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06.03.10

Odenwaldschule

Missbrauchsfälle auch an privatem Eliteinternat

Nach den katholischen Schulen trifft es nun die privaten Internate: In der hessischen Odenwaldschule, die als Unesco-Vorzeige-Modell gilt, wurden Schüler jahrelang massiv missbraucht. Die Kinder wurden unter anderem zu Schichten als "sexuelle Dienstleister" eingeteilt oder Gästen zum Missbrauch überlassen.

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Wecken durch das Streicheln der Genitalien, Wochenendschichten als "sexuelle Dienstleister", Oralverkehr, Züchtigungen, Drogen und Alkohol – das Bild, das ehemalige Schüler von einer privaten Eliteschule im hessischen Odenwald zeichnen, klingt wie aus einem Horrorfilm. Nach den Missbrauchsvorwürfen in katholischen Einrichtungen, werden nun auch Fälle aus anderen Internaten bekannte.

Jetzt trifft es die südhessische Odenwaldschule, die den Ruf einer Eliteschmiede genießt. "Wie wir heute wissen, ist das Ausmaß des Missbrauches an der Odenwaldschule größer als noch zur Jahrtausendwende angenommen", teilte die heutige Leiterin Schulleiterin Margarita Kaufmann auf der Internetseite der Schule mit.

Die "Frankfurter Rundschau" (FR) berichtet zudem, dass der Missbrauch von Schülern jahrelang vertuscht worden. Von 1971 bis 1985 könnte es bis zu 100 Opfer gegeben haben, heißt es in dem Bericht.

Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen den damaligen Leiter der Eliteschule, Gerold Becker, der die Schule von 1971 bis 1985 leitete, aber auch gegen andere Lehrer. In einer Erklärung auf der Internetseite der Schule räumt Kaufmann ein, das Ausmaß des Missbrauchs sei größer als bisher bekannt, die Schule sei "durch die Berichte der Opfer und das Ausmaß der Verbrechen massiv erschüttert und irritiert".

Im August 1999 war eine Strafanzeige gegen den ehemaligen Internatsleiter bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt eingegangen. Ermittlungen habe es aber wegen der Verjährung der angeblichen Vorfälle nicht gegeben, sagte ein Sprecher damals.

Schulleiterin Kaufmann sagte der FR: "Es war eine Unterlassung und ein grober Fehler, dass die Schule damals nicht nachgeforscht hat". Es habe keine konsequente Aufarbeitung des Skandals gegeben. Sie gehe davon aus, dass sich mindestens drei Lehrer sexueller Übergriffe schuldig gemacht haben. Kaufmann ist laut FR seit 2007 im Amt.

Ex-Schüler berichten, sie seien regelmäßig durch das Streicheln der Genitalien geweckt worden. Außerdem wurden sie als "sexuelle Dienstleister" für ganze Wochenenden eingeteilt und zum Oralverkehr gezwungen. Lehrer hätten ihren Gästen auch Schüler zum sexuellen Missbrauch überlassen. Die Schuler wurden geschlagen, mit Drogen und Alkohol versorgt. Außerdem wurde ein Fall bekannt, bei dem die Lehrer beim gemeinschaftlichen Missbrauch eines Mädchens nicht eingegriffen haben.

Im Blick auf das 100. Jubiläum in diesem Jahr seien erneut ehemalige Schüler auf die Schulleitung zugekommen, um von ihren Missbrauchserlebnissen in den 70er- und 80er-Jahren zu berichten, heißt es in der Erklärung Kaufmanns im Internet. "Die Odenwaldschule erkennt den jahrelangen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch Pädagogen ihrer Schulgeschichte an und versteht diese traumatische Erfahrung als Teil ihrer Identität."

Die private Odenwaldschule in Heppenheim mit gut 200 Schülern ist eine Unesco-Modellschule. Zahlreiche Prominente gehören zu ihren ehemaligen Schülern, darunter der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit und Klaus Mann. 2005 kürte das Wirtschaftsmagazin "Capital" die Schule zur besten hessischen Schule mit gymnasialer Oberstufe.

Quelle: dpa/KNA/kami
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