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12.07.10

Sturmtief

Unwetter behindert Bahn – Tornado im Norden

Eine Gewitterfront mit orkanartigen Sturmböen hat über Nordrhein-Westfalen gewütet. Über Helgoland wütete ein Tornado.

hao/Albert Schramm

Gewaltige Wolkenmassen türmen sich auf. Zum Glück blieb die Hauptinsel verschont.

6 Bilder

Schwere Gewitter mit Sturmböen haben den Bahnverkehr in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens fast vollständig zum Erliegen gebracht. Blitzeinschläge und umgestürzte Bäume stoppten nach Bahnangaben die Züge auf zahlreichen Strecken, darunter die vielbefahrenen Verbindungen zwischen Köln und Aachen sowie Düsseldorf und Köln. Bis auf weiteres sei mit erheblichen Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen, teilte die Bahn mit.

Ein Tornado richtete erhebliche Schäden auf der Helgoländer Düne an. Elf Menschen wurden leicht verletzt, zwei schwer. Das teilte Tourismusdirektor Klaus Furtmeier mit. Feuerwehr und Rettungskräfte der einzigen deutschen Hochseeinsel sind im Einsatz.

Bürgermeister Frank Botter löste den Katastrophenfall aus und forderte Hilfe vom Festland an. Diese musste dann aber nicht in Anspruch genommen werden. "Die örtlichen Rettungskräfte haben alles im Griff", sagte Furtmeier.

Unwetter im Westen

Über das Rheinland und den Niederrhein zog das heftige Unwetter am Nachmittag. In vielen Städten waren die Feuerwehren im Dauereinsatz, nach Polizeiangaben wurden mehrere Menschen verletzt. In Kempen stürzte nach Polizeiangaben ein Arbeiter durch eine Windböe aus acht Metern Höhe von einem Gerüst und zog sich dabei lebensgefährliche Verletzungen zu. Vermutlich ebenfalls durch eine Orkanböe stürze in Herne eine kurz zuvor errichtete Seitenmauer im zweiten Obergeschoss eines Rohbaus ein und begrub einen Bauarbeiter unter sich. Der 45-jährige wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Im Kreis Heinsberg, im äußersten Westen von Nordrhein-Westfalen, wurden nach Angaben des Wetterdienstes meteomedia Windböen mit einer Orkanstärke von 115 bis 119 Stundenkilometern gemessen.

Auf den Autobahnen 3 bei Isselburg (Kreis Borken) und 540 (Jüchen- Grevenbroich) kam es zu Verkehrsbehinderungen durch herabfallende Äste, wie ein Sprecher von Straßen NRW in Gelsenkirchen mitteilte.

In Aachen sind mehrere Menschen leicht verletzt worden. Ziegel fielen vom Dach und Bäume stürzten um. Innerhalb einer halben Stunde rückte die Polizei zu 50 Einsätzen aus.

Eine Frau wurde in Aachen von einem umstürzenden Baum leicht verletzt. Nach Polizeiangaben wurde sie von Ästen getroffen. Ein Mann wurde von einer umherfliegenden Werbetafel getroffen und verletzt. Anrufer meldeten bei der Polizei Mülltonnen und Gartenpavillons auf der Straße oder ein Stromkabel, das auf der Fahrbahn lag.

Am Tierpark Nordhorn starb eine 47 Jahre alte Frau, als eine große Pappel umknickte und auf ein Haus stürzte. Sie war auf einer Radtour mit ihrem Hund unterwegs und hatte bei dem Haus Schutz vor dem Sturm gesucht.

In Ostfriesland wurden nach Angaben von Polizeisprecherin Sabine Kahmann einige Häuser bis zur Unbewohnbarkeit beschädigt. In der Ortschaft Utgast sei ein Bauernhaus komplett eingestürzt. Ganze Block- und Gartenhäuser seien durch die Luft geschleudert worden. Auf dem Tannenhausener Badesee bei Aurich kenterte ein Schlauchboot mit drei Personen, die aber unverletzt blieben.

Die Gewitter erreichen in der Nacht zu Dienstag den Osten und Süden Deutschlands. Mit nachfolgend etwas kühlerer Luft setzt nachts zunächst im Westen und im Verlauf ostwärts ausweitend Wetterberuhigung ein. Am Dienstag gibt es im Osten noch einzelne Gewitter.

Quelle: AFP/dpa/cor/fas
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