Blutige Auseinandersetzungen
60 Tote bei Jagd auf jamaikanischen Drogenboss
Bei Kämpfen um die Entwaffnung einer Drogenbande sind im Karibikstaat Jamaika mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen. Der gesuchte Drogenbaron Christopher Coke wurde jedoch offenbar nicht gefasst. Coke droht in den USA lebenslängliche Haft, in der jamaikanischen Bevölkerung ist er aber beliebt.
Blutiger Machtkampf in der Karibik: Bei schweren Kämpfen zwischen Drogenbanden und Sicherheitskräften sind in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston nach Angaben von Rettungskräften rund 60 Menschen getötet worden. Zuvor war von rund 30 Toten die Rede gewesen.
Außerdem seien 25 Personen verletzt und mehr als 200 Verdächtige festgenommen worden. Seit Montag versuchen Polizei und Armee, das Armenviertel Tivoli Gardens zu stürmen, um dort den mutmaßlichen Drogenboss Christopher "Dudus" Coke festzunehmen. Die USA fordern seine Auslieferung.
Starke Armee- und Polizeieinheiten haben seit dem Wochenende Tivoli Gardens abgeriegelt, in dem sich Coke (41) mit seinen bewaffneten Anhängern verschanzt hat. Wie lokale Medien berichteten, waren in den Straßen des Viertels schwere Explosionen zu hören und Rauchschwaden zu sehen.
Der Ausbruch der Gewalt hatte sich Ende der vergangenen Woche an der Entscheidung der Regierung entzündet, Coke, einen gesuchten Drogenboss, an die USA auszuliefern. Angesichts der Schießereien in vielen Teilen der Hauptstadt baten die Behörden die Einwohner, Blut zu spenden. Die Fluggesellschaft Air Jamaika sagte mehrere Flüge ab.
Die Regierung ordnete zudem am Dienstag die Schließung der Schulen im Stadtzentrum an. Cokes Anhänger versperrten die Zufahrten zu Tivoli Gardens unweit des Stadtzentrums mit Barrikaden. Sie schichteten Sandsäcke zu Wällen auf und füllten unter anderem Kühlschränke mit Sand. "Sie stellen sich auf Krieg ein", wurde ein Polizist zitiert.
Premierminister Bruce Golding sagte den Banden den Kampf an und verhängte in der Hauptstadt einen für einen Monat geltenden Ausnahmezustand. Inzwischen griffen die Unruhen auch auf die zur Metropolenregion zählende Stadt Spanish Town über, wo eine Polizeiwache beschossen wurde. Auch aus anderen Stadtteilen wurden Schießereien gemeldet.
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