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Bedürfnis und Örtchen

Warum wir den Welttoilettentag dringend brauchen

Heute ist Welttoilettentag. Gleichzeitig auch der Gedenktag an die Heilige Elisabeth. Und der Tag der Philosophie. Wer jetzt meint, diese drei Anlässe hätten nicht mehr gemeinsam als das Datum, der irrt. Denn das stille Gedenken am stillen Örtchen täte jedem von uns gut.

Inzwischen ist es unwahrscheinlich, dass ein Tag einfach nur ein Montag oder wie ein Donnerstag ist. Weltweit arbeiten Institutionen und PR-Agenturen daran, jeden Tag einer größeren Aufgabe zu widmen. UN-Organisationen alleine haben inzwischen 70 solcher „Welttage“ geschaffen.

Bei dem reichhaltigen Angebot kann es schon mal passieren, dass Tage, die auf den ersten Blick nicht so recht zusammenpassen wollen, aufeinandertreffen. So wie heute. Für die Kirche ist der 19. November seit bald 800 Jahren der Gedenktag von Elisabeth von Thüringen. Seit acht Jahren wird er auch als „Welttoilettentag“ begangen. Und in diesem Jahr fällt zudem der „Tag der Philosophie“ auf das Datum.

Ein Zufall? Wer denkt, die verschiedenen Anlässe sind grundsätzlich unvereinbar, der irrt. Laut dem Fuldaer Bischof, in dessen Zuständigkeitsbereich Elisabeth fällt, ist sie Vorbild für Nächstenliebe und „in unserer heutigen Gesellschaft bei der steigenden Armut von besonderer Bedeutung.“

Der Welttoilettentag ist gar nicht soweit von diesem karitativem Ideal entfernt: 2,5 Milliarden Menschen leben weltweit ohne sanitäre Grundversorgung, jeden Tag sterben 6000 Kinder an vermeidbaren Durchfallerkrankungen, verursacht durch Mangel an sanitären Anlagen.

Der Welttag des Klos will aufrufen, dagegen etwas zu unternehmen. Und was hat der Tag der Philosophie damit zu tun? Laut UN erinnert er daran, „dass Philosophie als Disziplin zum kritischen und unabhängigen Denken ermutigt und auf ein besseres Verständnis der Welt hinwirken kann“.

Vielleicht sollten jene, die auf öffentlichen Toiletten zum Stift greifen, um ihre Liebe für Lars oder Christina oder ihre Frustration mit dem System auf der Wand zu verewigen, sich die seltene Kombination dieser drei Tage mal zum Vorbild nehmen: Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einen intelligenten Klo-Aphorismus? Einem, der daran erinnert, dass WCs ein Privileg sind.

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