Üble Nachrede
Ex-Richter muss 10.000 Euro an Kampusch zahlen
Im Zusammenhang mit der spektakulären Entführung von Natascha Kampusch ist der frühere Präsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofs, Ludwig Adamovich, wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt worden. Kampuschs Mutter fühlte sich durch seine Worte beleidigt.
Hinter dieser Metalltür im Keller verbarg sich Nataschas Gefängnis. Als der Entführer nicht abschloss, nutzte sie die Chance zur Flucht.
Wegen übler Nachrede zu Lasten von Kampusch-Mutter Brigitta Sirny muss der ehemalige Chef des österreichischen Verfassungsgerichtshofes, Ludwig Adamovich, 10.000 Euro Geldstrafe zahlen.
Das Wiener Straflandesgericht verurteilte den Juristen, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA.
Der 77-jährige Jurist hatte immer wieder angedeutet, dass es dem Entführungsopfer Natascha Kampusch bei ihrer Mutter nicht gut gegangen und sie möglicherweise freiwillig bei ihrem Entführer Wolfgang Priklopil geblieben sei.
In einem Interview mit der "Kronen-Zeitung" Anfang August hatte er unter anderem gesagt, dass es dem Mädchen möglicherweise in dem Verlies besser gegangen sei als zuvor. Der Anwalt des ehemals obersten Richters des Landes kündigte Berufung an.
Adamovich ist Vorsitzender einer nach Ermittlungspannen von der Regierung eingerichteten Kampusch-Kommission, die schwere Vorwürfe gegen die Behörden erhoben hat und von Vertuschung spricht. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall inzwischen neu aufgerollt, die Ermittlungen sollen Anfang kommenden Jahres abgeschlossen sein.
Adamovich bekräftigte vor Gericht erneut seine Aussagen. Sirny sei mit ihrer Tochter nicht besonders liebevoll und zärtlich umgegangen, sagte er. Demgegenüber gebe es Anzeichen dafür, dass sich zwischen Entführer und Entführter eine positive, sogar liebevolle Beziehung entwickelt habe, sagte der Jurist nach APA-Angaben. Es sei bisher überhaupt nicht in Betracht gezogen worden, dass Kampusch ja Gelegenheit gehabt habe, sich aus der Gefangenschaft zu befreien.
Nach Ansicht von Richterin Birgit Schneider hat Adamovich Sirny öffentlich eines gegen die guten Sitten verstoßenden Verhaltens beschuldigt und sie damit verächtlich gemacht. Der Jurist kündigte nach der Verurteilung an, möglicherweise vom Vorsitz der Kampusch-Kommission zurücktreten zu wollen.
Der damals 18-jährigen Kampusch gelang am 23. August 2006 die Flucht aus einem Kellerverlies in Strasshof, in dem sie Priklopil achteinhalb Jahre gefangen gehalten hatte. Noch am selben Tag nahm sich ihr Peiniger das Leben. Er hatte sie als Zehnjährige auf dem Weg zur Schule entführt.
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