Paul Schäfer
Gründer der berüchtigten Colonia Dignidad tot
Der Gründer der berüchtigten Deutschen-Siedlung Colonia Dignidad in Chile, Paul Schäfer, ist tot. Der 88-Jährige starb in einem Gefängniskrankenhaus in Santiago de Chile an Herzproblemen. Er war nach jahrelanger Flucht 2005 in Argentinien gefasst und dann nach Chile überstellt worden, wo er zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde.
Chilenische Polizisten vor dem Eingang der "Colonia Dignidad". Unter dem Mantel der Nächstenliebe wurden auf dem Gelände jahrzehntelang Gegner des Diktators Pinochet gefoltert und Kinder in einem Armen-Internat missbraucht.
Der am Samstag gestorbene Paul Schäfer forderte in der deutschen Siedlung Colonia Dignidad im Süden Chiles brutal Zucht und Ordnung. Doch nicht deshalb wurde der Deutsche zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, sondern wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, wegen Mordes und Folter und zahlreicher weiterer Verbrechen. Die sexuelle Vorliebe für Minderjährige und teutonischer Größenwahn bestimmten das Leben des Laienpredigers.
Schäfer wurde am 4. Dezember 1921 in Siegburg bei Bonn geboren. Der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland geflohene Wehrmachtsgefreite hatte Anfang der 60er-Jahre in Südchile die sektenartig organisierte Colonia Dignidad mit 300 Getreuen gegründet.
Ihm wird vorgeworfen, dass er während der Pinochet-Diktatur politische Gefangene auf dem weiträumigen Gelände zu Tode foltern ließ. Der auch in Deutschland von den Strafverfolgungsbehörden gesuchte Schäfer bestritt dies stets.
Die Kolonie, die sich heute Villa Baviera (Bayerisches Dorf) nennt, diente auch als Nazi-Fluchtburg. Nach außen hin wurde sie als landwirtschaftliches Vorzeigeprojekt präsentiert, das den Armen der Region medizinische Versorgung und Schulbildung bietet.
Schäfer leitete sie nach seinen Vorstellungen von Zucht und Ordnung mit Psychoterror, Zwang zur Beichte und der Pflicht zum absoluten Gehorsam gegenüber der Führung.
Nach dem Putsch von General Pinochet gegen die Regierung von Salvador Allende im September 1973 diente die "Kolonie der Würde" als Folterzentrum der Militärs. 1976 erwähnte die UN-Menschenrechtskommission die Siedlung als Ort, in dem Kritiker der Diktatur festgehalten und gequält werden. Laut Zeugenberichten leitete Schäfer persönlich die Folterungen linksgerichteter Regimegegner.
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