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Aus U-Haft entlassen

Moderator Jörg Kachelmann ist wieder frei

Der TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Oberlandesgericht in Karlsruhe hob den Haftbefehl auf.

Warten auf Kachelmann: Durch dieses Tor wird der Wettermoderator das Gefängnis in Mannheim verlassen
Foto: ntv
Warten auf Kachelmann: Durch dieses Tor wird der Wettermoderator das Gefängnis in Mannheim verlassen

Der TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann ist nach mehr als vier Monaten Untersuchungshaft frei gekommen. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat den Haftbefehl gegen den 52-jährigen Schweizer aufgehoben und seine „umgehende Freilassung“ angeordnet. Der 3. Strafsenat des OLG entschied, dass „im derzeitigen Stadium des Verfahrens kein dringender Tatverdacht mehr bestehe“. Kachelmann saß seit dem 20. März in Untersuchungshaft, weil er seine frühere Freundin vergewaltigt haben soll. Er hat die Vorwürfe stets bestritten.

Für das Gericht liegt angesichts eines „bestreitenden Angeklagten“ und der Nebenklägerin als einziger Belastungszeugin die Fallkonstellation der „Aussage gegen Aussage“ vor. Bei dem mutmaßlichen Opfer könnten „Bestrafungs- und Falschbelastungsmotive“ nicht ausgeschlossen werden, hieß es vom Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte Mitte Mai Anklage gegen Kachelmann wegen des Verdachts der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Die Hauptverhandlung soll vom 6. September an vor dem Mannheimer Landgericht stattfinden. Bei einer Verurteilung drohen Kachelmann bis zu 15 Jahre Haft.

Anwalt Reinhard Birkenstock hat die Freilassung von Jörg Kachelmann begrüßt. „Wir freuen uns alle jetzt“, sagte der Jurist verschiedenen Nachrichtensendern. „Ich bin nicht dazu da, Vorwürfe zu machen. Ich bin Strafverteidiger, mein Beruf ist es, ungerecht einsitzende Gefangene aus der Untersuchungshaft zu holen und das ist uns heute Gott sei Dank gelungen“, sagte Birkenstock. Man bereite sich jetzt konzentriert weiter auf die Hauptverhandlung vor. „Und was wir da vorhaben und tun, das werden wir dann, wenn die Hauptverhandlung beginnt, umsetzen.“

Nach Informationen von Morgenpost Online hatte Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock für die Haftbeschwerde die Unterstützung des Karlsruher Juristen Klaus Schroth eingeholt. Der renommierte Rechtsanwalt hat Erfahrung mit Vergewaltigungsprozessen: Vor über zehn Jahren verteidigte er einen Heilpraktiker aus Bruchsal, der von einer Angestellten bezichtigt wurde, sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.

Schroth ließ damals ein Gutachten erstellen, in dem nachgewiesen wurde, dass der Mann anatomisch zu den ihm vorgeworfenen Sexualpraktiken gar nicht in der Lage war. Der Beschuldigte wurde freigesprochen und konnte nach neun Monaten die Untersuchungshaft verlassen. Der Fall wurde unter dem Stichwort „Stellungs-Gutachten“ bekannt.

Die ARD lässt ihren Wetterexperten Jörg Kachelmann nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis noch nicht vor die Kamera. „Wir warten das schwebende Verfahren ab“, sagte ein Sprecher der ARD- Programmdirektion in München. „Durch die Aufhebung des Haftbefehls ist für uns keine neue Ausgangslage entstanden.“

Der 52- Jährige hatte in der ARD bis vor den Olympischen Winterspielen in Vancouver (12. bis 28. Februar) regelmäßig das Wetter um 19.50 Uhr sowie in den „Tagesthemen“ präsentiert.

Die Ermittler werfen Kachelmann vor, Anfang Februar seine langjährige Geliebte, die sich von ihm trennen wollte, in deren Wohnung in Schwetzingen vergewaltigt und mit einem Küchenmesser am Hals verletzt zu haben. Kachelmann war im März auf dem Rückweg von den Olympischen Spielen in Vancouver auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden.

dpa/kami/hol



Erschienen am 29.07.2010

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