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10.02.10

Salzmangel

Bundesländer erwägen nationalen Glatteisgipfel

Die Krankenhäuser platzen aus allen Nähten: In mehreren Großstädten rutschen die Deutschen derzeit zu Tausenden aus, brechen sich wegen der vereisten Bürgersteige die Knochen. Nun will die Politik nicht länger zusehen – die Verkehrsminister der Länder erwägen sogar einen Sondergipfel. Kritiker halten das für überzogen.

REUTERS

Frische Lebensmittel kommen auf die Ostseeinsel Hiddensee nur noch mit dem Helikopter.

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Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz von Bund und Ländern, Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (34, CDU), hat eine nationale Salz-Reserve und einen Glatteis-Gipfel der Länder gefordert. Einige Winterdienste seien auf eine derart lange und intensive Frost- und Schneeperiode nicht ausreichend vorbereitet gewesen, zitiert das Nachrichtienportal Bild.de Carius.

"Es ist sinnvoll, aus diesen Erfahrungen zu lernen und schon jetzt Vorsorge für zukünftige Winter zu treffen", so der Minister.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte als erster den Aufbau einer nationalen Salz-Reserve gefordert. Damit stößt er aber auch auf Kritik. "Wir haben hier doch keinen Schneenotstand!", sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, BILD.de. Es sei absolut lächerlich, aufgrund eines einzigen harten Winters solch eine Reserve zu fordern. Wendt wies auf die bereits bestehende kommunale Pflicht zur Lagerung von Salzreserven hin. Er kritisierte zudem die Stadt Berlin, ihrer Räumpflicht seit Wochen nicht nachzukommen und so den Bewohnern der Stadt ein "miserables Vorbild" zu geben.

Der Auto Club Europa (ACE) wies ebenfalls die Forderung nach einer nationalen Streusalz-Reserve als "wenig hilfreich" zurück. ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner betonte, prekär sei die Lage bei den Landkreisen und Kommunen. Der Anteil der Verkehrswege in Deutschland, der in die Verantwortung des Bundes fällt, mache gerade einmal zwölf Prozent (75.600 km) vom Gesamtnetz der öffentlichen Straßen (630.000 km) aus. Den Kommunen sei mit einer nationalen Reserve also kaum geholfen.

Die neuerlichen Schneefälle über Norddeutschland haben es den Autofahrern vor allem am Mittwochmorgen wieder schwer gemacht. Zahlreiche Lkw und Pkw gerieten auf glatten Fahrbahnen ins Rutschen. Es kam zu Unfällen und kilometerlangen Staus. Allein in und um Hamburg wurden in den Morgenstunden 54 Unfälle gezählt. In Hannover gab es bis zum Mittag 78 Unfälle. Ähnlich war die Situation auch im Raum Itzehoe und im Raum Flensburg in Schleswig-Holstein.

Besonders stark waren die Behinderungen auf den Autobahnen. Nach drei Unfällen innerhalb kurzer Zeit musste die A 1 bei Bremen für mehrere Stunden gesperrt werden. Ein ähnliches Bild zeigte sich auf der A 2 und der A 7. Auf der A 2 kam bei Königslutter (Kreis Helmstedt) ein mit Schrott beladener Sattelzug ins Schleudern, als er wegen eines vor ihm einscherenden Autos stark bremsen musste. Zwei Menschen wurden bei dem Unfall verletzt. Auf der A 7 kamen zudem zwei Milchtransporter ins Schleudern und kippten um. Mehrere Tonnen Milch ergossen sich auf die Fahrbahn.

Ändern wird sich an der Wetterlage so bald nichts. Es bleibt kalt. Laut der Prognose des Deutschen Wetterdienstes lassen aber zumindest die Schneefälle am Donnerstag etwas nach.

Quelle: dpa/ddp/lw
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