Ludwigshafen
Festgenommener Schüler outet sich als Waffennarr
Nach der tödlichen Messerattacke auf einen Lehrer an einer Berufsschule in Ludwigshafen gehen die Ermittler Hinweisen im Internet nach. Der 23-Jährige, gegen den wegen Mordverdachts ermittelt wird, soll sich schon länger mit Gewalttaten befasst und in Netzwerken als Hobbys "Schützensport & alles was mit Waffen zu tun hat" angegeben haben.
Das Ermittlungsteam in Frankenthal geht nach der tödlichen Messerattacke eines Schülers auf einen Lehrer an einer Berufsschule in Ludwigshafen Hinweisen nach, nachdem der festgenommene 23-Jährige sich als gewaltbereit im Internet geoutet haben soll. Der leitende Oberstaatsanwalt, Lothar Liebig, bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Rhein-Zeitung".
Das Blatt hatte geschrieben, dass sich der geständige 23-Jährige schon länger mit Gewalttaten befasst und in sozialen Netzwerken als Hobbys "Schützensport & alles was mit Waffen zu tun hat" angegeben haben.
Der Ex-Schüler der Schule hatte gestanden, aus Wut über schlechte Noten den 58 Jahre alten Lehrer erstochen zu haben.
Der 23-Jährige wurde dem Haftrichter vorgeführt. Eine Entscheidung stand zunächst noch aus. Außerdem wartete die Staatsanwaltschaft auf die Ergebnisse der Obduktion der Leiche. Die Stadt Ludwigshafen ordnete Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden an. Einige Schüler hatten im Gedenken an das Opfer vor der Schule Kerzen aufgestellt. Der Unterricht fällt aus.
Am morgen nach der Tat holten etwa 200 bis 300 Schüler ihre Schulsachen ab, die sie hatten liegenlassen müssen, als der Komplex evakuiert wurde. Einige Schüler nutzten das Angebot psychologischer Betreuung. "Alles verlief bedrückt und ruhig, alle sind geschockt", sagte Polizeisprecher Michael Lindner.
Auch das Kollegium steht noch unter Schock. Nach bisherigen Ermittlungen hatte der 23-Jährige auch einen Schuss aus einer Schreckschusswaffe auf den Schulleiter abgefeuert und zwei Lehrer angegriffen, die jedoch unverletzt blieben.
"Das Kollegium möchte jetzt erstmal zur Ruhe kommen und steht nicht für Presseanfragen bereit", sagte eine Sprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion von Rheinland-Pfalz.
Die Bluttat hat in Berlin eine Diskussion über Sicherheit ausgelöst. Bundespräsident Horst Köhler forderte eine verstärkte "Kultur der Aufmerksamkeit". Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach warnte vor einer Abschottung der Schulen von der Außenwelt. Das werde von den Verantwortlichen aber auch gar nicht gewünscht, sagte Bosbach.
Die designierte CDU-Spitzenkandidatin für die rheinland-pfälzische Landtagswahl, Julia Klöckner, sagte, hundertprozentige Sicherheit an Schulen werde es nicht geben. Dem Südwestrundfunk (SWR) sagte sie, Schulen könnten und sollten "nicht zu Hochsicherheitstrakten ausgebaut werden".
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