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21.01.10

Bombenalarm in München

Fluggast-Panne enthüllt krasse Sicherheitsmängel

Noch immer ist der Fluggast nicht gefunden, der mit seinem Laptop am Münchner Flughafen einen Bombenalarm auslöste. Die Videoauswertung brachte keine Hinweise. Die Panne deckt jedoch auf, wie fehleranfällig Sicherheitskontrollen sein können. Noch immer ist unklar, warum das Personal den Mann nicht aufhielt.

© ddp/DDP
Verspaetungen nach Sicherheitspanne am Muenchner Flughafen

Die Ermittler fahnden nach dem Bombenalarm am Münchner Flughafen weiter nach einem Mann mittleren Alters. "Wir suchen den Mann zwar, aber ich möchte betonen, dass das nicht strafrechtlich relevant ist", sagte der Sprecher der Flughafenpolizei, Albert Poerschke. Eine Auswertung der Videoaufnahmen vom Sicherheitscheck habe bislang nichts ergeben, erklärte der Sprecher.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) schließt nun Konsequenzen nicht aus. Er nehme den Vorfall "sehr ernst", sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Er wolle zunächst jedoch keine Bewertung abgeben. Er kündigte die Untersuchung "sämtlicher Umstände dieses Vorgangs mit allen Beteiligten an". Danach müssten am Flughafen München "gegebenenfalls Konsequenzen" gezogen werden, sagte der Minister weiter. Wenn sich Fehler ergäben, "die struktureller Art" seien, könnte dies auch für andere deutsche Flughäfen gelten.

Während einer Fluggastkontrolle vor dem Zugang zum Abflugbereich im Terminal 2 hatte ein Sprengstoffdetektor ausgeschlagen, als das Notebook des Mannes einer Routineüberprüfung unterzogen wurde. Eine Bedienstete der Sicherheitsfirma wollte den Laptop einer Nachkontrolle unterziehen, doch dazu kam sie nicht mehr, da der Reisende mit dem Notebook in der Menge verschwand.

Eine erste Spur nach Spanien musste die Polizei inzwischen aufgeben. In Madrid überprüfte die Grenzpolizei eine aus München ankommende Maschine ohne Ergebnis. Es gab auch keine genauen Informationen, ob der Mann in eine Maschine oder nach draußen entkommen war. Da Fluggäste beim Passieren der Sicherheitsschleuse aber bereits eine Bordkarte haben müssen, wurde nicht ausgeschlossen, dass der Mann sein Flugzeug unbehelligt besteigen konnte.

Nach dieser schweren Sicherheitspanne forderte der für die Bundespolizei zuständige Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Josef Scheuring, die Sicherheitsvorkehrungen auf deutschen Flughäfen auf den Prüfstand zu stellen. Eine derartige Sicherheitslücke könne sich ein Airport nicht leisten, sagte Scheuring der "Süddeutschen Zeitung": "Wenn man jemanden kontrolliert, muss man ihn auch festhalten können". Zwar sei das Münchner Geschehen aus der Distanz nur schwer zu beurteilen, es sei aber naheliegend, dass entweder zu wenig Personal am Kontrollschalter zur Verfügung stand oder aber die Ausbildung der Leute mangelhaft war.

Wegen des Bombenalarms war der Sicherheitsbereich des Münchner Flughafens am Mittwoch stundenlang gesperrt worden. Es gab erhebliche Störungen im Flugverkehr. Mehr als hundert Flüge verspäteten sich oder wurden annulliert. Die Ursache für den möglichen Fehlalarm blieb unklar. Die Kontrollgeräte sind nach Angaben der Sicherheitsgesellschaft München so eingestellt, dass sie Sprengstoff-Verdacht schon auf niedrigstem Niveau melden. Daher kämen auch Fehlalarme immer wieder vor. Einen konkreten Verdacht auf Sprengstoff in einem Gegenstand habe es nicht gegeben.

Der FDP-Fraktions-Chef im Bayerischen Landtag, Thomas Hacker, fordete als Folge der Panne mehr Sicherheitspersonal. Erneut zeige sich, dass die Technik funktioniere, wenn Fehler passierten, dann durch fehlende Personalausstattung, sagte Hacker im Bayerischen Rundfunk. Das habe man auch schon bei ähnlichen Fällen in den USA gesehen. "Ein Nacktscanner hätte das gestern nicht verhindert und hätte auch den Anschlagsversuch in Amerika nicht verhindert", erklärte der FDP-Politiker und fügte hinzu: "Verstärkung des Personals, keine neuen Gesetze."

Quelle: ddp/dpa/kami
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