07.03.10

Sex-Skandal

Vatikan-Berater bestellt Callboys für Homo-Orgien

Ein "Mitglied der päpstlichen Familien" beschert dem Vatikan einen Sex-Skandal: Der Berater hat beim Chor-Sänger des Petersdoms regelmäßig Callboys zu Homo-Orgien bestellt. Manchmal zwei Mal am Tag. Darunter auch junge Priester. Jetzt flog der Skandal auf, denn bei den Bestellungen hörte jemand mit.

Während Missbrauchsfälle in Deutschland die katholische Kirche erschüttern, muss sich der Papst gleichzeitig mit einem peinlichen Sex-Skandal im Inneren des Vatikans beschäftigen. Die Beweislast der Vorwürfe ist so erdrückend, dass Benedikt XVI. sich nicht erst die Zeit für eine Untersuchung nahm, sondern die Schuldigen sofort vor die Tür setzte. Die Kurie schämt sich, aber es ist nun einmal eine Tatsache, dass Staatsdiener junge Priester gegen Bezahlung für Homo-Orgien im Vatikan bestellten und erhielten.

Der Skandal trifft die Kardinäle in Rom vor allem deswegen bis ins Mark, weil ein hoch angesehener Mann, der sich "Mitglied der päpstlichen Familien" nennen durfte, im Zentrum der Affäre steht. Papst PaulVI. hatte im Jahr 1968 mit der Schrift "Pontificalis Domus" eine Ehrengarde eingerichtet: Die "Gentiluomini" Seiner Heiligkeit, die "Ehrenmänner" des Papstes, sollten sich auszeichnen, so schrieb der Papst damals in dem Motu Proprio, durch "besondere Schönheit ihrer Seele" und die Begeisterung für "die Ehre des Herrn".

Auch der Generaldirektor für alle öffentlichen Bauaufträge in Italien, Angelo Balducci (61), verheiratet mit Rosanna Balducci und Vater der Söhne Lorenzo und Filippo, gehörte zu den "Gentiluomini" Seiner Heiligkeit. Damit nicht genug, er arbeitete auch als Berater einer der wichtigsten päpstlichen Kongregationen, der Kongregation für die Evangelisierung der Völker.

Kein Wunder also, dass er in Berührung kam mit dem nigerianischen Tenor Chinedu Thomas Ehiem. Der singt in dem Chor des Petersdoms "Capella Giulia". Das ist nun nicht irgendein Chor, sondern der Chor der "sakrosankten päpstlichen Basilika von Sankt Peter", eingerichtet von Papst Gregor dem Großen im sechsten Jahrhundert und erneuert von Papst JuliusII. im Jahr 1512. Der nigerianische Sänger nennt sich "Mike" und kennt sich offenbar in der Szene der Priesteramts-Anwärter und junger Priester im Vatikan sehr gut aus, die bereit sind, gegen Bezahlung an Homo-Orgien teilzunehmen.

Statt darüber nachzudenken, wie er die Ehre des Herrn mehren könne, meldete sich der Gentiluomo Angelo Balducci am Telefon bei "Mike" und bestellte regelmäßig, manchmal zweimal täglich, Priester zum Sex. Das Pech und die italienischen Carabinieri wollten es, dass diese Telefonate abgehört wurden, weil Balducci, der seit dem Jahr 2005 im Amt ist, auch im Verdacht der Korruption steht. Die Polizei glaubte ihren Ohren nicht zu trauen, als Balducci am Telefon "Mike" fragte, wie lange die Herren denn zum Sex bleiben könnten und wann genau sie wieder "im Priesterseminar" sein müssten. Außerdem bat Angelo Balducci den Vermittler um Stillschweigen, denn "ich bin ja verheiratet". Der Sänger verriet nichts, aber die Carabinieri waren gezwungen, der Staatsanwaltschaft die mitgehörten Telefonate zur Kenntnis zu bringen. So flog der Skandal auf.

Papst BenediktXVI., der weltweit gerade eine knallharte Strategie gegen jede Art sexueller Betätigung von katholischen Priestern durchsetzen will, trifft der Skandal im eigenen Hause natürlich hart. Die Schuldigen wurden in Windeseile aus dem Vatikan entfernt. Der Chef des Chors der "Capella Giulia", der Erzpriester von Sankt Peter Angelo Kardinal Comastri, wurde angehalten, "Mike" auf der Stelle zu feuern, was umgehend geschah. Auch der "Gentiluomo" Angelo Balducci durfte nicht auf Gnade hoffen. Er ist den Titel los und wird den Papst nicht mehr bei Staatsbesuchen begleiten dürfen.

Unwohl fühlt man sich in der Kurie dennoch, denn "Mike" war nicht der einzige, der Männer für Angelo Balducci beschaffte. Auch ein gewisser Lorenzo Renzo war mit von der Partie. Noch ist unklar, ob auch er junge Priester zur Prostitution anstiften wollte.

Am Freitag wird derweil der Chef der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch im Vatikan einen detaillierten Bericht über die Situation in Deutschland geben. In wenigen Tagen soll zudem der Brief an die Iren fertig werden, in dem der Papst sich bei den Opfern von Missbräuchen durch Priester entschuldigen will.

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