicherweise durch Gas ausgelösten Explosion, die die Innenstadt von Brühl bei Köln am Samstagabend erschütterte. Die ganze Nacht und den ganzen Sonntag haben sich die Einsatzkräfte durch die Trümmer gearbeitet, in der Hoffnung, doch noch Überlebende zu finden.

So wie am Samstagabend, als sie einen 12-jährigen Jungen nur leicht verletzt retten konnten. Doch ihre Hoffnungen werden enttäuscht: Am Morgen ziehen sie erst einen leblosen Frauenkörper aus den Trümmern, am Nachmittag bergen sie eine Männer- und eine Kinderleiche.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handele es sich um den 45-jährigen Vater des Jungen, seine 47 Jahre alte Lebensgefährtin und die zehnjährige Tochter des Mannes, sagen die Rettungskräfte. Ein 15-jähriger Bruder war zum Zeitpunkt der Explosion nicht zu Hause.

Für die Rettungskräfte sind die Leichenfunde wie eine Niederlage. Dabei hatten sie in den vorangegangenen Stunden alles gegeben, waren bis an die Grenzen der psychischen Belastbarkeit gegangen.

"Das nimmt jeden hier mit, aber das müssen wir verkraften", sagt Feuerwehrsprecher Stefan Spinnen. Bis zuletzt hatten die Helfer die Hoffnung nicht aufgegeben, doch noch für ihren Einsatz belohnt zu werden, wenigstens das kleine Mädchen lebendig zu finden.

Hohlräume schürten Hoffnung

Geschürt hatten die Hoffnungen unter anderem Hohlräume im Keller des zusammengestürzten Hauses, die bei einer Bohrung gefunden worden waren. "Wenn das noch vermisste Kind in einem dieser Hohlräume sitzt, gibt es eine Überlebenschance", hatte sich der leitende Notarzt Hubert Titz noch kurz vor dem Fund der Kinderleiche optimistisch gezeigt.

Dabei war bereits zu diesem Zeitpunkt kaum vorstellbar, dass unter den Trümmern jemand überlebt haben könnte. "Es sieht hier aus wie nach einem Bombenangriff", beschrieb ein Nachbar den Anblick des zerstörten Hauses.

Und in der Tat: Schon am Samstag war von der eingestürzten Doppelhaushälfte nicht mehr viel übrig. Kaum zu glauben, dass das angrenzende, gelb gestrichene Haus unversehrt zu sein scheint. Trotzdem mussten auch seine Bewohner das Gebäude zur Sicherheit verlassen. Denn noch ist nicht klar, welche Schäden auch dieser Teil des Gebäudes vielleicht doch genommen hat.

Schwere Kopfverletzungen und Knochenbrüche

Fest steht nach Einschätzung des Notarztes hingegen, dass der geborgene Mann und die Frau nach der Explosion sofort tot gewesen sein müssen. Die Frau sei wohl im Erdgeschoss von der Explosion überrascht worden, während der Mann sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Keller aufgehalten habe. "Sie haben durch die Trümmer multiple Knochenbrüche und schwere Kopfverletzungen davongetragen", berichtet Titz.

An den Häusern der Umgebung hat die Explosion unterdessen keine Schäden verursacht. Dabei waren ganze Gebäudeteile über die Straße in gegenüberliegende Vorgärten geschleudert worden. Ein gelber Kleinwagen vor dem zerstörten Haus sackte unter dem Gewicht der Trümmer in sich zusammen. Ein Nachbar, der nur Minuten vor der Explosion an der Stelle stand, an der sich kurze Zeit später ein meterhoher Berg aus Schutt und Geröll gebildet hat, ist nach dem Einsturz des Hauses fassungslos. "Ich hätte tot sein können", sagt er immer wieder.

Viele Bewohner stehen auch am Tag nach dem Unglück an den Fenstern ihrer Wohnungen und beobachten die Bergungsarbeiten. In der Nacht waren mehr als 200 Einsatzkräfte am Einsturzort, am Sonntag waren noch etwa 100 Helfer im Einsatz – Feuerwehrleute aus Brühl, Frechen und Kerpen. Was zum Unglück führte, können aber auch sie nicht erklären.

Quelle: dapd/fp
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