Benedikt XVI.
Papst nach Angriff wohlauf, Kardinal wird operiert
Freitag, 25. Dezember 2009 20:39Nach dem Zwischenfall vor der Christmesse geht es dem Papst wieder gut. Eine geistig gestörte Frau hatte Benedikt XVI. kurz zu Fall gebracht. Der ebenfalls gestürzte Kardinal Etchegeray muss dagegen operiert werden. Bei der Täterin handelt es sich um eine 25-jährige Frau. Sie wurde auch ins Krankenhaus eingeliefert.
Papst Benedikt XVI. geht es nach dem Sturz kurz vor Beginn der Weihnachtsmesse am Vorabend im Petersdom gut. Er erteilte wie gewohnt am Mittag des Weihnachtstages den Segen „Urbi et Orbi“ (Der Stadt und dem Erdkreis) von der Loggia des Petersdoms in Rom.
Benedikt war bei dem Einzug in die Basilika gefallen, als eine 25- jährige Frau die Sperren überwunden und sich auf ihn gestürzt hatte. Der 82-jährige Benedikt wurde sofort wieder aufgerichtet und zeigte sich unbeeindruckt von dem Vorfall. Die Frau war unbewaffnet, teilte der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi mit.
Die Frau, die für den Zwischenfall in der Heiligen Nacht gesorgt hatte, war von der vatikanischen Polizei festgenommen und später dann in ein Krankenhaus gebracht worden. Erst nach und nach sickert durch, was in diesen Sekunden passierte. Der italienische TV-Sender RAI, der die Papstmesse live kommentierte, sprach zunächst noch von einem Kardinal, dem ohnmächtig geworden sei. Dann hieß es, ein Mann habe den Papst zu Boden geworfen.
Erst nach eineinhalb Stunden veröffentlicht RAI die Bilder einer Kamera, die die Szene aufzeichnete. Sie zeigen, wie eine rot gewandete Gestalt die hölzerne Balustrade des Mittelgangs überspringt und auf den Papst zurennt. Ihr gelingt es sogar, den 82-Jährigen zu berühren, sich im Pallium, der Ehrenstola des Papstes, festzukrallen. Erst dann stürzt ein Sicherheitsbeamter dazwischen und reißt die Person zu Boden. Und auch der Papst stolpert und stürzt.
Am Freitag wird bekannt, dass es sich bei der Täterin um eine 25-jährige Frau mit italienischer und Schweizer Staatsangehörigkeit handelt, Susanna M. Offenbar versuchte sie bereits vor einem Jahr eine ähnliche Attacke, wurde aber einige Sekunden früher von den päpstlichen Leiwächtern abgefangen. Die wohl geistig-verwirrte Angreiferin wurde nach dem erneuten Angriff von der Gendarmerie verhaftet, abgeführt und verhört.
Unmittelbar nach dem Vorfall tauchten Fragen nach der Sicherheit des Papstes auf. Denn Zwischenfälle wie dieser ereignen sich immer wieder. Man nehme den Vorgang nicht besonders ernst, meinte ein Vertreter der Gendarmerie. Zu keinem Zeitpunkt habe Gefahr für das Leben des Papstes bestanden. Trotzdem: Auch das fast tödliche Attentat auf Papst Johannes Paul II. 1981 geschah aus der Menschenmenge heraus.
In seiner Weihnachtspredigt rief Benedikt die Menschen dazu auf, den Egoismus zu überwinden und Gott höchste Priorität einzuräumen. „Der Streit in der Welt, die Unversöhnlichkeit miteinander rührt daher, dass wir eingeschlossen sind in die eigenen Interessen und Meinungen“, erklärte er im dicht besetzten Petersdom. Der Mensch könne Gott ähnlich werden, aber nur, wenn er Demut und so die wahre Größe lerne. Es gehe darum, der Gewalt zu entsagen „und nur die Waffen der Wahrheit und der Liebe zu benutzen“, fügte Benedikt an.Die meisten Menschen wohnten aber weit weg von Jesus Christus, dem Menschgewordenen, beklagte der Papst. „Wir leben in Philosophien, in Geschäften und Arbeiten, die uns ganz ausfüllen und von denen aus der Weg zur Krippe weit ist“, erläuterte er. In der Liste der Prioritäten stehe Gott also häufig so ziemlich an letzter Stelle, obwohl doch das Evangelium sage, dass er höchsten Vorrang habe: „Wenn irgendetwas in unserem Leben Eile ohne Aufschub verdient, dann doch allein die Sache Gottes.“ Das aber erscheine den meisten Menschen nicht vordringlich.
Auf dem Petersplatz vor der Basilika verfolgten Tausende Menschen die Weihnachtsmesse zur Geburt Jesu bei Regenwetter und starkem Scirocco-Wind auf Videoleinwänden. Zuvor wurde auf dem Petersplatz die traditionelle Krippe enthüllt. Die Messe wurde von zahllosen TV- und Radio-Sendern weltweit meist live gezeigt.dpa/AFP/ws
















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