Jahrestag
Winnenden gedenkt der Opfer des Amoklaufs
Ein Jahr nach dem Amoklauf in einer Schule in Winnenden sind rund 900 Schüler, Lehrer und Hinterbliebene zum stillen Gedenken an die Opfer zusammengekommen. In einer Halle gegenüber der Albertville-Realschule wollen sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit trauern. Horst Köhler wird erwartet.
Die Autogeisel des Amokschützen sagte aus, Tim K. habe nach den tödlichen Schüssen "zufrieden" auf ihn gewirkt.
In Winnenden haben die Kirchen mit einem Glockenläuten an die Opfer des Amoklaufs vor einem Jahr erinnert. Die Glocken aller Kirchen der Kleinstadt bei Stuttgart erklangen.
Der 17-jährige Tim K. hatte am 11. März 2009 die Albertville-Realschule gestürmt und dort neun Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Anschließend tötete er auf der Flucht drei weitere Menschen, bevor er sich selbst das Leben nahm.
Vor der Realschule findet eine offizielle Gedenkfeier statt, an der auch Bundespräsident Horst Köhler teilnimmt. Zu den Teilnehmern zählen Schüler, Eltern und Lehrer sowie Angehörige der Opfer.
Nach Angaben eines Teilnehmers wurden auf einer Videoleinwand Bilder aus dem Leben der Opfer gezeigt und Gedichte vorgetragen.
Das Land hat für den ersten Jahrestag des Amoklaufs an öffentlichen Gebäuden Trauerbeflaggung angeordnet. Der Veranstaltungsort ist weiträumig abgesperrt, 300 Polizisten sind im Einsatz, viele von ihnen in ziviler Kleidung.
Bei einer zentralen Gedenkstunde hält Bundespräsident Horst Köhler eine Ansprache. Vor der Realschule werden Gedenkplatten für die Opfer der Gewalttat niedergelegt.
Zum Abschluss wollen Schüler, Politiker und andere Gäste mit großen Kieseln, auf die Wünsche geschrieben werden können, symbolisch einen "Weg in die Zukunft" bauen.
Die Tat des 17-jährigen Tim K. hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Als Konsequenz aus dem Amoklauf wurde das Waffenrecht verschärft. Außerdem haben Experten Empfehlungen zur Gewaltprävention vorgelegt, mit denen die Sicherheit an Schulen erhöht werden soll. In Winnenden ging aus einer Elterninitiative die "Stiftung gegen Gewalt an Schulen" hervor.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat zum Jahrestag davor gewarnt, in strengeren Waffenkontrollen ein Allheilmittel gegen Amokläufe zu sehen. "Wer meint, einen Amoklauf allein durch Waffenkontrollen verhindern zu können, der ist auf dem Holzweg", sagte Herrmann dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2).
Auch Leute, die überhaupt keinen Zugang zu Schusswaffen haben, hätten schon Amokläufe begangen. Der Amoklauf an einer Schule in Ansbach im September etwa sei ein Fall, wo selbstgebastelte Waffen ins Spiel gekommen seien.
"Es gibt keinen Anlass, jetzt alle Sportschützen und Jäger unter einen Generalverdacht zu stellen. Aber das muss überprüft werden und wir achten sorgfältig darauf", sagte der bayerische Innenminister.
Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), wertete unterdessen die Reform des Waffenrechts nach dem Amoklauf von Winnenden als Erfolg. "Die Änderung des Waffengesetzes hat einen deutlichen Sicherheitsgewinn gebracht", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung".
"Sie hat das Bewusstsein dafür geschärft, dass Waffen gerade zu Hause sicher aufbewahrt werden müssen." Die Reform sieht unter anderem verdachtsunabhängige Kontrollen von Waffenbesitzern vor.
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