07.10.10

Streit mit Tochter

Wolfgang Joop und das Kachelmann-Syndrom

Im Erbstreit um das Anwesen der Familie Joop in Potsdam-Bornstedt verhärten sich die Fronten. Modemacher Wolfgang Jopp erkennt nach eigenen Worten bei seiner Tochter das "Kachelmann-Syndrom".

Foto: picture-alliance
10 Jahre Juwelier Christ in der Friedrichstrasse/Berlin Wolfgang Joop mit...
Noch lächelnd vereint: Wolfgang und Jette Joop in Berlin

Sätze wie diese, über die eigene Tochter und den Schwiegersohn, kommen einem Vater nicht leicht über die Lippen: "Mit diesen Menschen ist es vorbei. Ich will auch keine Versöhnung mehr." Wolfgang Joop (65) wird sich deshalb genau überlegt haben, welche Konsequenzen diese Aussage, wie sie von diesem Donnerstag an in der Zeitschrift "Bunte" zu lesen ist, haben wird. Seine Bereitschaft, die "Habgier" seiner Tochter Jette und ihres Ehemanns Christian Elsen weiter hinzunehmen, scheint jedenfalls endgültig beendet. Öffentlich und verblüffend verbittert tobt seit einer Woche ein hässlicher Streit zwischen dem Designer (Wunderkind) und seiner Tochter Florentine (37) auf der einen und Jette Joop (42) auf der anderen Seite.

Streitobjekt ist das Potsdamer Familienanwesen in Bornstedt. Eigentümer ist eine GbR, an der Wolfgang Joop zu zehn und die Töchter Florentine und Jette zu je 45 Prozent beteiligt sind. Nach dem Tod von Matriarchin Charlotte Joop, die im Mai im Alter von 94 Jahren gestorben ist, beansprucht Jette Joop die Immobile offenbar für sich und ihre Familie. Wolfgang Joops Enttäuschung scheint grenzenlos: "Jette hatte von Anfang an geplant, ihre Schwester Florentine samt Familie und mich aus dem Haus rauszuschmeißen. Sie hat sich in unserer Trauer um meine Mutter bei uns eingeschlichen, uns das Anwesen abgemietet und verwehrt uns jetzt den Zutritt. Wir empfinden das als emotionales Begräbnis. Gut, dass meine Mutter das alles nicht mehr erleben muss."

Die Worte des enttäuschten Vaters klingen bitter. "Die Behauptungen sind unwahr", sagt dagegen Jette Joop in der "Bild am Sonntag" zu den Anschuldigungen, sie wolle sich nach dem Tod der Großmutter habgierig bereichern. Die Details der juristischen Auseinandersetzung bleiben abzuwarten. Es geht um ausgetauschte Schlösser, den Abtransport von Möbeln und das angebliche Verschwinden von Schmuck. Jette Joop gibt auch dazu Auskunft: "Aus Sicherheitsgründen habe ich die Schlösser austauschen lassen." Einen für sich beanspruchten Ring der Großmutter habe sie zurückgegeben und die Möbel habe sie schätzen lassen, um sie ihrem Vater abkaufen zu können, so Jette Joop.

Die Erklärungen der Tochter, sie scheinen den Vater nicht zu besänftigen: Auf die Frage "Herr Joop, man könnte meinen, Sie verstoßen Ihre Tochter?" antwortet der 65-Jährige, der am Mittwoch bei den Prêt-à-Porter-Schauen in Paris die neue Wunderkind-Kollektion vorstellte: "Ja, das werde ich jetzt auch tun. Es ist eine Einstellung, die sich lange manifestiert hat." Er sucht nach Erklärungen und will verstehen, warum sich seine Tochter so unversöhnlich zeigt: "Ich war sehr großzügig. Das ist, glaube ich, der Fehler gewesen. Vielleicht brauchen Kinder, gerade begabte Kinder, sehr viel mehr Strenge. Aber meine Generation wollte ja nur Freund sein."

Jetzt erkenne er in seiner Tochter das "Kachelmann-Syndrom". Er erklärt diese Formulierung so: "Jette hat auch dieses narzisstische Syndrom. Die Leute haben kein Schuldgefühl. Die glaubt nicht, dass sie etwas verkehrt gemacht hat. Mist bauen tun immer nur die anderen. Bei ihr kam meines Erachtens auch der Neid auf den Vater dazu. Sie meinte wohl, ich hätte ihr längst Platz machen müssen." Auch Florentine Joop meldet sich in dem Interview zu Wort: "Vater hat hundertprozentig recht. Anscheinend habe ich meine Schwester nie gekannt." Die Miteigentümerin der Immobilie ist hilflos. "Wenn sich meine Schwester etwas in den Kopf gesetzt hat, ist sie nicht zu bremsen. Die Auseinandersetzung ist höchst eklig. Da kann auch unsere Mutter Karin nichts machen." Jette Joop lässt sich so zitieren: "Natürlich würde ich mir eine Deeskalation der Sache durchaus wünschen." Entschuldigen aber will sie sich nicht: "Denn ich habe mit dieser Angelegenheit nicht begonnen." Gestern Abend bei der Verleihung des Prix Montblanc direkt auf den Streit angesprochen sagte sie: "Kein Kommentar. Die wahre Wahrheit liegt im Schweigen."

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