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04.03.10

Sexuelle Übergriffe

Missbrauch auch bei Regensburger Domspatzen

Der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche hat jetzt auch die weltberühmten Regensburger Domspatzen erreicht: In der 60er Jahren soll es bei dem Knabenchor Missbrauch gegeben haben. Im Kloster Ettal gab es in dieser Woche eine Razzia wegen Kinderpornografie. Für Freitag wird ein Bericht zu den sexuellen Übergriffen im bayerischen Kloster erwartet.

© dpa
Regensburger Domspatzen
Bei den Regensburger Domspatzen soll es in den 50er und 60er Jahren auch bei dem Knabenchor Missbrauch gegeben haben

Der Missbrauchsskandal, der die katholische Kirche erschüttert, hat jetzt auch die weltberühmten Regensburger Domspatzen erreicht. Ein Sprecher des Bistums Regensburg sagte, dass es in den 50er und 60er Jahren auch bei dem Knabenchor Missbrauch gegeben haben soll. Der Verdacht richtet sich gegen einen ehemaligen Internatsleiter. In einem auf der Internetseite des Knabenchors veröffentlichten Schreiben wird der mittlerweile verstorbene Mann mit Missbrauch in den 50er Jahren in Verbindung gebracht. "Der damalige Internatsleiter wurde nach unserem Kenntnisstand rechtskräftig verurteilt", heißt es in dem Text, der vom heutigen Domkapellmeister Roland Büchner und zwei weiteren Verantwortlichen unterzeichnet ist.

"Wir wollen das transparent untersuchen", sagte Bistumssprecher Clemens Neck. Das Bistum Regensburg werde eine Kommission einrichten, die alte Akten und Archive durchgehen soll. Insgesamt liegen dem Bistum mehrere Hinweise auf Fälle zwischen den Jahren 1958 und 1973 vor. Am Freitag sollen weitere Informationen bekanntgegeben werden.

Die Domspatzen, die weltweit auftreten, haben in Regensburg ein eigenes Musikgymnasium und Internat. Von 1924 bis 1963 war Theobald Schrems Domkapellmeister, von 1964 bis 1994 leitete der Bruder von Papst Benedikt XVI., Georg Ratzinger, die Domspatzen.

Ebenfalls am Freitag wird mit Spannung der vorläufige Abschlussbericht zu den sexuellen Übergriffen im bayerischen Kloster Ettal erwartet. Nach Informationen des "Münchner Merkur" soll es bei der Razzia der Staatsanwaltschaft in dieser Woche in der Abtei um Kinderpornografie gegangen sein. Ein Mönch soll eingeräumt haben, dass er entsprechende Filme aus dem Internet geladen hat.

Das Kloster, zu dem ein Internat und ein Gymnasium gehören, hatte mindestens zwei Missbrauchsfälle eingeräumt. Der zurückgetretene Abt des Klosters Ettal, Barnabas Bögle, und der aus dem Amt geschiedene Schulleiter Maurus Kraß hatten Papst Benedikt XVI. um eine "Apostolische Visitation" gebeten.

Diese Untersuchung eines päpstlichen Beauftragten ist eine eher seltene Maßnahme. Eine Entscheidung über das Gesuch stand in Rom noch aus.

Papst-Audienz für Zollitsch

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, wird am nächsten Freitag im Vatikan den Papst treffen. Das bestätigte ein Sprecher der Bischofskonferenz in Bonn. Es handele sich um eine der regelmäßigen Audienzen nach der alljährlichen Frühjahrskonferenz der deutschen Bischöfe. Diesmal werde auch über sexuellen Missbrauch gesprochen, sagte der Sprecher. Zollitsch werde vier Tage in Rom sein.

Auch der Direktor eines Studienseminars der Kapuziner im bayerischen Burghausen (Bistum Passau) soll sich an Jugendlichen vergangen haben. Das teilte die Provinz der Bayerischen Kapuziner in München mit. Bei den Fällen handle es sich um "schwerwiegende Übergriffe" aus dem Schuljahr 1984/85, sagte der Leiter des Ordens in Bayern, Pater Josef Mittermaier.

Die Fälle wurden zwar 1991 juristisch verfolgt, waren aber bereits damals verjährt. Die Bistumsleitungen und der Vatikan seien informiert gewesen. Nach mehreren Versetzungen wurde der Pater 2009 von allen priesterlichen Aufgaben entbunden. Die Kapuziner gaben das Studienseminar in den 90er Jahren auf.

Bistum Limburg will alles für Aufklärung tun

Im Bistum Limburg bekräftigte Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst noch einmal, "rückhaltlos alles für die Aufklärung" tun zu wollen. Fünf Priester, von denen drei gestorben sind, sollen sich an Jungen und Mädchen vergangen haben. Die Fälle reichen bis in die 40er Jahre zurück.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Limburg wurden gegen die zwei lebenden Verdächtigen Ermittlungsverfahren eingeleitet. Im ebenfalls hessischen Bistum Fulda gibt es zwei Verdachtsfälle, die schon länger zurückliegen, bestätigte die Bischöfliche Pressestelle. Die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet. Allerdings wusste die Behörde in Fulda nichts von Ermittlungen.

Quelle: dpa/cl
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