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18.12.09

Chaos durch Kältewelle

Mann erfriert in Hütte nach Wintereinbruch

Verkehrskollaps, ausgefallene Flüge, Minusrekorde: Der Wintereinbruch hat weite Teile Europas und Japans ins Chaos gestürzt. Die Meteorologen erwarten weitere Schneefälle, die Kältewelle soll erst noch ihren Höhepunkt erreichen. In Rheinland-Pfalz ist bereits ein Mann erfroren.

© dpa
Schneeräumung.

Im eisigen Griff des Winterwetters ist ein Obdachloser in Rheinland-Pfalz erfroren. Der 62 Jahre alte Mann war tot in einer ehemaligen Pfadfinder-Schutzhütte in Bendorf (Rheinland-Pfalz) gefunden worden, teilte die Polizei mit. Nach Angaben des Sozialministeriums in Mainz ist der Mann der erste Kältetote im Land in diesem Winter. Im Winter 2008/2009 war eine Obdachlose in Igel bei Trier in einem Zelt erfroren. "Davor gab es aber über Jahre hinweg keine solchen Todesfälle", sagte eine Ministeriumssprecherin.

Auf den Straßen kam es zu Hunderten Karambolagen – allein in Hamburg gab es 130 Unfälle. In Belgien stauten sich die Fahrzeuge auf einer Länge von 350 Kilometern, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Auf Flughäfen in Brüssel, London und Paris fielen Flüge wetterbedingt aus.

In der französischen Hauptstadt mussten Hunderte Passagiere, die nach Hamburg, Stuttgart und anderswohin wollten, die Nacht auf dem Flughafen verbringen. Das Luftfahrtamt DGAC rief die Fluggesellschaften auf, wie bereits am Donnerstag ein Drittel der Flüge zu streichen. Selbst die Hochgeschwindigkeitszüge TGV mussten ihre Fahrt drosseln. Mehrere Fernstraßen im Norden wurden für den Schwerverkehr gesperrt, Schulbusse blieben in den Depots.

Selbst die an heftigen Frost gewöhnten Bewohner der russischen Hauptstadt Moskau bibbern unter eisigen Temperaturen. In der Nacht zum Freitag erfror ein Mann. Damit stieg die Zahl der Kältetoten in der Metropole seit Anfang November auf 19, teilten die Behörden nach Angaben der Agentur Interfax mit. Dutzende Menschen erlitten Erfrierungen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen konnte wegen des harschen Frosts erst am Freitagmittag statt wie geplant am Donnerstagabend nach Brüssel zurückfliegen. In der ostrussischen Republik Tuwa sank das Thermometer auf unter minus 40 Grad.

In Bulgarien war nach Medienberichten der Nordosten betroffen. Ein Lehrer wurde erfroren aufgefunden, sieben Dörfer waren ohne Strom. Im Schnee stecken gebliebene Lastwagen blockierten wichtige Landstraßen. Schnee auch in Norditalien, wo auf der Marcesina in den Dolomiten Temperaturen von minus 27 Grad Celsius gemessen wurden. Freude über die Kälte herrschte dagegen in den deutschen Wintersportorten und bei den Winzern, die am Freitag die Eisweinlese begannen.

Das Wetter zu Heiligabend wird für Meteorologen dennoch zum Ratespiel. "Das ist spannend wie ein Tatort-Krimi", sagte Andreas Wagner von der meteomedia-Unwetterzentrale. Zwei große Wettersysteme über Mitteleuropa treffen aufeinander und könnten Deutschland ein "zweigeteiltes" Wetter bescheren. "In der Südosthälfte könnte milde Luft die Oberhand gewinnen – im Nordwesten könnte es relativ kalt bleiben", sagte Wagner. "Und an der Grenze der beiden Gebiete diagonal durch Deutschland vom Saarland bis Mecklenburg-Vorpommern ist Schneefall möglich."

Andreas Friedrich, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) entgegnet, dass es sich dabei um ein "Außenseitermodell" handelt. Der DWD habe aus allen verfügbaren Modellen die wahrscheinlichste Vorhersage getroffen – und danach wird kein Schnee fallen. Spätestens an Heiligabend solle es in ganz Deutschland zwischen null und fünf Grad warm sein, so dass der gefallene Schnee zu tauen beginne. Da es im Osten kälter bleibt, besteht laut Friedrich aber noch die Chance, dort durch eine weiße Winterlandschaft zu spazieren.

Nach Einschätzung von meteomedia liegt die Wahrscheinlichkeit für eine weiße Weihnacht für den Norden und die Mittelgebirge derzeit bei 60 bis 70 Prozent. Schuld am Wetterwirrwar sind Tief "Uwe" und Hoch "Frauke", die für eine extrem kalte Ostströmung sorgen. Dagegen beschert Tief "Vincent" milde Luft. Für Sonntag rechnet die Unwetterzentrale mit starkem Schneefall.

Am Montag kann dann die ganze Republik von der weißen Pracht bedeckt sein, schätzt auch der DWD. Zunächst soll es am Wochenende noch einmal bitterkalt werden. Für den Osten, die Mitte Deutschlands und die Mittelgebirge gibt es Frostwarnungen vor Temperaturen zwischen minus 15 und minus 20 Grad.

Quelle: dpa/kami
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