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14.06.10

Michael Jackson

Prozess gegen Jacko-Arzt Conrad Murray beginnt

Kurz vor dem ersten Todestag Michael Jacksons wird der Prozess gegen Conrad Murray eröffnet. Der Arzt soll Schuld sein am Tod des "King of Pop".

REUTERS

Das Ende einer großen Künstlerkarriere: Michael Jackson ...

33 Bilder

Im Februar war gegen Conrad Murray (56) Anklage erhoben worden. Sie lautete auf fahrlässige Tötung. Der Kardiologe war in der Nacht des 25. Juni 2009 zu dem leblosen Popstar gerufen worden und hatte nach eigenen Angaben versucht, ihn mit Herzmassage wiederzubeleben. Die vermutliche Todesursache war eine Überdosis des klinischen Narkosemittels Propofol, das sich Jackson gegen Schlaflosigkeit per Infusion verabreichen ließ. Der Haftrichter hatte Murray gegen eine Kaution von 75.000 Dollar auf freien Fuß gesetzt; er durfte mit gewissen Einschränkungen in seinen beiden Praxen in Las Vegas und Houston weiter praktizieren. Auf fahrlässige Tötung steht in Kalifornien eine Höchststrafe von vier Jahren Haft.

Die Familie Michael Jacksons, der im Alter von 50 Jahren kurz vor dem Beginn einer Comeback-Konzertserie in Los Angeles starb, verlangte gegen Murray im Februar eine Anklage wegen Mord zweiten Grades. Brian Oxman, der langjährige Anwalt des Klans, verglich das Handeln Murrays mit dem "Abfeuern von Schüssen auf einen voll besetzten Zug". Die Anklage wegen fahrlässiger Tötung sei nur ein "leichter Klaps auf die Hand" des Arztes, aber ein "Schlag ins Gesicht" von jedem, der Gerechtigkeit suche. Oxman versucht unausgesetzt, den Prozess um Jacksons Tod zu einem Feldzug gegen die Komplizenschaft von Ärzten beim Medikamentenmissbrauch von Prominenten zu stilisieren. Oxman will Michael Jackson vor Propofol und seinem Leibarzt gewarnt haben. Eines Tages, habe er ihm (unfreiwillig komisch) prophezeit, werde er "aufwachen und tot sein".

Conrad Murray, der die Stelle bei Jackson erst im Mai 2009 angetreten hatte – angeblich gegen eine Forderung von fünf Millionen Dollar für die Monate in London (Murray selbst gab nur ein Monatssalär von 150000 Dollar an) –, will seinerseits Jackson vor dem süchtig machenden Anästhesiemittel gewarnt und die Dosis gemindert haben. Unter Medizinern ist unumstritten, dass Propofol, von Jackson "Milch" genannt, in einem privaten Haushalt nichts zu suchen hat, zumal ohne Überwachung eines Anästhesisten. Der Untersuchungsrichter hatte Conrad Murray die Anwendung schwerer Narkosemittel untersagt, seine Approbation als Arzt in Kalifornien aber nicht entzogen wie vom Staatsanwalt verlangt. In Nevada und Texas prüfen Staatsanwälte, ob dem Arzt seine Lizenz entzogen werden kann. Murrays Anwälte protestieren gegen diese Versuche, die ihren Klienten, wie sie sagen, ruinieren und im Prozess benachteiligen würden.

Freunde Murrays beschreiben ihn als fähigen Kardiologen und kultivierten, freundlichen Mann, der mit jedem gut auskommt und kaum Nein sagen kann. Er lebt laut Gerichtsdokumenten in Las Vegas mit seiner Ehefrau, ebenfalls einer Ärztin, und zwei heranwachsenden Kindern. Der Arzt war hoch verschuldet, als Michael Jackson ihn vermeintlich von allen Sorgen befreite. Murrays Haus ist weit über Wert mit Hypotheken belastet, bei etlichen Gläubigern soll er mit annähernd 450000 Dollar in der Kreide stehen. Teuer zu stehen kommen Murray offenbar auch Liebschaften mit drei Frauen, mit denen er drei uneheliche Kinder hat. Am 25. Juni, dem Jahrestag des Todes Michael Jacksons, muss Murray vor einem Familiengericht erscheinen, um sich wegen unterlassener Unterhaltszahlungen in Höhe von 16000 Dollar zu verantworten.

Seit der Anklageerhebung hat Conrad Murray unschickliches Aufsehen vermieden. Er betete mit einem berühmten Fernsehpfarrer, er pilgerte angeblich regelmäßig zu Jacksons Mausoleum auf dem Prominentenfriedhof Forest Lawn in Los Angeles. Im April soll der Arzt während eines Flugs von Houston eine Frau, die ohnmächtig wurde und einen schwachen Puls hatte, stabilisiert haben. Das Magazin "Time" nahm Murray im Mai in seine Liste der "100 einflussreichsten Menschen" auf. Was immer das über "Time" sagt.

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