Chile nach dem Erdbeben
Organisierte Banden sorgen für Angst und Chaos
Verzweifelt kämpfen die Menschen in Chiles Katastrophengebieten gegen das Chaos an. Nicht nur das gewaltige Erdbeben und die gigantischen Flutwellen hinterließen Tod und Verwüstung – auch die zunehmend gewalttätigen Raubzüge der Plünderer sorgen für Schäden.
as Beben war das fünftstärkste, das dort jemals gemessen wurde. Es erreichte die Stärke 8,8 auf der Richterskala.
Drei Tage nach dem Erdbeben in Chile hat sich die Lage in den betroffenen Gebieten dramatisch zugespitzt. In Vororten der Stadt Concepción, die von dem Beben mit mehr als 700 Toten weitgehend zerstört wurde, lieferten Plünderer sich Schießereien mit bewaffneten Bürgerwehren und dem Militär. In der Gemeinde San Pedro de la Paz seien zwei Menschen getötet worden, sagte die Journalistik-Dozentin Claudia Lagos.
Die chilenische Regierung verlängerte in der Provinz von Concepción die nächtliche Ausgangssperre bis zum Mittag. "Eines muss klar sein:Damit Hilfe geleistet werden kann, müssen Ruhe und Ordnung herrschen", betonte Verteidigungsminister Francisco Vidal nach Rundfunkberichten vom Dienstag. Die Wiederherstellung der Ordnung sei in diesem Gebiet derzeit das größte Problem.
In Concepción, mit mehr als 200000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Chiles, gingen ein Kaufhaus und ein Großmarkt nach Plünderungen in Flammen auf. Dabei sollen nach unbestätigten Berichten bis zu 20 Menschen ums Leben gekommen sein. Marineinfanteristen versuchten, ein Abgleiten der Großstadt in die Anarchie zu verhindern und gaben Schüsse in die Luft ab. Hilfe lässt auf sich warten
Allerdings sahen sich viele Bürger zu Einbrüchen und Plünderungen von Lebensmittelgeschäften gezwungen, da auch drei Tage nach dem Beben der Stärke 8,8 noch immer kaum Wasser und Lebensmittel in Concepción angekommen waren – und schon gar nicht in den kleineren Ortschaften des Katastrophengebiets. Die Versorgung mit Strom und Gas ist ebenfalls seit dem Beben am Samstagmorgen unterbrochen.
Die Zahl der registrierten Todesopfer wurde mit 723 angegeben. 19 Menschen wurden als vermisst gemeldet. Allerdings wurde befürchtet, dass in den von einem Tsunami verwüsteten Küstenregionen noch Hunderte von Bewohnern vermisst werden. Die genaue Zahl der Obdachlosen war unbekannt. Die Zahl der zerstörten oder beschädigten Wohnungen wurde mit etwa zwei Millionen angegeben. Banden von Plünderern
Organisierte Banden von Plünderern sorgten zunehmend für Angst und Schrecken. "Wir richten uns doch selbst zugrunde", sagte Fabiola, eine Einwohnerin von Concepción. Eine weitere Bewohnerin schimpfte, die Diebe hüpften von einem Dach zum nächsten und raubten aus leerstehenden Häusern, was nicht niet- und nagelfest sei.
Am Wochenende waren es zunächst nur einige Frauen gewesen, die Windeln, Wasser oder Milch für ihre Kinder mitnahmen. Doch schon bald darauf begannen organisierte Banden, moderne Fernsehgeräte, Computer und Handy-Kartons aus den Läden wegzuschleppen und in wartende Lastwagen einzuladen. Auch viele Familien fuhren mit Kleintransportern vor und deckten sich mit Kühlschränken, Betten und Fahrrädern ein. Die Regierung schickte insgesamt 10000 Soldaten in das Katastrophengebiet, die ein Abgleiten der Regionen in die Anarchie verhindern sollen. Lula sagt Hilfe zu
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva stattete als erster Staatschef Chile nach dem Beben einen Besuch ab. Er sagte jede erdenkliche Hilfe zu. Am Dienstag wurde auch US-Außenministerin Hillary Clinton in Santiago erwartet. Sie wollte sich vor Ort einen Eindruck von dem Ausmaß der Katastrophe machen.
Unterdessen verunglückte eine kleine Propellermaschine auf dem Weg nach Concepción. Die sechs Menschen an Bord seien dabei ums Leben gekommen, hieß es. Bei den Passagieren habe es sich um Helfer sowie um Mitarbeiter einer Universität gehandelt, teilte die Behörde für Zivilluftfahrt mit.
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