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Evangelisches Internat

Autor Bodo Kirchhoff berichtet von Missbrauch

Der Frankfurter Schriftsteller Bodo Kirchhoff (61) wurde als 12-jähriger Schüler 1960 im evangelischen Internat Gaienhofen am Bodensee von einem Lehrer wiederholt missbraucht. Ein Lehrer habe ihn zu Oralsex gezwungen "Doktorspiele, Ferkeleien, unausgegorener Sex" sei ihm wiederholt widerfahren.

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Bodo Kirchhoff
Foto: dpa/DPA
Der Frankfurter Schriftsteller Bodo Kirchhoff wurde nach seinen Angaben als 12-jähriger Schüler 1960 im evangelischen Internat Gaienhofen am Bodensee von einem Lehrer wiederholt missbraucht

Auch Schriftsteller Bodo Kirchhoff (Wo das Meer beginnt) ist als Kind missbraucht worden.

Das beschreibt der Autor in einem Beitrag für den „Spiegel“.

Der Pädagoge - „ein großartiger Kantor und verdammter Päderast“ – habe ihn oral befriedigt, schreibt Kirchhoff. Der Mann, der auch Kirchhoffs Religionslehrer war, habe ihn „unter immer neuen Vorwänden auf sein Zimmer“ geholt.

Ihm seien, so ergänzt Kirchhoff, „Doktorspiele, Ferkeleien, unausgegorener Sex“ widerfahren. Er habe über Jahre versucht, den Missbrauch in Worte zu fassen: „Ich musste über etwas sprechen, zu dem es keine Sprache gab, ich musste mir eine erfinden.“

Zuvor hatte die Schriftstellerin Amelie Fried (Die Findelfrau) berichtet, dass sie als Schülerin an der Odenwaldschule sexuelle Übergriffe erlebt hat.

Die 51-Jährige beschreibt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, wie sich ihr sogenannter Familienvater in den Mädchen-Duschraum gedrängt habe und „uns zu Strip-Poker-Runden in seiner Wohnung genötigt hat“.

Auch im Oldenburger Münsterland gibt es nun Verdachtsfälle auf sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche. Die Fälle stammten aus den 50er und 60er Jahren, sagte ein Sprecher des Offizialats Vechta und bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Nordwest-Zeitung“.

Neben drei Priestern, die inzwischen verstorben seien, werde auch ein Laie verdächtigt, der an einem inzwischen geschlossenen Internat in Cloppenburg beschäftigt war.

Mit den Fällen beschäftigt sich eine Aufklärungskommission des Bistums Münster, zu dem das Offizialat Vechta gehört.

Nach Angaben des Leiters der Kommission, Hans Döink, handelt es sich zum Teil um anonyme Meldungen, teils um die Angaben eines unbeteiligten Dritten. Er gehe aber nicht davon aus, dass es sich nur um Gerüchte handele. „Ich glaube den Leuten, die das mitteilen, schon.

Aber das sind nicht unmittelbar Betroffene.“ Es gehe nun darum, die tatsächlich Betroffenen zu ermitteln und zu ermuntern, mit der Kommission zu sprechen. „Wir müssen klären, was an den Vorwürfen dran ist“, sagte Döink.

Unterdessen forderten die katholischen Laien im Nachbarbistum Osnabrück die Kirche auf, sich aktiv um die Aufklärung von Missbrauchsfällen zu bemühen, auch wenn die Fälle schon lange zurückliegen.

Die in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Fälle hätten eine „schwere Vertrauenskrise“ ausgelöst. Auf allen Ebenen müsse daran gearbeitet werden, verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen, hieß es in einer im emsländischen Lingen verabschiedeten Stellungnahme des Diözesan-Katholikenrates.

dpa/lk



Erschienen am 14.03.2010

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