Restaurant in Bayern
Kinder unter 12 werden ausgesperrt
Vollgepinselte Tischdecken, dreckige Schuhe und Chaos am Buffet – ein bayrischer Wirt hat genug von den Belagerungszuständen durch unerzogene Kleinkinder in seinem Restaurant. Er zog Konsequenzen. Kinder unter zwölf Jahren dürfen bei ihm nicht mehr essen.
Von Jörg Völkerling
Elternverbände empören sich, die Sozialministerin rügt die "Familienfeindlichkeit", doch viele Gäste bewundern Dieter Hein für seinen Mut: Als erster bayerischer Gastwirt hat der 52-Jährige sein Restaurant "Hacienda" in Kraiburg zur kinderfreien Zone erklärt. "Ich bin nicht dafür da, andere Kinder zu erziehen", sagt der vierfache Vater. Und mit dieser Meinung steht er durchaus nicht alleine da.
Chaos am Buffet, Dreckschuhe auf der Couch oder Filzstift auf der Tischdecke: Zeitweilig muss Heins "Heimstätte" mehr einem Abenteuerspielplatz geglichen haben. Nun hat er die Kinderstühle und damit auch das Kindergeschrei aus seinem Lokal verbannt Unter zwölf Jahren braucht in der Bahnhofstraße 7 niemand mehr Rinderfiletfetzen "Tornado" und Almdudler zu ordern.
Er sei kein Kinderhasser, versichert der Wirt: "Aber ich habe in den vergangenen Jahren viele schlechte Erfahrungen gemacht." Wenn er Eltern auf das miese Benehmen ihrer Sprösslinge aufmerksam gemacht habe, sei er oft blöd angeredet worden. "Da fehlt es an Manieren", meint Hein. Auch Windelnwechseln oder Stillen von Säuglingen in aller Öffentlichkeit sieht er skeptisch.
Trotz Verbots Umsatzsteigerung
Einbußen hat die "Hacienda" bisher kaum zu verzeichnen: Heins in warme Farben getauchtes Restaurant sei besser besucht als zuvor. Hein: "Es kommen mehr Gäste, sie bleiben länger und konsumieren mehr." Diese Haltung empört wiederum einen Kraiburger Lehrer. Er mobilisierte eine Hauptschulklasse und begehrte abends um 19 Uhr Einlass. Hein: "Dabei war ich schon brechend voll." Nun wirft der Lehrer dem Wirt einen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot vor.
Siegfried Gallus, Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, sieht’s entspannter: "Bei der Vielzahl kinderfreundlicher Angebote in Bayern kann eine solche Regelung gerade bei kleineren Betrieben Sinn machen."
Ein Wochenende ohne Kinder
Roland Ballner vom österreichischen Hotel "Cortisen" am Wolfgangsee praktiziert dieses Konzept schon seit Mai 2006: "Seitdem habe ich 30 Prozent mehr Gäste." Auch er sieht sich nicht als Kinderhasser, verweist aber lieber an eines der 75 Kinder- und Baby-Hotels in Österreich, die kindgerechter als er ausgestattet seien. Übrigens beherberge er keineswegs nur ältere Herrschaften: "Viele 30- bis 40-Jährige kommen zu mir zum Entspannen – und lassen ihre Kinder ein Wochenende mal bei der Oma."
In München dagegen, der so genannten "Weltstadt mit Herz", wird der Kampf gegen Kinder derzeit sogar vor Gericht ausgetragen: Im vornehmen Stadtteil Grünwald versucht ein Anwohner, eine Kinderkrippe zu verhindern. Und im Vorort Haar sorgt ein geplanter Kindergarten für Unmut – wegen des "fehlenden Respekts vor der Lebensleistung" der Nachbarn.
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