"Gegen Gewalt an Schulen"
Eltern gründen eine Stiftung gegen Amokläufe
Die Eltern der Opfer von dem Amoklauf in Winnenden werden bundesweit aktiv. Eine Stiftung wurde gegründet, um Geld für die Fortbildung von Lehrern und die Einrichtung einer Notruf-Hotline zu sammeln. Damit sollen Jugendliche ermutigt werden, auffällige Veränderungen zu melden.
Von Martin Lutz
Die Autogeisel des Amokschützen sagte aus, Tim K. habe nach den tödlichen Schüssen "zufrieden" auf ihn gewirkt.
Die "Stiftung gegen Gewalt an Schulen", die das Aktionsbündnis Amoklauf im baden-württembergischen Winnenden gegründet hat, will Geld sammeln, um unter anderen betreuten Notruf für Eltern und Schüler sowie Fortbildungen für Lehrer zu finanzieren. Damit soll geholfen werden, Amokläufe zu verhindern.
In Winnenden hatte der 17-jährige Tim K. am 11.März mit der nicht weggeschlossenen Waffe seines Vaters bei einem Amoklauf 15 Menschen und schließlich sich selbst erschossen. Die Tatwaffe hatte der Jugendliche aus dem Schlafzimmer seiner Eltern entwendet.
Die Stiftung will Schulpsychologen finanzieren, die Lehrer im Umgang mit auffälligen Schülern rasch unterstützen können. Derzeit vergehen nach Angaben der Stiftung bis zu 15 Monate, bis es zu einem Gespräch zwischen einem auffälligen Schüler und einem Schulpsychologen kommt.
Zudem soll ein Wettbewerb für Schulklassen ausgelobt werden, um Programme zur Gewaltprävention an Schulen zu entwickeln. Mit Fortbildungsseminaren für Lehrer, der Gründung eines Expertenrates und einer Musterschule im Rems-Murr-Kreis will die Stiftung dafür sorgen, dass drohende Gewalt früher erkannt wird. Dazu werden eine Mail-Adresse und eine Notrufnummer auf der Internetseite des Aktionsbündnisses eingerichtet.
Dieses Frühwarnsystem solle Jugendliche ermutigen, auffällige Veränderungen zu melden, sagte Hardy Schober, Vorsitzender der Stiftung und Vater eines Opfers. Mithilfe von Diakonie, Gewaltexperten und anderen vorhandenen Strukturen solle ein Sicherheitsnetz geschaffen werden.
Schober plädiert zudem für Verschärfungen im Waffenrecht: "Wir brauchen schärfere Gesetze, viele lagern ihre Waffen falsch." Landesweite Prüfungen bei Waffenbesitzern in Baden-Württemberg belegen, dass Waffen in Haushalten häufig nicht so sicher aufbewahrt werden, wie es das Waffengesetz vorschreibt.
Laut Innenminister Heribert Rech (CDU) kam es bei mehr als der Hälfte der überprüften Haushalte zu Beanstandungen. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sprach sich ebenfalls für Konsequenzen aus. "Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass in anderen Bundesländern die Waffen sorgfältiger aufbewahrt werden", sagte der BDK-Bundesvorsitzende Klaus Jansen.
Schusswaffen und Munition sollten nur noch getrennt voneinander gelagert werden dürfen. Der BDK verlangt überdies ein Verbot von Großkaliber-Kurzwaffen. Bei den Schulamokläufen von Erfurt und Winnenden benutzten die Täter solche Waffen.
Welche Verheerungen sie anrichten können, zeigte sich in Winnenden. Hier schoss der Täter während seines Amoklaufs unter anderem vom Gang durch eine massive Tür in den Physikraum.
Das Projektil durchschlug die Tür, dann den Körper einer Lehrerin, trat aus und hinterließ im Aluminiumrahmen eines Fensters noch ein 4,5 Zentimeter großes Loch.
Der Vater des Amokschützen, Jörg K., wird möglicherweise für den sorglosen Umgang mit der Waffe bestraft. Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart ermittelt gegen K. wegen fahrlässiger Tötung und will in dem Verfahren grundsätzlich klären lassen, ob ein Waffenbesitzer, der seine Waffe nicht ordnungsgemäß aufbewahrt, strafrechtlich für das verantwortlich gemacht werden kann, was mit dieser Waffe getan wird.
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