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15.01.10

Prozess

Stalker verfolgte Frau 15 Jahre – sogar in den USA

Ein krasser Fall von Stalking wird vor dem Frankfurter Landgericht verhandelt. Ein 35-Jähriger soll eine Frau 15 Jahre lang verfolgt und belästigt haben. Das Opfer hatte mehrfach Wohnung und Arbeitgeber gewechselt, war sogar in die USA gezogen. Doch der Mann spürte die Frau immer wieder auf.

© ddp/DDP
Der Angeklagte Ibrahim A. soll auch Familie und Nachbarn seines Stalkingopfers bedroht haben
Der Angeklagte Ibrahim A. soll auch Familie und Nachbarn seines Stalkingopfers bedroht haben

Den Angeklagten würdigt sie zunächst keines Blickes. Mit raumgreifenden Schritten durchquert die 45-Jährige den Gerichtssaal und nimmt im Zeugenstand Platz. Dann berichtet die Frau, die sich seit 15 Jahren von einem Stalker verfolgt fühlt, vor dem Frankfurter Landgericht über ihre lange Leidenszeit: "Ich kann nicht mehr so leben wie ein normaler Mensch." Angefangen hätten die Belästigungen 1995, nachdem der zehn Jahre jüngere Angeklagte sie auf dem Balkon beim Sonnenbaden beobachtet hatte. "Von da ab passierten komische Dinge."

Zunächst habe der unbekannte Mann ihr noch Briefe geschrieben, in denen er seine Liebe beteuerte und ihr "die Sterne vom Himmel holen" wollte. "Ich habe gedacht, er ist ein armer Wicht, der sich in eine ältere Frau verliebt hat", erinnert sich die Geschäftsfrau. Doch im Laufe der Jahre seien die Nachstellungen immer aggressiver geworden. Briefe, Pakete und Kurzmitteilungen hätten zunehmend Pornografisches und Beleidigendes beinhaltet. Wildfremde Männer seien bei ihr aufgetaucht, weil Ibrahim A. eindeutige Kontaktanzeigen in ihrem Namen beantwortet habe.

Um ihrem Peiniger zu entkommen, habe sie in den vergangenen Jahren mehrmals Wohnorte, Arbeitgeber und Telefonnummern gewechselt, sagte die Frankfurterin. Doch selbst Umzüge nach Heidelberg und in die USA schützten sie nach ihrer Schilderung nicht vor den Nachstellungen des mittlerweile 35-Jährigen. In ihrer ehemaligen Arbeitsstelle in einer Frankfurter Bank habe A. teilweise bis zu 80 Mal am Tag angerufen und den Betrieb lahm gelegt. Arbeitskollegen seien bedroht worden, damit sie die Urlaubsadresse der Frau herausgeben.

In Heidelberg habe sie 2005 sogar "eine Zwischenwohnung" angemietet, um ihre Spuren zu verwischen. Vergebens. Zwei Tage, nachdem Ibrahim A. eine Gerichtsverhandlung in dieser Sache in Frankfurt als freier Mann verließ, habe es in Heidelberg plötzlich wieder an der Wohnungstür geklingelt. Vor allem die Tatsache, dass A. immer wieder ihre geheim gehalten Anschriften und Telefonnummern herausbekommen hatte, ängstigt die Frau. "Woher hast Du das, guck mich an!", schrie sie vor Gericht urplötzlich in Richtung des Angeklagten.

Die Frankfurterin empfängt nach eigener Aussage kaum noch Besuch. "Ich kann nicht mehr unbefangen auf die Straße gehen", sagt sie.

Auch ihr Umfeld bleibe von den Nachstellungen nicht verschont. Nachbarn würden unter Lärmbelästigung leiden, wenn A. nachts vor ihrem Haus stehe und schreit oder klingele. Und nicht nur ihre Eltern seien von dem 35-Jährigen drangsaliert worden. "Er hat über Jahre hinweg Leute angerufen, die zufällig den gleichen Nachnamen haben wie ich, es ist die totale Schikane, rein irrsinnig", sagt sie.

In psychologische Behandlung habe sie sich in all den Jahren aber nicht begeben. Manchmal liege sie jedoch nachts stundenlang wach und frage sich, wie ihr Leben weitergehen soll, sagt die 45-Järige. "Diese Ohnmacht macht mich fertig. Ich habe nur einen Wunsch: dass das endlich aufhört."

In dem Prozess vor dem Frankfurter Landgericht muss sich der mutmaßliche Verfolger der Frau verantworten. Auch einstweilige Verfügungen und ein neunmonatiger Gefängnisaufenthalt hätten ihn nicht von seinen Nachstellungen abhalten können. Die 26. Strafkammer muss nun entscheiden, ob der Mann in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert werden soll oder ob ihm eine weitere Gefängnisstrafe droht. Der Prozess wird mit der Vernehmung der Eltern der Frau fortgesetzt.

Quelle: ddp
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